Die für den Bereich Lebenswissenschaften des “Science Breakthrough of the Year” nominierten Projekte stehen exemplarisch für die Bandbreite der Forschung am HZI. Forscher:innen des PROTON-Teams in der Abteilung „Chemische Biologie“ unter der Leitung von Prof. Mark Brönstrup entwickeln neuartige Antibiotika, bei denen das Risiko für die Entwicklung von Resistenzen deutlich verringert ist. Ihr Wirkstoff ist ein sogenannter Pathoblocker, der nicht das Wachstum der Bakterien hemmt, sondern die krank machenden Mechanismen adressiert. Er richtet sich gegen ein Toxin von S. aureus, das Lungengewebe und Immunzellen zerstört, und soll gegen Lungenentzündungen bei Risikopatient:innen im Krankenhaus eingesetzt werden. Langfristiges Ziel des Teams ist es, einen neuen Ansatz für die Behandlung bakterieller Infektionen zu etablieren und so den zunehmenden Antibiotikaresistenzen nachhaltig entgegenzuwirken.
Einen präventiven Ansatz verfolgt das ENDURIVAC-Team in der Abteilung „Virale Immunologie“ von Prof. Luka Cicin-Sain mit ihrer Impfstofftechnologie. Unter der Leitung von Dr. Henning Jacobsen erforscht das Team einen Ansatz für Impfstoffe, die nach einer einzelnen Dosis langfristigen Schutz gegen Atemwegserreger bieten. Die Wissenschaftler:innen nutzen das Maus-Zytomegalie-Virus (MCMV) als Träger, um Bestandteile von respiratorischen Viren einzuschleusen. MCMV kann sich im Menschen nicht vermehren und keine Krankheiten auslösen. Es sorgt jedoch für eine langanhaltende Aktivierung des Immunsystems gegen die eingeschleusten Antigene, sodass ein langanhaltender Immunschutz nach nur einer Impfdosis entstehen soll. Die Vision ist es, Auffrischimpfungen überflüssig zu machen und viele Impfungen in einer Dosis zusammenzufassen. So möchte das ENDURIVAC Team einer steigenden Impfmüdigkeit entgegenwirken und gleichzeitig nachhaltige Lösungen für ressourcenschwache Regionen schaffen, um Gleichheit beim Gesundheitsschutz weltweit zu stärken.
PROTON und ENDURIVAC zeigen, wie Grundlagenforschung zu konkreten Lösungen für globale Herausforderungen führen kann. Die Gewinner:innen der Breakthrough-Preise werden beim Falling Walls Science Summit im November in Berlin bekannt gegeben.