DeColi - Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI)
Krankenhausinfektionen, die durch multiresistente gramnegative Bakterien verursacht werden, stellen weltweit eine wachsende Bedrohung dar – oft treten sie gerade dann auf, wenn Patient:innen am verwundbarsten sind. Eine Besiedlung des Darms mit Krankheitserregern wie Escherichia coli tritt häufig lange vor der Entwicklung schwerer Infektionen wie einer Sepsis, Lungenentzündung, Wundinfektion oder wiederkehrenden Harnwegsinfektionen auf. DeColi geht dieses Problem an der Quelle an, indem es ein lebendes biotherapeutisches Produkt entwickelt, das diese gefährlichen Bakterien selektiv aus dem Darm entfernt, bevor eine Infektion beginnt. Der Ansatz richtet sich an eine große und hochrisikobehaftete Patient:innengruppe, für die es keine zugelassenen Präventionsmöglichkeiten gibt, und nutzt ein zielgerichtet entworfenes Bakterienkonsortium mit klar definierten Funktionen. Diese Strategie, die auf zuverlässige Wirksamkeit und skalierbare Herstellung ausgelegt ist, zielt darauf ab, Infektionen zu verhindern, anstatt auf sie zu reagieren. DeColi bietet einen neuen, proaktiven Weg, um antibiotikaresistente Infektionen zu reduzieren und die Behandlungsergebnisse für Patient:innen zu verbessern.
DECYTE - Georg August Universität Göttingen
Bauchbeschwerden sind häufig – und sie erzählen nicht immer die ganze Geschichte. Die zugrunde liegenden Ursachen reichen von harmlosen Problemen bis hin zu lebensbedrohlichen Erkrankungen wie dem kolorektalen Karzinom, der weltweit tödlichsten Form von Bauchkrebs. Doch die heutigen Screeningverfahren haben deutliche Schwächen: Stuhltests übersehen häufig Krebsvorstufen und frühe Stadien und die Koloskopie ist zwar effektiv, für Patient:innen jedoch invasiv. DECYTE entwickelt einen hochsensitiven, blutbasierten Test, der mithilfe künstlicher Intelligenz kolorektalen Krebs bereits in sehr frühen Stadien erkennt, indem subtile Signale des Immunsystems entschlüsselt werden – lange bevor Symptome auftreten. Der Proof-of-Concept zeigt: DECYTE erreicht eine mit der Koloskopie vergleichbare Sensitivität – ohne deren Invasivität – und übertrifft bestehende blutbasierte Screeningtests in Sensitivität und Genauigkeit. Durch den Verzicht auf invasive Eingriffe und unzuverlässige Stuhltests hat diese Technologie das Potenzial, die Krebsfrüherkennung grundlegend zu verändern und künftig auch viele weitere immunassoziierte Erkrankungen früher zu erkennen.
FLARE - Leibniz Universität Hannover (LUH)
Was wäre, wenn Chirurg:innen während einer Operation Infektionen fast so klar sehen könnten wie anatomische Strukturen?
FLARE entwickelt sNIR, einen neuartigen Farbstoff für die Nahinfrarot-Bildgebung, der eine Echtzeit-Darstellung während chirurgischer Eingriffe ermöglicht. Im Vergleich zu heute verwendeten Standardfarbstoffen liefert sNIR einen höheren Kontrast und schnellere Ergebnisse – und kann dabei mit bestehenden klinischen Bildgebungssystemen eingesetzt werden. Ursprünglich zur Detektion von Hirntumoren entwickelt, wird die Technologie nun erweitert, um bakterielle Infektionen in Wunden oder an Implantaten sichtbar zu machen und zuverlässig von harmlosen Entzündungen zu unterscheiden. Durch die Kombination intelligenter Bildgebungssonden mit modernen Technologien wie chirurgischen Robotern kann dieser Ansatz Operationen sicherer machen, Komplikationen reduzieren und letztlich Leben retten, indem er genau dann bessere Informationen liefert, wenn sie am dringendsten benötigt werden.
PAERUBLOCK - Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI)
Schwere, im Krankenhaus erworbene Lungeninfektionen, die durch Pseudomonas aeruginosa verursacht werden, gehören zu den am schwersten zu behandelnden Erkrankungen und stellen weltweit eine wachsende Gesundheitsgefahr dar. Anstatt die Bakterien direkt abzutöten, verfolgt PAERUBLOCK einen anderen Ansatz: Es zielt auf ein Schlüsselenzym ab, das der Erreger nutzt, um Gewebe zu schädigen, Entzündungen auszulösen und das Immunsystem zu umgehen. Indem die Bakterien unschädlich gemacht statt direkt angegriffen werden, ermöglicht diese Antivirulenz-Strategie den körpereigenen Abwehrkräften – und den verfügbaren Antibiotika –, Infektionen effektiver zu bekämpfen. Der Ansatz trägt dazu bei, den Selektionsdruck für Antibiotikaresistenzen zu verringern, und senkt das Risiko von Nebenwirkungen, die üblicherweise mit einer konventionellen Antibiotikatherapie verbunden sind. Da sich die Wirkstoffe in mehreren Krankheitsmodellen als hochwirksam erwiesen haben – insbesondere in Kombination mit Standard-Antibiotika – und über günstige Sicherheits- und Wirkstoffprofile verfügen, treibt das Projekt nun die präklinische und klinische Entwicklung dieser Verbindungen voran und legt damit den Grundstein für ein zukünftiges Spin-off, das sich auf sicherere und nachhaltigere Infektionsbehandlungen konzentriert.
