Hortense Slevogt - Die Brückenbauerin

Hortense Slevogt untersucht die Immunantwort in der Lunge - als Ärztin und als Forscherin.

Professorin Hortense Slevogt ist eine Expertin auf dem Gebiet der Infektionen der Atemwege und der Lunge sowie der Immunologie. Sowohl als renommierte Forscherin als auch als Ärztin. Fragt man sie nach einer griffigen Bezeichnung für ihre Tätigkeit, muss sie nicht lange zögern: „Ich baue Brücken.“ Brücken zwischen Forschung und klinischer Praxis.

Slevogt ist seit 2022 W3-Professorin an der Medizinischen Hochschule Hannover und leitende Oberärztin für klinische Infektiologie in der Klinik für Pneumologie und Infektiologie. Parallel dazu leitet sie die Forschungsgruppe „Dynamik respiratorischer Infektionen“ am HZI in Braunschweig. In ihrer Rolle als Clinical Scientist empfindet sie es als äußerst erfüllend, Erkenntnisse aus dem Labor und klinischen Studien in unmittelbaren Nutzen für die Patient:innen umzusetzen.

Wenn wir gute Daten produzieren, ist das erfolgversprechend für einen neuen Antrag. 

Hortense Slevogt, Leiterin der HZI-Forschungsgruppe „Dynamik respiratorischer Infektionen"

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist eine sehr häufig auftretende Atemwegskrankheit. In diesem Kontext hat Slevogt ihre Forschung lange Zeit auf die Immunantwort des Wirts auf die Besiedlung der Atemwege mit potenziellen Lungenpathogenen bei dieser und anderen Lungenerkrankungen fokussiert. Die Erkenntnis, dass auch die Atemwege und die Lunge von einem Mikrobiom besiedelt sind, das in der Regel nicht krankheitserregend ist, aber eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung der Lungenökologie und der Verhinderung von Infektionen mit Lungenerregern spielt, ist erst in den vergangenen zehn Jahren aufgekommen. An dieser Stelle setzt die Forschung von Slevogt und ihrem Team jetzt an. Ziel ist es, durch das bessere Verständnis der Mikroben-Interaktionen therapeutische Strategien für viele Atemwegskrankheiten zu entwickeln.

Doch am Anfang jeder Forschung steht die Beantragung von Drittmitteln. Das habe die positive Seite, dass sich beim sorgsamen Ausformulieren das Projekt vor dem inneren Auge stabilisiere und man sich die vorhandene Literatur zum Thema noch einmal vergegenwärtige. Bei einer Bewilligungsquote von eins zu drei oder eins zu vier müsse man über ein hohes Maß an Frustrationstoleranz verfügen. Aber das ist für Hortense Slevogt eher Ansporn: „Wenn wir gute Daten produzieren, ist das erfolgversprechend für einen neuen Antrag.“ Ihr Leitsatz: neugierig, unerschütterlich und leidenschaftlich für die Wissenschaft.

Siebzehn Jahre hat Slevogt in der Infektiologie der Charité Patient:innen mit schweren Infektionskrankheiten wie Pneumonie, HIV, Tuberkulose und Malaria behandelt. Parallel dazu erforschte sie die immunologischen Wirts-Pathogen-Interaktionen von potenziellen Krankheitserregern in der Lunge. 2009 folgte die Habilitation. In Jena erweiterte sie 2011 ihr molekularbiologisches Forschungsfeld erfolgreich um das Gebiet der Immunologie der Sepsis. Sie war von der Pike auf und maßgeblich an dem Aufbau der Host Septomics-Forschungsgruppe des ZIK Septomics am Universitätsklinikum Jena beteiligt. Mit ihren Forschungsarbeiten hat sie die immunologische Sepsis- und Infektionsforschung mit der klinischen Forschung verbunden – womit wir wieder bei der Brücke wären. Seit 2016 übernahm sie in Jena in der klinischen Pneumologie auch wieder klinische Aufgaben.

Hortense Slevogts Familie lebt in Berlin. Sie ist dank ihres „unterstützenden Mannes“ und der Hilfe von Kinderfrauen und Haushälterinnen „erfolgreiche Pendlerin“. Sie schätzt das große inhaltliche Interesse ihres Mannes an ihrer Arbeit. Als Kinderarzt unterhält er ein großes medizinisches Versorgungszentrum in Berlin-Kreuzberg. Ihre Tochter studiert Medizin, „aber mit einer Ausrichtung im Bereich Neurologie“, der Sohn baut gerade sein Abitur. Beim Wanderreiten durch Brandenburg oder Thüringen mit der Familie kann sie gut abschalten.

Autorin: Susanne Jasper
Veröffentlicht: November 2023

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