Milliarden von Mikroorganismen – vor allem Bakterien, Viren und Pilze – besiedeln unseren Darm. Diese komplexe Lebensgemeinschaft wird als Mikrobiom bezeichnet. Ist das Mikrobiom vielfältig und im Gleichgewicht, wirkt sich das positiv auf unsere Gesundheit aus: Die Verdauung läuft rund und Krankheitserreger können uns nicht so leicht etwas anhaben. Mikrobiom ist jedoch nicht gleich Mikrobiom, es unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Doch es gibt Muster. Aus Studien ist bekannt, dass in Regionen der Welt wie etwa in Afrika oder Asien, in denen ein noch eher ursprünglicher Lebensstil vorherrscht, Bakterien der Gattung Segatella das Darmmikrobiom der Menschen dominieren. „In industrialisierten Ländern sind zwar ebenfalls Vertreter der Gattung Segatella im Darm vorhanden, doch dominiert wird das Mikrobiom von Bakterien der Gattung Bacteroides“, sagt Prof. Till Strowig, Leiter der Abteilung „Mikrobielle Immunregulation“ am HZI und Letztautor der Studie. „Der Antwort auf die Frage nach dem Warum wollten wir uns mit der vorliegenden Studie ein Stück weit nähern.“
In ihrem ersten Experiment untersuchten die Forschenden die Sauerstofftoleranz des weltweit wahrscheinlich am häufigsten vorkommenden Darmbakteriums Segatella copri. Ob in ihrem Lebensraum Sauerstoff vorhanden ist oder nicht, ist für Bakterien entscheidend. Es gibt Bakterien, die – wie wir Menschen auch – für ihren Stoffwechsel Sauerstoff benötigen. Andere wiederum benötigen Sauerstoff nicht zwingend oder gar nicht, tolerieren ihn jedoch in geringen Mengen. Für einige Bakterien kann Sauerstoff auch toxisch sein. „Bei guter Darmgesundheit ist im Darm in der Regel kaum und an den meisten Stellen gar kein Sauerstoff vorhanden. Für Bakterien, die nicht oder nicht so gut mit Sauerstoff umgehen können, ist das also ein optimaler Lebensraum“, sagt Dr. Youssef El Mouali, Wissenschaftler im Team von Till Strowig und einer der beiden Erstautor:innen der Studie. Für ihre Untersuchungen nutzten die Forschenden verschiedene Bakterienstämme der Art Segatella copri sowie den bakteriellen Modellorganismus Bacteroides thetaiotaomicron zum Vergleich. „Über einen Zeitraum von 30 Minuten setzten wir die Bakterien einer definierten Sauerstoffkonzentration aus“, erklärt Dr. Caroline Tawk, Wissenschaftlerin im Team von Till Strowig und ebenfalls Erstautorin der Studie. „Dass Bacteroides-Vertreter das Vorhandensein von Sauerstoff gut tolerieren können, ist bekannt. Im Vergleich war die Überlebensrate von Segatella copri um das 100.000-Fache geringer.“