In Deutschland leben rund 115.000 Menschen mit einer Kollagenose. Sie verlaufen chronisch, eine Heilung gibt es bislang nicht. Zwar können Medikamente Beschwerden lindern, doch häufig dauert die Suche nach der passenden Therapie lange, was mit viel Leid und hohen Kosten verbunden sein kann.
Ein Team aus Forschenden sowie Ärzt:innen der MHH, des TWINCORE und des HZI arbeitet gemeinsam daran, das zu ändern. Ihr Projekt „PREcision DIagnostics to CombaT Connective Tissue Diseases“ (PREDICT-CTD) hat das Ziel, ein neues Diagnoseverfahren zu entwickeln. Es soll dafür sorgen, dass die Patient:innen künftig gezielter und individueller behandelt werden können.
Behandlung je nach Ursache der Krankheit
Dafür baut das Team auf dem Wissen auf, dass Kollagenosen – obwohl sie sehr viele verschiedene Symptome verursachen – je nach ihrer ursächlichen Immunreaktionen in zwei Gruppen von führenden Entzündungsreaktionen eingeteilt werden können. „Entweder wird die Entzündung vorrangig von bestimmten Immunzellen ausgelöst, von den B-Zellen, oder von speziellen Botenstoffen des Immunsystems, von Typ1-Interferonen. Entsprechend hängt die optimale Therapie von der jeweils führenden Ursache ab“, sagt Dr. Dr. Theresa Graalmann, die das Projekt mit Prof. Yannic Bartsch leitet.
Bisher gibt es noch keine klinische Routinediagnostik, mit der die führende Entzündungsreaktion im Gewebe der betroffenen Patient:innen festgestellt werden kann, um schnell die passende Therapie einleiten zu können. Derzeit muss die geeignete Therapie ausprobiert werden. Ziel des neuen Projektes ist es, die klinische Routinediagnostik zu entwickeln, mit der speziell der individuelle Entzündungstyp analysiert und die passende Therapie gefunden werden kann. So werden unnötige Behandlungen vermieden.
Reaktionen des Immunsystems im Fokus
Für die Studie sollen zirka 200 Kinder und 2.000 Erwachsene mit Kollagenosen untersucht werden. Das Team analysiert neben klinischen Faktoren deren Blutproben, genetische Faktoren und Gewebe, insbesondere die Haut. Im Fokus stehen dabei die Reaktionen des Immunsystems.
Das Projekt startet am 1. Juli 2026 und ist auf fünf Jahre angelegt. Das Land Niedersachsen und die VolkswagenStiftung unterstützen das Vorhaben mit 2,7 Millionen Euro im Rahmen des Programms „zukunft.niedersachsen“. Das Programm fördert Projekte, die neue Diagnosen und Therapien für seltene Erkrankungen entwickeln wollen. Als selten gelten Erkrankungen, wenn sie weniger als fünf von 10.000 Menschen betreffen. Sie sind oft besonders schwer zu diagnostizieren und zu behandeln.
Ein Begriff – viele Krankheitsbilder
Kollagenosen umfassen mehrere unterschiedliche Erkrankungen. Zu den häufigsten zählen: Systemische Sklerose, Systemischer Lupus erythematodes, die Sjögren’s Erkrankung und inflammatorische Myositiden. Auch Mischformen sind möglich.
Die Erkrankungen können sich sehr unterschiedlich äußern: Bei der Systemischen Sklerose kommt es zu einer Vernarbung des Bindegewebes. Das kann sowohl die Haut als auch die inneren Organe betreffen. Systemischer Lupus erythematodes kann neben Haut und Gelenken auch Nieren, Herz oder das Nervensystem angreifen. Die Sjögren’s Erkrankung führt zu trockenen Augen und trockenem Mund, kann aber auch verschiedene Organe betreffen. Inflammatorische Myositiden gehen mit chronischen Entzündungen der Muskulatur und folglich einer Muskelschwäche einher.
Die Ursachen für Kollagenosen sind vielfältig und umfassen sowohl genetische Faktoren als auch Umwelteinflüsse wie Rauchen, Feinstaub, Infektionen und Hormone. Bisher sind Kollagenosen nicht heilbar. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Beschwerden abzuschwächen.
Text: Bettina Bandel