Atemwegserkrankungen gehören weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Zudem geht von Viren, die die Atemwege befallen, ein besonders hohes Risiko für eine pandemische Ausbreitung aus. Daher stehen bei der Pandemieprävention vor allem Influenza A-Viren im Fokus, weil sie regelmäßig zwischen verschiedenen Tierarten übertragen werden. Zuletzt hat ein hochpathogener H5N1-Influenza-Stamm Wildvogelpopulationen auf verschiedenen Kontinenten befallen und mehrfach den Sprung auf Säugetiere geschafft.
Pandemisches Potenzial neuer Grippe-Stämme bewerten
„Bei Untersuchungen zum Wirtstropismus eines viralen Erregers – also der Frage, welche Wirte bereits infiziert werden können – wird die Mukusbarriere oft ausgelassen“, sagt Projektkoordinator Prof. Christian Sieben, Leiter der Nachwuchsgruppe „Nanoinfektionsbiologie“ am HZI. Diese Lücke soll das Projekt ONEMUC (Respiratorischer Mukus als One Health-Schnittstelle) schließen. „Über unsere Atemwege stehen wir in direktem Kontakt mit unserer Umwelt, über die auch Krankheitserreger in unseren Körper gelangen können. Unser Ziel ist es, den Mukus als Schnittstelle zu untersuchen, um Risikofaktoren für eine Virusübertragung auf verschiedene Spezies besser einschätzen zu können. Dadurch kann das pandemische Potenzial neu auftretender IAV-Stämme schneller bewertet werden“, erklärt Sieben. Sein Team wird dafür untersuchen, wie der Mukus verschiedener Tierarten mit Viren interagiert und die Fähigkeit, Zellen zu infizieren, beeinflusst. Zudem streben sie die Entwicklung einer Schnelltestplattform mit Mukus von Tieren und Menschen an, die zeigen soll, wie gut Influenzaviren an bestimmte Spezies und Umweltbedingungen angepasst sind.