Pathopress - Universitätsmedizin Göttingen und HAWK Göttingen
Eine präzise Krebsdiagnostik hängt maßgeblich davon ab, genau zu wissen, wie weit sich die Erkrankung ausgebreitet hat. Ein entscheidender Faktor ist die zuverlässige Erkennung von Lymphknotenmetastasen, die einen starken Einfluss auf die Stadieneinteilung, Behandlungsentscheidungen und den Behandlungserfolg hat. In der routinemäßigen Pathologie ist die Identifizierung von Lymphknoten in chirurgisch entnommenem Gewebe jedoch nach wie vor ein arbeitsintensiver und von Anwender:innen abhängiger Prozess – insbesondere bei Krebsarten wie Darm- und Eierstockkrebs, bei denen Lymphknoten in großen Mengen an Fettgewebe eingebettet sind. PathoPress führt ein neuartiges Gerät ein, das Fettgewebe mechanisch komprimiert, um dessen Volumen deutlich zu reduzieren, während die volle Kompatibilität mit der Standard-Histopathologie und Immunhistochemie gewahrt bleibt. Durch die Ermöglichung einer vollständigen und standardisierten Untersuchung des verbleibenden Gewebes macht diese Technologie eine zuverlässigere Erkennung aller Lymphknoten möglich, reduziert die Arbeitsbelastung für das Pathologiepersonal, verbessert die Sicherheit und den Arbeitsablauf und unterstützt bessere Behandlungsentscheidungen. PathoPress hat sich zum Ziel gesetzt, ein einfaches physikalisches Prinzip in ein praktisches Diagnosewerkzeug umzusetzen, das die Krebsstadien-Einteilung verbessern und letztlich Patient:innen weltweit zugutekommen kann.
RESTORE-PDAC - Universitätsmedizin Göttingen & Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Das duktale Adenokarzinom des Pankreas (PDAC) gehört zu den aggressivsten und tödlichsten Krebsarten. Aktuelle Immuntherapien schlagen jedoch häufig fehl, weil der Tumor für das Immunsystem weitgehend unsichtbar bleibt. RESTORE-PDAC begegnet dieser Herausforderung durch die Entwicklung neuartiger niedermolekularer Modulatoren, die dazu beitragen, dass Tumore wieder erkennbar werden. Der Ansatz konzentriert sich auf die Wiederherstellung der Tumorantigenität, wodurch Immunzellen in die Lage versetzt werden, Bauchspeicheldrüsenkrebs (PDAC, duktales Adenokarzinom der Bauchspeicheldrüse) effektiver zu erkennen und anzugreifen. In präklinischen Studien verbessern die Leitstrukturen die Antigenpräsentation, verstärken die T-Zell-Aktivierung und potenzieren neuartige Immuntherapien wie CAR-T-Zell-Reaktionen. Durch die Reduktion von Entwicklungsrisiken und einen klaren Weg in Richtung klinischer Umsetzung soll das Potenzial kombinierter Immuntherapien für Bauchspeicheldrüsenkrebs erschlossen werden – und neue Hoffnung für eine Erkrankung geschaffen werden, für die dringend vielversprechendere Therapien benötigt werden.
RETRACT - Universitätmedizin Göttingen (UMG)
In der modernen Chirurgie verbringen hochqualifizierte Fachkräfte bis zu vier Stunden täglich mit manueller Retraktion – dem Halten von Organen, um den Zugang zum Operationsfeld zu gewährleisten. Diese körperlich anstrengende, repetitive Aufgabe trägt zu Ermüdung bei und schränkt den effizienten Einsatz spezialisierter chirurgischer Fähigkeiten ein. RETRACT entwickelt ein neuartiges robotergestütztes Assistenzsystem, das diese Belastung übernimmt. Die Technologie fungiert als intuitive, jederzeit verfügbare „dritte Hand“ und unterstützt Chirurg:innen während der Eingriffe. Im Gegensatz zu statischen Instrumenten ist das System mit Vibroakustik- sowie Kraft-Drehmoment-Sensoren ausgestattet, die Gewebespannung und Verrutschen in Echtzeit erfassen. Durch kontinuierliche Anpassung der Position und konstante Gewebespannung soll die Patient:innensicherheit deutlich erhöht werden. RETRACT ist ein Wegbereiter für die Solochirurgie und verbindet Patient:innensicherheit mit chirurgischer Effizienz.