Dr. Lina Herhaus ist Gruppenleiterin der Forschungsgruppe „Zelluläre Immunsignale“ im MICROSTAR-Programm am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) und Tenure-Track W1-Professorin an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Nach ihrer Promotion in Biochemie an der University of Dundee (UK) prägten insbesondere ihre Postdoc-Zeit als EMBO Long-Term Fellow in Frankfurt bei Prof Ivan Dikic, sowie der Aufbau eines eigenen Teams ihre wissenschaftliche Ausrichtung auf die Schnittstelle von Zellbiologie, Infektion und Immunregulation.
In ihrer Forschung verbindet Lina Herhaus selektive Abbauwege (Autophagie) mit räumlich organisierter Signalgebung an subzellulären Kompartimenten, insbesondere dort, wo Zellen auf Infektion und Stress reagieren. Ein zentraler Fokus liegt auf der Kopplung von Autophagie, Immun-Signaling und Membran-Trafficking und darauf, wie diese Achse Immunhomöostase, Pathogenabwehr und Tumorbiologie beeinflusst.
Ein Meilenstein war die Identifizierung von IRGQ als neuartigem Autophagie-Rezeptor, der MHC-I-Qualitätskontrolle, Antigenpräsentation und lysosomalen Transport miteinander verknüpft. In der Cell-Publikation (2024) zeigte ihr Team, dass dieser Mechanismus von Zellen genutzt werden kann, um Immunüberwachung zu umgehen, mit weitreichenden Implikationen für Krebsbiologie. Aktuell erweitert ihre Arbeitsgruppe diese Konzepte hin zu Membrankontaktstellen und Vesikelverkehr als „Schaltzentralen“ der Immunregulation. Dazu gehören u. a. bildgebungsbasierte Screens und funktionelle Genomik, um Wirtsfaktoren zu identifizieren, die Organelldynamik und die Interaktion mit intrazellulären Erregern steuern, als Basis für host-directed Therapies, die Immunresilienz stärken.
Lina Herhaus’ Forschung zeichnet sich durch einen neuartigen Blick auf Immunität als räumlich organisierte Systemleistung aus: Nicht allein die beteiligten Moleküle, sondern ihr zeitlich und räumlich koordiniertes Zusammenwirken an Organellen und Kontaktstellen entscheidet über erfolgreiche Abwehr oder Immunevasion. Ihr Ziel ist es, diese Prinzipien so zu entschlüsseln, dass daraus innovative, präzise Ansätze zur Behandlung von Infektionen und immunologischen Fehlsteuerungen hervorgehen.