Pilz auf Waldboden
Im Rahmen des Vorläuferprojekts Mycobiomics dokumentierter Makropilz im Arabuko-Sokoke-Nationalpark in Kenia
News

HZI koordiniert internationales Austauschprojekt zur Pilzforschung

Das Netzwerk „Mycobiomics 2.0“ stärkt die Suche nach neuen Wirkstoffen gegen resistente Erreger und fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs

Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) koordiniert mit „Mycobiomics 2.0“ erneut ein internationales Forschungs- und Austauschprojekt in der Pilzforschung. Die Förderung des kürzlich gestarteten Projekts erfolgt als eine Marie Skłodowska-Curie-Aktivität (MSCA) innerhalb des EU-Forschungsrahmenprogramms Horizon Europe und umfasst insgesamt knapp 1,8 Mio. Euro. Mycobiomics 2.0 baut auf den erfolgreichen Vorgängerprojekten „GoMyTri“ (2014–2018) und „Mycobiomics“ (2021–2025) auf, die ebenfalls am HZI koordiniert wurden. Im Zentrum steht die Entdeckung neuer anti-infektiver Wirkstoffe, um die zunehmende Ausbreitung antimikrobieller Resistenzen zu bekämpfen.

Unter der Leitung von Prof. Marc Stadler, der der HZI-Abteilung „Mikrobielle Wirkstoffe“ vorsteht, arbeiten 13 Partnerinstitutionen aus elf Ländern in Afrika, Amerika, Asien und Europa zusammen. Die beteiligten Einrichtungen können nun Nachwuchsforschende in die ganze Welt entsenden, um deren persönlichen Horizont zu erweitern und interdisziplinäre Kompetenzen zu erwerben, die für ihre weitere berufliche Laufbahn von Nutzen sein werden. Die bearbeiteten Themen reichen von Evolutionsbiologie und Ökologie über Taxonomie und Systematik bis hin zu Wirkstoffforschung, Pflanzenpathologie, Lebensmittelchemie, Biotechnologie und Bioökonomie. Ergebnisse werden auf mehreren bedeutenden Konferenzen vorgestellt, und es werden Workshops zur Fortbildung von Nachwuchswissenschaftlern veranstaltet.

„Pilze sind eine bislang noch nicht ausgeschöpfte Quelle für bioaktive Naturstoffe und eröffnen zugleich neue Perspektiven für Biotechnologie, Landwirtschaft und Infektionsforschung“, sagt Marc Stadler. „Nach dem Erfolg von ‚Mycobiomics‘ möchten wir den Personalaustausch auf weitere mykologische Kompetenzzentren ausbauen und so die vielfältigen Expertisen des Netzwerkes noch erweitern.“

Das Vorgängerprojekt „Mycobiomics“ brachte bereits führende Mykolog:innen aus Europa, Asien und Afrika zusammen. Mehr als 50 Nachwuchsforschende profitierten vom interdisziplinären Austausch. Zudem wurden Extraktbibliotheken aufgebaut und neu untersuchte Pilzstämme dauerhaft gesichert. Zu den bisherigen Partnern zählen WFBI (Niederlande), BIOTEC (Thailand), CAS/IMIC (Tschechien), die Egerton University (Kenia) sowie FABI/UP (Südafrika). Neu hinzugekommen sind die University of Western Brittany (UBO, Brest, Frankreich), die Cranfield University (Vereinigtes Königreich), die Technische Universität Dänemark (DTU) und die Universität Kopenhagen sowie die kolumbianischen Partner ICESI und UdeA. Mit der Universidade Federal de Pernambuco (UFPE) in Brasilien ist zudem ein weiterer assoziierter Partner aus Lateinamerika beteiligt. Am Austauschprogramm nehmen neben Marc Stadler außerdem Prof. Theresia Stradal, die am HZI die Abteilung „Zellbiologie“ leitet, und Prof. Christine Beemelmanns, Leiterin der Forschungsgruppe „Antiinfectiva aus Microbiota“ am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS), teil. Das HIPS ist ein Standort des HZI in Kooperation mit der Universität des Saarlandes.

Die wissenschaftlichen Ergebnisse des Vorgängerprojekts werden bereits auf einer Projektseite gebündelt, auf der inzwischen fast 300 Publikationen, Vorträge und Abschlussarbeiten veröffentlicht sind. Auch die Ergebnisse von „Mycobiomics 2.0“ sollen künftig dort verfügbar gemacht werden.

Weitere Informationen

Projekt Mycobiomics 2.0

Portrait Andreas Fischer

Pressekontakt

Dr. Andreas Fischer
Wissenschaftsredakteur