Symbolbild eines Babys in einer Blase aus technischen Partikeln
Symbolbild: Mithilfe einer Förderung von zukunft.niedersachsen erforscht HZI-Wissenschaftlerin Natalia Torow die kindliche Immunentwicklung.
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Wie Entzündungen der Mutter das Immunsystem ihres Kindes prägen

HZI erhält Förderung aus dem Programm „zukunft.niedersachsen“ für Forschung zur kindlichen Immunentwicklung bei entzündlichen Erkrankungen der Mutter

Die Gesundheit der Mutter während der Schwangerschaft spielt eine entscheidende Rolle für die langfristige Gesundheit ihres Kindes. Forschende des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) untersuchen nun gemeinsam mit Partnern der Hebräischen Universität Jerusalem, wie mütterliche Entzündungszustände die Immunentwicklung von Neugeborenen beeinflussen. Im Mittelpunkt stehen dabei Immunzellen in den Schleimhäuten von Mund und Darm, die eine zentrale Rolle bei der Abwehr von Krankheitserregern spielen. Ziel ist es zu verstehen, wie diese Immunstrukturen geprägt werden und welche langfristigen Folgen sich daraus für die Infektanfälligkeit, entzündliche Erkrankungen und Impfantworten des Kindes ergeben können.

Für das Projekt erhält das Forschungsteam rund 500.000 Euro aus dem gemeinsamen Förderprogramm „zukunft.niedersachsen“ des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur und der VolkswagenStiftung für einen Zeitraum von vier Jahren. Rund 270.000 Euro gehen an Dr. Natalia Torow, die am HZI die Nachwuchsgruppe „Frühkindliche Immunität“ leitet; die übrigen Fördermittel erhält ihr Projektpartner Prof. Avi-Hai Hovav von der Hebräischen Universität Jerusalem.

„Obwohl bekannt ist, dass mütterliche Infektionen oder Entzündungen Auswirkungen auf die fetale Entwicklung haben können, wissen wir bislang nur wenig darüber, in welchem Ausmaß diese Bedingungen auch das sich entwickelnde Immunsystem prägen und damit die Krankheitsanfälligkeit im späteren Leben beeinflussen“, sagt Natalia Torow.

Um diese Frage zu untersuchen, analysieren die Forschenden die Auswirkungen einer Zahnfleischentzündung (Parodontitis) der Mutter auf das Immunsystem des Kindes. Parodontitis ist eine weit verbreitete chronische Entzündungserkrankung, die mit mehreren ernstzunehmenden systemischen Erkrankungen in Verbindung gebracht wird, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, rheumatoide Arthritis sowie Schwangerschaftskomplikationen wie Frühgeburtlichkeit. Besonderes Augenmerk liegt auf den Schleimhäuten im Mund und im Darm, die eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr spielen. Erste Analysen im Tiermodell zeigen, dass Nachkommen von Müttern mit Parodontitis mehr Bakterien im Mund tragen und veränderte Immunantworten sowie Anzeichen einer frühzeitigen Immunaktivierung aufweisen. Mit zunehmendem Alter zeigen sie zudem eingeschränkte Immunfunktionen und reagieren anders auf Infektionen und Impfungen.

„Wir freuen uns sehr über die Förderung unseres Projekts. Sie ermöglicht uns, mithilfe modernster Technologien zu untersuchen, wie mütterliche Entzündungen das Mikrobiom, Immunzellen und Gewebebarrieren des Babys beeinflussen“, sagt Torow. „Darüber hinaus analysieren wir, wie diese Veränderungen das Risiko für orale Infektionen, entzündliche Darmerkrankungen und unzureichende Impfantworten beeinflussen.“

Ziel des Projekts ist es, eine wissenschaftliche Grundlage für neue Präventionsstrategien zu schaffen, die bereits während der Schwangerschaft ansetzen und eine gesunde Immunentwicklung des Kindes unterstützen. Langfristig könnten so entzündliche Erkrankungen besser verhindert werden.

Die Förderung erfolgt über die Ausschreibung „Forschungskooperation Niedersachsen–Israel“ im Rahmen des Wissenschaftsförderprogramms „zukunft.niedersachsen“, das gemeinsam vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) und der VolkswagenStiftung getragen wird.

Portrait Andreas Fischer

Pressekontakt

Dr. Andreas Fischer
Wissenschaftsredakteur