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Neue Empfehlungen der WHO zur COVID-19-Impfung

HZI-Forscher Henning Jacobsen bringt Expertise in Positionspapier ein, das den Schutz besonders gefährdeter Menschen in den Mittelpunkt stellt

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat kürzlich ein neues Positionspapier zu COVID-19-Impfstoffen veröffentlicht. Dr. Henning Jacobsen, Wissenschaftler in der Abteilung „Virale Immunologie“ am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI), hat die WHO als externer Berater unterstützt und an dem Papier mitgewirkt. Die aktualisierten Empfehlungen konzentrieren sich auf Menschen mit einem erhöhten Risiko für schwere COVID-19-Verläufe. Mit Blick auf die bevorstehende Erkältungs- und Grippesaison bietet das Papier Anlass, den eigenen Impfschutz ärztlich überprüfen zu lassen.

Das Positionspapier bündelt die wissenschaftliche Evidenz zur Sicherheit und Wirksamkeit der verfügbaren COVID-19-Impfstoffe und ersetzt die bisherigen vorläufigen WHO-Empfehlungen. Im Mittelpunkt steht die Vermeidung schwerer Erkrankungen und Todesfälle. Die WHO berücksichtigt dabei die inzwischen hohe Immunität in der Bevölkerung durch Impfungen und Infektionen sowie den nachlassenden zusätzlichen Schutz nach einer Impfung.

„Auch wenn die mediale Aufmerksamkeit deutlich zurückgegangen ist, ist COVID-19 nach wie vor eine ernstzunehmende Infektionskrankheit“, sagt Henning Jacobsen. „Für viele Menschen ist das Risiko eines schweren Verlaufs heute zwar deutlich geringer als zu Beginn der Pandemie, doch für besonders gefährdete Personen bleibt ein aktueller Impfschutz weiterhin sehr wichtig. Die aktualisierten WHO-Empfehlungen helfen, Impfangebote gezielt dort einzusetzen, wo sie den größten Nutzen haben.“

Die WHO legt den Mitgliedstaaten nahe, regelmäßige Impfangebote vorrangig für Menschen mit dem höchsten Risiko vorzusehen. Dazu zählen Hochbetagte, ältere Menschen mit relevanten Grunderkrankungen oder schwerer Adipositas, Bewohner:innen von Pflegeeinrichtungen sowie Menschen ab sechs Monaten mit einer mittelgradigen oder schweren Immunschwäche. Die Altersgrenzen sollen die Länder selbst festlegen; für Hochbetagte nennt die WHO beispielsweise 75 oder 80 Jahre.

Für diese Gruppen empfiehlt die WHO mindestens eine Impfdosis jährlich, vorzugsweise zwei im Abstand von etwa sechs Monaten. Bei der nationalen Umsetzung sollen auch die Kosteneffektivität und die praktische Durchführbarkeit berücksichtigt werden.

Abhängig von der Situation im jeweiligen Land können weitere Gruppen einbezogen werden: etwa ältere Menschen ohne relevante Grunderkrankungen, jüngere Menschen mit erhöhtem gesundheitlichem Risiko sowie Gesundheits- und Betreuungspersonal mit direktem Kontakt zu besonders gefährdeten Personen. Für Schwangere sieht das WHO-Impfschema eine Dosis möglichst im zweiten Schwangerschaftsdrittel vor, um Mutter und Kind zu schützen.

Mit der bevorstehenden Erkältungs- und Grippesaison rückt der Schutz vor Atemwegsinfektionen wieder stärker in den Fokus. SARS-CoV-2 zirkuliert allerdings ganzjährig; ein verlässlich vorhersehbares saisonales Muster ist laut WHO bislang nicht etabliert. Wenn beide Impfungen angezeigt sind, können COVID-19- und Grippeimpfstoffe beim selben Termin an unterschiedlichen Körperstellen verabreicht werden.

Für Impfentscheidungen in Deutschland sind die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) maßgeblich. Sie empfiehlt seit ihrer Aktualisierung im Juli 2026 die jährliche COVID-19-Standardimpfung ab 75 Jahren; daneben bestehen Indikationsimpfempfehlungen für Menschen mit bestimmten Grunderkrankungen. Die Impfung soll bevorzugt im Spätsommer oder Frühherbst erfolgen. Wer zu einer Risikogruppe gehört, sollte mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt klären, welche Impfungen und Abstände individuell sinnvoll sind.

Weitere Informationen

In der aktuellen Folge des HZI-Podcasts InFact berichtet Henning Jacobsen über seine WHO-Beratung und die Forschung an Impfstoffen für langanhaltenden Schutz: „Ciao Auffrischungsimpfung – neue Impftechnologie für langanhaltenden Schutz“. 

Originalpublikation

Positionspapier der WHO zur COVID-19-Impfung (auf Englisch)

Portrait Andreas Fischer

Pressekontakt

Dr. Andreas Fischer
Wissenschaftsredakteur