Ein Mann und eine Frau, die eine Urkunde hält
GBM-Preissekretär Claus Seidel gratuliert Lina Herhaus zum Otto-Meyerhof-Preis 2026
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Lina Herhaus erhielt Otto-Meyerhof-Preis von GBM und Boehringer Ingelheim

Gruppenleiterin im MICROSTAR-Programm des HZI mit Preis für herausragende Nachwuchswissenschaftler:innen ausgezeichnet

Dr. Lina Herhaus erhielt den Otto-Meyerhof-Preis der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM e.V.) im Rahmen des 77. Mosbacher Kolloquiums der GBM. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis, dessen Preisgeld von Boehringer Ingelheim gestiftet wird, wurde zum siebten Mal vergeben und würdigt herausragende Nachwuchswissenschaftler:innen, die in Deutschland forschen und in einem für die GBM relevanten Gebiet der Biochemie und Molekularbiologie arbeiten. Er erinnert an den weltbekannten Physiologen und Biochemiker Otto Meyerhof, der in Kiel, Berlin und Heidelberg wirkte, von wo er als jüdischer Wissenschaftler 1938 fliehen musste.

Dr. Lina Herhaus ist Gruppenleiterin der Forschungsgruppe „Zelluläre Immunsignale“ im MICROSTAR-Programm am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) und Tenure-Track W1-Professorin an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Nach ihrer Promotion in Biochemie an der University of Dundee (UK) prägten insbesondere ihre Postdoc-Zeit als EMBO Long-Term Fellow in Frankfurt bei Prof Ivan Dikic, sowie der Aufbau eines eigenen Teams ihre wissenschaftliche Ausrichtung auf die Schnittstelle von Zellbiologie, Infektion und Immunregulation.

In ihrer Forschung verbindet Lina Herhaus selektive Abbauwege (Autophagie) mit räumlich organisierter Signalgebung an subzellulären Kompartimenten, insbesondere dort, wo Zellen auf Infektion und Stress reagieren. Ein zentraler Fokus liegt auf der Kopplung von Autophagie, Immun-Signaling und Membran-Trafficking und darauf, wie diese Achse Immunhomöostase, Pathogenabwehr und Tumorbiologie beeinflusst.

Ein Meilenstein war die Identifizierung von IRGQ als neuartigem Autophagie-Rezeptor, der MHC-I-Qualitätskontrolle, Antigenpräsentation und lysosomalen Transport miteinander verknüpft. In der Cell-Publikation (2024) zeigte ihr Team, dass dieser Mechanismus von Zellen genutzt werden kann, um Immunüberwachung zu umgehen, mit weitreichenden Implikationen für Krebsbiologie. Aktuell erweitert ihre Arbeitsgruppe diese Konzepte hin zu Membrankontaktstellen und Vesikelverkehr als „Schaltzentralen“ der Immunregulation. Dazu gehören u. a. bildgebungsbasierte Screens und funktionelle Genomik, um Wirtsfaktoren zu identifizieren, die Organelldynamik und die Interaktion mit intrazellulären Erregern steuern, als Basis für host-directed Therapies, die Immunresilienz stärken.

Lina Herhaus’ Forschung zeichnet sich durch einen neuartigen Blick auf Immunität als räumlich organisierte Systemleistung aus: Nicht allein die beteiligten Moleküle, sondern ihr zeitlich und räumlich koordiniertes Zusammenwirken an Organellen und Kontaktstellen entscheidet über erfolgreiche Abwehr oder Immunevasion. Ihr Ziel ist es, diese Prinzipien so zu entschlüsseln, dass daraus innovative, präzise Ansätze zur Behandlung von Infektionen und immunologischen Fehlsteuerungen hervorgehen.

Originalpressemitteilung
Charlotte Schwenner

Pressekontakt

Dr. Charlotte Schwenner
Wissenschaftsredakteurin