Modell eines Corona-Virus eingefangen mit einem Lasso
Symbolbild Postinfektiöse Erkrankungen
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NAKO Gesundheitsstudie beteiligt sich an der Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen

Genomsequenzierungen am HZI eröffnen neue Perspektiven auf Krankheitsentstehung

Die NAKO Gesundheitsstudie bringt ihre wissenschaftliche Expertise in die vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) initiierte Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen ein. Mit zwei zentralen Projekten leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der langfristigen gesundheitlichen Folgen von Infektionskrankheiten wie beispielsweise Long COVID. Ziel der Forschungsdekade ist es, Ursachen und Mechanismen postinfektiöser Erkrankungen besser zu verstehen und neue Therapieoptionen zu entwickeln. Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) koordiniert das Studienzentrum (CRC) der NAKO Gesundheitsstudie in Hannover.

Seit über zehn Jahren begleitet die NAKO Gesundheitsstudie mehr als 205.000 Menschen bundesweit. Durch die umfassende Sammlung medizinischer, biomedizinischer und sozialwissenschaftlicher Daten bietet sie eine einzigartige Grundlage, um den Zusammenhang zwischen Infektionen, Krankheitsentwicklung und Gesundheit langfristig zu untersuchen. Hinzu kommen die Bioproben im zentralen Bioprobenlager (Biorepository) bei Helmholtz Munich, die es erlauben, frühe klinische Marker zu entwickeln.

„Die NAKO Gesundheitsstudie ist die einzige deutschlandweite Bevölkerungsstudie, die Gesundheitsdaten direkt vor und zu Beginn der COVID-19-Pandemie erhoben hat. Damit liefert sie wertvolle Einblicke, um zu verstehen, wie sich die Pandemie langfristig auf die Gesundheit der Menschen in Deutschland auswirkt“, erklärt Prof. Annette Peters, Vorstandsvorsitzende des NAKO e.V. und Direktorin des Instituts für Epidemiologie bei Helmholtz Munich.

Forschungsprojekt EpiPAIS: Molekulare Mechanismen von Long COVID

Ein zentrales Projekt ist EpiPAIS – Epigenetische Muster in der Pathogenese von Long COVID, koordiniert von Prof. Annette Peters. In EpiPAIS werden rund 9.000 Blutproben auf sogenannte epigenetische Veränderungen untersucht, die zur Entwicklung von Long COVID oder ähnlichen Syndromen beitragen könnten. Epigenetische Veränderungen sind wie Schalter und Regler, die darüber entscheiden, welche Gene in einer Zelle wann und wie aktiv sind.

„Mit dem Projekt EpiPAIS vereinen wir molekulare Forschung und bevölkerungsweite Gesundheitsdaten. So können wir besser verstehen, wie und welche biologischen Prozesse nach Infektionen langfristig die Gesundheit beeinflussen“, sagt Prof. André Karch, Leiter der Klinischen Epidemiologie am Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin der Universität Münster. Mithilfe moderner statistischer Methoden und Machine-Learning sollen individuelle Krankheitsverläufe und Risikoprofile analysiert werden. An dem Projekt beteiligt sind neben Helmholtz Munich die Universitäten Halle und Münster.

Bundesweite Teilnehmendenbefragung geplant

„Zum Startpunkt von EpiPAIS ist ab Anfang 2026 eine umfassende Befragung der NAKO-Teilnehmenden unter Federführung der Universitätsmedizin Halle geplant. Erhoben werden Informationen zu Symptomen, Infektionsverläufen und Langzeitfolgen“, berichtet Prof. Rafael Mikolajczyk, Direktor des Instituts für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik an der Universitätsmedizin Halle.

Diese Erhebung ergänzt die aktuell laufende Drittuntersuchung (10-Jahres-Follow-up) und ermöglicht eine Einschätzung der Häufigkeit und Ausprägung postinfektiöser Erkrankungen in der Bevölkerung – einschließlich Long COVID. Die so gewonnenen Daten schaffen eine wertvolle Grundlage, um Gesundheitsrisiken nach Infektionen besser zu verstehen und langfristig Versorgungsstrategien zu verbessern.

Genomsequenzierung: Neue Perspektiven auf Krankheitsentstehung

Aktuell führen die an der NAKO beteiligten Helmholtz-Zentren eine umfangreiche Genomsequenzierung von Bioproben in den Jahren 2025 und 2026 durch. „Die Daten der Genomsequenzierung und die wertvollen Bioproben der NAKO schaffen eine wichtige Grundlage, um genetische und molekulare Faktoren die zu postinfektiösen Erkrankungen führen genauer zu verstehen. Wir erwarten, dass dabei neue pathophysiologische Mechanismen aufgezeigt werden und gezielte Therapien entwickelt werden können“, sagt Prof. Annette Peters. Die genetischen Analysen werden von Helmholtz Munich koordiniert und zusammen mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), dem Max Delbrück Center (MDC) und dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) durchgeführt.

Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen

Die Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen, gefördert mit insgesamt 500 Millionen Euro, startet 2026. Die Initiative des BMFTR unter Leitung von Ministerin Dorothee Bär bündelt wissenschaftliche Kompetenzen, um die medizinischen und gesellschaftlichen Folgen von Infektionen langfristig zu erforschen und neue Ansätze für Prävention und Therapie zu entwickeln.

Originalpressemitteilung

Originalpressemitteilung der NAKO Gesundheitsstudie

NAKO Gesundheitsstudie

Die NAKO Gesundheitsstudie ist die größte Langzeit-Bevölkerungsstudie in Deutschland. In 18 Studienzentren werden seit 2014 über 200.000 zufällig ausgewählte Personen medizinisch untersucht und nach ihren Lebensgewohnheiten befragt. Zum Start der Studie waren die Teilnehmenden im Alter von 20 – 69 Jahren.

Die NAKO Gesundheitsstudie ist eine prospektive epidemiologische Kohortenstudie. Die Forschenden beobachten dabei eine große Gruppe, eine sogenannte Kohorte, aus gesunden, kranken oder ehemals kranken Menschen über eine lange Zeitspanne. Ziel ist es, durch wissenschaftliche Auswertungen der Daten der Teilnehmenden, Häufigkeit und Ursachen von Volkskrankheiten wie beispielsweise Krebs, Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen aufzuklären, Risikofaktoren zu erkennen und Wege für eine wirksame Vorbeugung und Früherkennung aufzuzeigen. 

Das Forschungsprojekt wird von 26 Einrichtungen getragen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Universitäten, der Helmholtz-Gemeinschaft, der Leibniz-Gemeinschaft und weiteren Forschungsinstituten in Deutschland arbeiten in einem bundesweiten Netzwerk zusammen. Die Studie wird vom Verein NAKO e.V. durchgeführt. Finanziert wird sie aus öffentlichen Mitteln des Bundesministeriums für ¬Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), der Helmholtz-Gemeinschaft und der beteiligten Bundesländer. www.nako.de

Charlotte Schwenner

Pressekontakt

Dr. Charlotte Schwenner
Wissenschaftsredakteurin