Die Arbeiten von Craig Crews haben neue Möglichkeiten für die Entwicklung moderner Medikamente geschaffen. Sie stellen nicht weniger als einen Paradigmenwechsel in der Wirkstoffforschung dar: Bislang versuchte man krankheitsrelevante Proteine zu hemmen, indem man ihre aktive Bindungstasche mit einem Wirkstoff vorübergehend blockiert. Craig Crews zeigte hingegen, wie man diese Proteine dem Abbau in der Zelle zuführt und sie damit permanent ausschaltet. Statt das Protein also nur zu blockieren, wird es gezielt zum Abbau durch die Zelle markiert.
Damit Zellen gesund bleiben, müssen beschädigte oder nicht mehr benötigte Proteine regelmäßig entfernt werden. Dafür besitzt der Körper ein eigenes „Recyclingsystem“: das sogenannte Ubiquitin-Proteasom-System (UPS). Dabei werden unerwünschte Proteine zunächst mit einer Art Markierung versehen und anschließend von der Zelle abgebaut. Die Forschung von Craig Crews erschuf einen molekularen Baukasten in Form von Proteolysis-targeting Chimeras (PROTACs), der sich dieses natürliche System zunutze macht, um krankheitsverursachende Proteine systematisch zu entfernen.
„Craig Crews hat mit seinen visionären Arbeiten die Grenzen der klassischen Wirkstoffforschung erweitert. Sein Ansatz, krankheitsrelevante Proteine gezielt dem Abbau zuzuführen, hat ein neues Forschungsfeld begründet und eröffnet vielversprechende Perspektiven für die Entwicklung innovativer Therapien. Mit der Inhoffen-Medaille ehren wir einen Forscher, dessen Ideen Wissenschaft und Medizin weltweit beeinflussen“, sagt TU-Präsidentin Angela Ittel.
Der wissenschaftliche Geschäftsführer des HZI, Josef Penninger, ergänzt: „Als Pionier der PROTAC-Technologie ist Craig Crews einer der herausragendsten Wissenschaftler und ein ideenreicher Innovationsmotor, der substanzielle Beiträge zur Gesundheitsversorgung sowie zur gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wertschöpfung geleistet hat. Für die Preisträger:innen der HZI Promotionspreise ist es daher eine besondere Ehre, im Rahmen der Inhoffenvorlesung auf eine solche Koryphäe treffen zu dürfen.“