Kamel und Personengruppe
Ausflug zum ECOPARK in der Nähe von Yaoundé, um Pflanzenfressermist und Basidiomyceten zu sammeln.
Thema

Neue Wirkstoffe aus Pilzen

Forschende des HZI reisten für einen Workshop zur Sammlung, Kultur und Identifizierung von Pilzstämmen nach Yaoundé, Kamerun. Ein neuer Forschungshub soll dort die Naturstoffforschung in Pilzen ausbauen.

Die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) hat 2021 eine neue Initiative zur Stärkung der Forschungsaktivitäten in Subsahara-Afrika gestartet. Die Initiative soll einen Beitrag zur Bewältigung der aktuellen COVID-19-Pandemie leisten und Strategien zur Lösung künftiger Krisensituationen entwickeln.

Gruppenfoto
Teilnehmer:innen des Workshops in Yaoundé, Kamerun, im April 2022.

Von den sechs Projekten, die von der AvH und der Bayer-Stiftung gefördert werden, befasst sich nur eines mit der Entdeckung neuartiger Antiinfektiva: das Center of Competence for the study of Antimicrobial NAtural PROducts from Fungi (CECANAPROF). In diesem auf fünf Jahre angelegten Projekt arbeiten Forscher:innen des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig eng mit kamerunischen Wissenschaftler:innen zusammen, um Kapazitäten in der Mykologie und Wirkstoffforschung aufzubauen. Leiter dieses AvH-Forschungshubs ist Prof. Simeon Fogue Kouam von der Universität Yaoundé I. Er kooperiert mit Prof. Marc Stadler, Leiter der Abteilung „Mikrobielle Wirkstoffe“ am HZI.

Kamerunische Wissenschaftler:innen haben eine hervorragende Erfolgsbilanz in der Naturstoffchemie. Bisher haben sie sich aber hauptsächlich auf Pflanzen als Quellen für neuartige Moleküle konzentriert. Afrikanische Heilpflanzen sind bereits erschöpfend erforscht und die Chancen sind gering, dass noch innovative Moleküle aus ihnen entdeckt werden können. Frühere Versuche, die Forschungsaktivitäten auf endophytische Pilze auszudehnen, wurden durch den Mangel an einschlägigem Fachwissen in Mykologie und Mikrobiologie behindert. Diese Lücke soll CECANAPROF schließen.

Personengruppe um Mikroskop
Prof. André-Ledoux Njouonkou (Universität Bamenda) erklärt den Student:innen, wie sie Basidiomyceten mit mikroskopischen Methoden charakterisieren und identifizieren können.

Das Projekt startete Anfang April 2022 mit einem Kick-off-Workshop an der Universität Yaoundé I, in dem junge Wissenschaftler:innen aus Kamerun in den wichtigsten Techniken zum Umgang mit Pilzen als wichtige Produzenten von antimikrobiellen Mitteln und anderen nützlichen Naturprodukten geschult wurden. Das Programm umfasste Vorträge über mykologische Taxonomie und pilzliche Sekundärmetaboliten, Exkursionen sowie einen Schulungskurs zu Methoden, die nützlich sind, um verschiedene Arten von Pilzen zu isolieren, zu identifizieren, ihre Kulturen zu erhalten und zu pflegen.

Schrank mit Pilzkulturen
Pilzkulturen, die an der Universität Yaoundé I gezüchtet werden.

Im Fokus des Forschungshubs CECANAPROF steht die Erforschung koprophiler Pilze, die auf tierischen Ausscheidungen wachsen. Diese Organismusgruppe ist auch Thema des DFG-geförderten Projekts „COPFUN“ von Dr. Yasmina Marin-Felix, Postdoc in der Abteilung „Mikrobielle Wirkstoffe“. Marin-Felix leitete den Workshop gemeinsam mit dem kamerunischen Mykologen Prof. André-Ledoux Njouonkou von der University of Bamenda.

In den nächsten Jahren sind weitere gemeinsame Workshops und gegenseitige Besuche geplant. Das Endziel wird der Aufbau einer Pilzkultursammlung in Kamerun sein, sowie die Ausbildung von jungen Wissenschaftler:innen, die die pilzliche Biodiversität ihres Heimatlandes nachhaltig erforschen können.

Autor: Marc Stadler
Veröffentlichung: Mai 2022

Charlotte Schwenner

Pressekontakt

Dr. Charlotte Schwenner
Wissenschaftsredakteurin