28.04.2020

LöwenKIDS helfen Wissenschaftlern bei COVID-19-Studie

Am HZI gestartete Langzeitstudie untersucht Krankheitsverlauf bei Kindern

Über Kinder und ihre Anfälligkeit für das neue Coronavirus ist aktuell wenig bekannt. Fest steht, dass bei kleinen Kindern bisher kaum schwere COVID-19-Fälle aufgetreten sind. Wie viele Kinder sich bereits mit dem Virus angesteckt und es ganz ohne merkliche Symptome hinter sich gebracht haben, wurde bisher nicht gezielt untersucht. Das wollen Wissenschaftler nun in einem DZIF-Projekt mithilfe der LöwenKIDS herausfinden.

LoewenKids_590x240.pngHow susceptible are small children to the new coronavirus? Tests on 500 LöwenKIDS are underway. © Alexander Dummer Ende 2014 startete am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) eine Langzeitstudie, in der Kinder von der Geburt bis zum Grundschulalter begleitet wurden, um die Entwicklung ihres Immunsystems und das Zusammenspiel mit Infektionen zu untersuchen. Engagierte Eltern sorgten dafür, dass beim kleinsten Anzeichen einer Infektion Proben aus der Nase sowie Stuhlproben zu den Forschern gelangten. Etwa 500 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren sind aktuell noch dabei und werden nun auch für die Coronaforschung im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) aktiv.

„Diese LöwenKIDS und ihre forschungsaffinen Eltern sind eine einmalige Möglichkeit, ohne allzu großen Aufwand zu schauen, wie sich das Virus in dieser Altersgruppe verbreitet“, erklärt der Gründer der LöwenKIDS, Prof. Dr. Rafael Mikolajczyk, heute Uniklinik Halle. Es sei gerade entscheidend zu wissen, ob und wie viele dieser Kinder vielleicht asymptomatisch infiziert sind und damit eine Gefahr auch für Erwachsene darstellen könnten.

Die COVID-19-Studie

Um herauszufinden, ob gerade kleine Kinder infiziert sind, ohne Symptome zu zeigen, wollen die Wissenschaftler zunächst zu zwei Zeitpunkten von allen Kindern der LöwenKIDS-Kohorte (ca. 500) Proben nehmen und auf eine akute SARS-CoV-2 testen. „Die ersten Proben nehmen wir jetzt, die zweiten voraussichtlich im Juni/Juli“, erklärt Prof. Dr. Till Strowig, Leiter des Projekts am HZI. Dabei werde man den zweiten Termin davon abhängig machen, wie die Pandemie verläuft. „Sollte eine zweite Welle absehbar sein, wäre es sicher interessant, die Proben in einem solchen kritischen Zeitraum zu nehmen.“ Die von den Eltern eingeschickten Nasenabstriche werden am HZI in Zusammenarbeit mit dem Team von Prof. Dr. Gisa Gerold vom TWINCORE in Hannover mit einer PCR-Methode auf das Virus getestet.

Zusätzlich erhalten die Eltern der rund 500 Kleinkinder einen ausführlichen Fragebogen, in dem sie über Erkältungssymptome beim Kind und bei anderen Familienmitgliedern Auskunft geben sowie über eventuelle Kontakte zu Coronavirus-Infizierten. „Es geht uns in dieser Studie zunächst einmal darum, die Zahl der infizierten Kleinkinder zu ermitteln“, betont Till Strowig. Daraus lasse sich ableiten, inwieweit Kleinkinder voraussichtlich eine Gefahr für die Verbreitung des Virus darstellten. Derzeit werden insbesondere Kleinkinder von ihren Großeltern ferngehalten, um ein Infektionsrisiko zu vermeiden. „Das Ergebnis kann auch dazu beitragen, begründete Entscheidungen zur Öffnung und Schließung von Kindergärten zu treffen“, meint Till Strowig, der das Problem mit zwei kleinen Kindern aus eigener Erfahrung kennt.

Die Wissenschaftler planen, im Anschluss an diese Tests, voraussichtlich 2021, auch Antikörpertests bei den LöwenKIDS durchzuführen. Sie werden dann über die Momentaufnahme der Virustestung hinaus zeigen können, ob die Kleinkinder eine Infektion durchgemacht haben, bei der Antikörper gebildet wurden.

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