CorA ist ein natürliches Antiinfektivum mit einem einzigartigen Wirkmechanismus. Es zeigt eine starke Wirkung gegen Filarieninfektionen wie Flussblindheit (Onchozerkose) und lymphatische Filariose (LF). Zusätzlich wirkt es gegen Staphylokokken sowie gegen die Erreger einer ambulant erworbenen Lungenentzündung (CAP). Filarieninfektionen treten vorwiegend in Afrika auf (und im Falle der LF auch in Asien), betreffen Millionen von Menschen und werden durch parasitäre Würmer verursacht, die auf bakterielle Symbionten angewiesen sind. CorA zielt selektiv auf diese Symbionten ab und bietet somit einen vielversprechenden therapeutischen Ansatz. Der Wirkstoff wurde in den 1980er Jahren von Wissenschaftlern am HZI im Bakterium Corallococcus coralloides identifiziert.
Der Technologietransfer konnte im Maßstab von 1.500 Litern erfolgreich in den GMP-Anlagen von Phyton Biotech in der Nähe von Hamburg (Fermentation) sowie in Vancouver, Kanada (Reinigung), abgeschlossen werden. Zu den wichtigsten Ergebnissen zählen:
- Robuste Fermentation des gentechnisch veränderten Myxococcus xanthus-Stamms.
- Effiziente Zellseparation mittels Tangentialflussfiltration (TFF).
- Hochertragreiche Harzgewinnung und Reinigung von CorA unter Einhaltung aller kritischen Qualitätsmerkmale.
„Der Abschluss des Technologietransfers für Corallopyronin A ist ein wichtiger Meilenstein für Phyton Biotech und unsere Partner“, sagt Colin Marr, Präsident von Phyton Biotech. „Er unterstreicht unsere umfassende Fermentationskompetenz, einschließlich Organismusklassen, die in der Industrie noch nicht weit verbreitet sind, sowie unsere Fähigkeit, die Skalierung dieser neuartigen Therapie für die klinische Bewertung zu unterstützen.“
Nachdem der erste Transferprozess nun abgeschlossen ist, bereitet sich Phyton Biotech darauf vor, die Skalierbarkeit und Prozessleistung im Maßstab von 7.500 Litern zu demonstrieren, um CorA in GMP-Qualität für bevorstehende klinische Studien zu liefern.
Dieses Projekt ist Teil einer umfassenderen internationalen Zusammenarbeit, die vom DZIF und dem Global Health Innovative Technology (GHIT) Fund aus Japan in Zusammenarbeit mit der japanischen Pharmafirma Eisai Co. Ltd. unterstützt wird. Das Ziel besteht darin, CorA als neue Behandlungsoption für Krankheiten zu fördern, von denen unterversorgte Bevölkerungsgruppen überproportional betroffen sind. Prof. Achim Hoerauf, Leiter des CorA-Entwicklungskonsortiums und Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie am Universitätsklinikum Bonn, betont die Bedeutung des DZIF und des GHIT Funds für die Erfüllung hoher internationaler Standards in der präklinischen Entwicklung. „Durch das DZIF und den GHIT Fund konnten wir diese Standards innerhalb eines Konsortiums aus akademischen Einrichtungen und Industriepartnern umsetzen – eine Leistung, die normalerweise viele Jahre dauern würde“, sagt Hoerauf, der auch stellvertretender Koordinator des DZIF-Forschungsbereichs „Malaria und vernachlässigte Tropenkrankheiten“ ist.
Das breite Spektrum an Fachwissen des DZIF war entscheidend für den Erfolg des Projekts: Der optimierte heterologe Produktionsstamm wurde am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland, einem Standort des HZI in Zusammenarbeit mit der Universität des Saarlandes, unter der Leitung des DZIF-Wissenschaftlers Prof. Rolf Müller entwickelt. Der Produktionsprozess, bestehend aus Fermentation und Aufreinigung, wurde ebenfalls am HZI in der Abteilung „Mikrobielle Wirkstoffe“ von Prof. Marc Stadler, stellvertretender Koordinator des DZIF-Forschungsbereichs „Neue Antibiotika“, etabliert und während des Technologietransfers begleitet. Die oral verabreichbaren Formulierungen wurden in Bonn unter der Leitung des DZIF-Wissenschaftlers Prof. Karl Wagner (mit Unterstützung der ForTra gGmbH für Forschungstransfer der Else Kröner Fresenius Stiftung) entwickelt. Sie werden nun in der bevorstehenden klinischen Studie zum Einsatz kommen.