Forschung an der Schnittstelle von Mensch, Tier und Umwelt
Klimawandel, Globalisierung und der Verlust natürlicher Lebensräume verändern die Ausbreitung von Infektionskrankheiten weltweit. Krankheitserreger überwinden immer häufiger Artgrenzen, während Antibiotikaresistenzen weiter zunehmen. Mit der Gründung des HIOH im Jahr 2021 als Standort des Braunschweiger Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) wurde der Grundstein für einen neuen Forschungsschwerpunkt in Greifswald gelegt. Im Mittelpunkt steht der One Health-Ansatz, der die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt als eng miteinander verbunden betrachtet.
„Das HIOH ist bereits jetzt in seiner Entstehungsphase ein international hoch anerkannter Forschungsstandort, bei dem es darum geht, Gesundheitskrisen von morgen zu verhindern. Mit dem Neubau investiert das Land in modernste Infrastruktur für die Gesundheitsforschung und schafft damit in Greifswald gemeinsam mit dem Bund einen international sichtbaren „One Health-Standort“ Greifswald“, sagte Wissenschaftsministerin Bettina Martin beim Richtfest in Greifswald.
Heute arbeiten am HIOH Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam mit Forschenden der lokalen Partnerinstitutionen – der Universität Greifswald, der Universitätsmedizin Greifswald und des Friedrich-Loeffler-Instituts – fächerübergreifend daran, die Entstehung zoonotischer Erkrankungen, antimikrobieller Resistenzen und die Evolution von Krankheitserregern zu erforschen. Die Ursprünge und Übertragungswege von Infektionen besser zu verstehen und damit das Risiko neuer Pandemien zu reduzieren, wird in einer zunehmend vernetzten Welt immer wichtiger. Erreger können in kürzester Zeit rund um den Globus reisen und stellen so auch weit entfernt ihrer Ursprungsorte eine gesundheitliche Bedrohung dar.
„Mit der Unterstützung von Land und Bund, für die ich mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bedanke, können wir unsere interdisziplinäre One Health-Forschung weiter ausbauen und neue Ansätze für die Pandemievorsorge und den Schutz der globalen Gesundheit entwickeln“, betonte HIOH-Direktor Prof. Fabian Leendertz.
Gemeinsames Projekt starker Partner
Prof. Karlhans Endlich, Wissenschaftlicher Vorstand der Universitätsmedizin Greifswald, sieht darin großes Potenzial: „Der Neubau eröffnet neue Horizonte am Standort Greifswald für die One Health-Forschung, welche die Gesundheitsversorgung durch eine Stärkung der Prävention und Resilienz nachhaltig verbessern wird.“
Für Prof. Veronika von Messling, Leiterin der Abteilung Gesundheit und Lebenswissenschaften im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), steht die interdisziplinäre und internationale Dimension der Forschung im Vordergrund: „One Health-Forschung endet nicht an Fach- oder Ländergrenzen. Das neue Forschungsgebäude bietet dem HIOH den Raum und die Möglichkeiten, seine internationale Zusammenarbeit weiter auszubauen und neue Forschungsansätze gemeinsam mit Partnern weltweit zu entwickeln.“
Zum Abschluss der Feier sprach der Bauleiter den traditionellen Richtspruch und wünschte dem neuen Gebäude und seinen künftigen Nutzerinnen und Nutzern Glück und Segen. Anschließend griffen die Ehrengäste selbst zum Hammer und setzten mit einem symbolischen Nagelschlag ein Zeichen für den erfolgreichen Abschluss des Rohbaus. Beim Richtschmaus unter freiem Himmel klang die Feier aus.
Unter den zahlreichen Gästen waren auch Christian Pegel, Minister für Inneres und Bau des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Stefan Fassbinder, Oberbürgermeister der Universitäts- und Hansestadt Greifswald, Prof. Katharina Riedel, Rektorin der Universität Greifswald, Prof. Christa Kühn, Präsidentin des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), sowie Prof. Josef Penninger, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des HZI, und Prof. Joachim Schultze als Vertreter des Präsidiums der Helmholtz-Gemeinschaft.
Moderne Infrastruktur für internationale One Health-Forschung
Das neue Labor- und Bürogebäude wird künftig optimale Voraussetzungen für interdisziplinäre Forschung an der Schnittstelle von Mensch, Tier und Umwelt schaffen und auf 2800 m2 Nutzfläche rund 120 Mitarbeitenden Platz bieten. Zu seiner Ausstattung gehören hochmoderne Laborbereiche, darunter auch Labore der biologischen Sicherheitsstufe 3 (S3), die mit innovativer Technik den sicheren Umgang mit Krankheitserregern ermöglichen.
Das Gebäudekonzept setzt zudem auf einen verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen und einen energieeffizienten Betrieb. Dazu tragen begrünte Dachflächen, Systeme zur Wasserrückhaltung und -speicherung, eine Photovoltaikanlage zur Eigenstromversorgung und Wärmepumpen bei.
Für die Planung und Umsetzung des anspruchsvollen Bauvorhabens ist die Goldbeck Nordost GmbH aus Rostock verantwortlich. Das Management-Unternehmen rheform GmbH begleitet das Projekt seit der Konzeption und koordiniert die weiteren Schritte bis zur Fertigstellung 2027.