Bakterien auf einer Agrarplatte (rot) und blauem Stäbchen (Stringtest)

Datengesteuerte klinische Mikrobiologie

Die Nachwuchsforschungsgruppe „Datengesteuerte klinische Mikrobiologie“ untersucht bakterielle Krankenhausinfektionen mit Hilfe großer Datenmengen. Sie nutzt klinische Daten wie Vorerkrankungen, Laborwerte und Intensivpflegebedarf sowie diagnostische Informationen aus der Routinediagnostik, etwa Antibiotikaresistenzen. In enger Zusammenarbeit mit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) analysiert die Clinician Scientist-Gruppe bakterielle Genome mittels Sequenzierung, um Erreger genauer zu klassifizieren und Gene zu verstehen. Durch die Kombination von klinischen, diagnostischen und genetischen Daten will sie herausfinden, wie Bakterien Infektionen auslösen, sich im Krankenhaus verbreiten und warum einige multiresistent sind. Die Forschung basiert auf praktischen Fragestellungen aus der klinischen Arbeit und zielt darauf ab, bessere Diagnosen und Therapien für Patient:innen zu entwickeln. Diese Gruppe hat ihren Sitz am TWINCORE – Zentrum für Experimentelle und Translationale Infektionsforschung.

Dr. med. Leonard Knegendorf

Leitung

Dr. med. Leonard Knegendorf
Forschungsgruppenleiter

Unsere Forschung

Die Nachwuchsforschungsgruppe „Datengesteuerte klinische Mikrobiologie“ arbeitet daran, den Verlauf von Infektionen krankenhausassoziierter bakterieller Erreger besser zu verstehen. Wir nutzen Daten, die während Krankenhausaufenthalten gesammelt werden, einschließlich berichteter oder neu diagnostizierter Vorerkrankungen, spezifischer Laborwerte sowie Informationen zur Notwendigkeit und Dauer eines Intensivaufenthalts. Darüber hinaus erzeugt die Routinediagnostik von bakteriellen Infektionen umfangreiche Daten, wie z.B. Wachstumseigenschaften der Erreger oder Resistenzen gegenüber antimikrobiellen Wirkstoffen (Antibiogramme). Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der MHH, können diese Daten genutzt werden, um Prognosen oder Risikobewertungen für bestimmte Erreger abzuleiten.

Um die untersuchten Bakterien anhand ihres Verwandtschaftsgrades zu klassifizieren oder die Funktion bestimmter Gene aufzuklären, wird das gesamte bakterielle Genom mittels Sequenzierungsverfahren untersucht und somit eine genaue Charakterisierung ermöglicht. Auch hieraus ergeben sich große Datenmengen, die genutzt werden, um bakterielle Erreger im Kontext des Krankenhauses besser zu verstehen. Die Zusammenführung von klinischen und diagnostischen Daten mit den genetischen Informationen erlaubt es, Antworten auf folgende Fragen zu finden: Was ermöglicht Bakterien, Infektionen hervorzurufen? Wie werden sie innerhalb des Krankenhauses übertragen? Welche Eigenschaften weisen multiresistente Bakterien auf? Welche Erkenntnisse können aus der Ganzgenomsequenzierung für die Behandlung dieser Erreger gewonnen werden?

Die Hypothesen für Forschungsprojekte basieren auf der klinisch-diagnostischen Tätigkeit von Dr. Knegendorf, die ebenfalls Beratungen zur antimikrobiellen Therapie umfasst, und sind dabei an den konkreten Bedarfen einer zeitgemäßen Diagnostik und Therapie von Patientinnen und Patienten orientiert.