Infektionen und Krebs

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Tumorzellen im Zellkern.
Epothilon - der Grundstoff eines Krebsmedikamentes - stört die Zellteilung von Tumorzellen im Zellkern: Es blockiert den Spindelapparat und damit die Teilung des hier blau gefärbten Erbmaterials in zwei gleiche Teile. Epothilon wurde von Forschenden am HZI-Vorläufer Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) in einem Bodenbakterium entdeckt.

Lange glaubte man, Krebs und Infektionen seien zwei völlig voneinander unabhängige Krankheitsfelder – und häufig ist diese Meinung noch immer anzutreffen: Infektionskrankheiten fängt man sich von außen ein, Krebs entsteht im Körper. Dass diese strikte Trennung längst nicht mehr gilt, zeigen die drei weltweit häufig auftretenden Tumorerkrankungen Gebärmutterhals-, Leber- und Magenkrebs.

Gebärmutterhalskrebs, oder fachsprachlich Zervixkarzinom, ist die Folge einer Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV). Chronische Leberentzündungen, die durch Hepatitis B und C-Viren hervorgerufen werden, können Leberkrebs auslösen. Mehr als 75 Prozent der Magentumore gehen auf eine Infektion mit Helicobacter pylori zurück.

Impfungen als Krebsprophylaxe

Impfungen sind daher ein wichtiger Baustein der Krebsprophylaxe. Die HPV-Impfung wird für Jungen und Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren empfohlen. Sie verhindert neben Gebärmutterhalskrebs auch andere HPV-bedingte Krebserkrankungen, z.B. im Mund- und Rachenraum, im Analbereich und an den Genitalien. Chronische Hepatitis B kann mit antiviralen Medikamenten behandelt werden, die die Virusvermehrung hemmen. Da die Infektion mit diesen Medikamenten in der Regel aber nicht komplett ausheilt, entwickelt das Projekt TherVacB, an dem auch Impfstoffforscher:innen des HZI beteiligt sind, einen therapeutischen Impfstoff gegen Hepatitis B. 

Das Bakterium Helicobacter pylori ist der häufigste Auslöser von Magenkrebs. Um diese Krebsfälle zu verhindern und auch den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren, entwickelt das Konsortium Vax2Muc einen Impfstoff gegen das Bakterium, der eine Immunantwort in der Magenschleimhaut auslösen und Infektionen verhindern soll.

Weltweit erkranken jährlich etwa 20 Millionen Menschen an Tumoren – eine Vielzahl dieser Erkrankungen wird durch Erreger wie Viren oder Bakterien ausgelöst oder begünstigt. Zudem sind viele Krebspatient:innen besonders anfällig für Infektionen, da ihr Immunsystem geschwächt ist. Infektionsforschung ist also im weiteren Sinne auch Krebsforschung – und umgekehrt.

Mundhöhlenkeim fördert Krebswachstum

Elektronenmikroskopieaufnahme von Fusobakterien, längliche schwarz-weiße Bakterien
Elektronenmikroskopieaufnahme von Fusobakterien

Krebs und Mikroorganismen haben über Infektionskrankheiten hinaus weitere Berührungspunkte: Fusobakterien sind ein normaler Bestandteil des Mikrobioms der Mundhöhle. Gleichzeitig steht Fusobacterium nucleatum im Verdacht, das Tumorwachstum bei Speiseröhren-, Darm- und Brustkrebs zu fördern und die Metastasenbildung zu beeinflussen. Forscher:innen am Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) entwickeln daher Strategien, um die Bakterien in Karzinomen gezielt zu eliminieren. Sie setzen dabei auf Peptidnukleinsäuren (PNAs, von engl. peptide nucleic acids). Diese künstlich hergestellten Moleküle ähneln DNA oder RNA, haben im Gegensatz dazu aber ein Rückgrat aus einer proteinartigen Struktur. Die Wissenschaftler:innen können PNAs maßschneidern, um Gene von Krankheitserregern gezielt zu blockieren. Gleichzeitig verschonen diese passgenauen Antibiotika nützliche Mitglieder des Mikrobioms. Das Ziel der HIRI-Forscher:innen ist es, eine nebenwirkungsarme Alternative zu herkömmlichen Antibiotika zu entwickeln. Durch die Beseitigung der Fusobakterien aus Tumoren sollen sich zudem die Krebsheilungschancen verbessern.

Neue Medikamente aus Naturstoffen

Viele Antibiotika, die Wirkstoffforscher:innen des HZI entwickeln, sind anders als PNA nicht künstlich hergestellt, sondern stammen aus der Natur. Auch gegen Krebs haben sie bereits eine wirksame Substanz aus Bodenbakterien isoliert. Epothilon wurde von Forschenden der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) – einem Vorläufer des HZI – aus Myxobakterien isoliert, zum Brustkrebsmedikament weiterentwickelt und 2007 für amerikanische Kliniken zugelassen.

Stand: Februar 2026

(jgr, cwe)

Weitere Informationen
  • Projekt Vax2Muc zur Entwicklung eines Impfstoffs gegen Helicobacter pylori zur Prävention von Antibiotikaresistenzen und Magenkrebs
  • Projekt TherVacB zur Entwicklung eines therapeutischen Impfstoffs gegen Hepatitis B

Beteiligte Forschungsgruppen