Virushepatitis

Eine Entzündung der Leber wird als Hepatitis bezeichnet. Diese kann zum Beispiel durch Alkoholmissbrauch, Pilzgifte oder eine Überdosierung von Medikamenten hervorgerufen werden. Neben diesen Faktoren sind sehr häufig Viren die Auslöser einer Hepatitis.

Fünf Hepatitis-Viren sind bisher bekannt: Hepatitis A, B, C, D und E. Diese Viren sind nicht miteinander verwandt, verursachen aber ein ähnliches, recht unspezifisches Krankheitsbild: Appetitlosigkeit, Erschöpfung und Unwohlsein. Ein auffälliges Symptom der Hepatitis ist die Gelbsucht, die zur Verfärbung der Augen und der Haut führt. Da es nicht immer zu der charakteristischen Gelbsucht kommt, bleibt die Hepatitis manchmal unentdeckt. Wenn es das körpereigene Abwehrsystem nicht schafft, die Viren zu besiegen, entsteht eine chronische Hepatitis. Unbehandelt drohen dem Patienten auf lange Sicht schwere Schädigungen der Leber bis hin zur Leberzirrhose oder sogar Leberzellkrebs. Chronische Infektionen mit dem Hepatitis B- oder Hepatitis C-Virus zählen zu den häufigsten Auslösern von Leberkrebs und damit auch zu den häufigsten Gründen für eine Lebertransplantation. Weltweit leben rund 325 Millionen Menschen mit Hepatitis B oder C. Jedes Jahr sterben 1.34 Millionen Menschen an den Folgen der Virushepatitis. 

Hepatitis B ist weltweit eine der häufigsten Infektionskrankheiten. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation haben mehr als 2 Milliarden Menschen eine Infektion mit dem HBV durchgemacht. Derzeit sind über 240 Millionen chronisch mit HBV infiziert, rund 686 000 Menschen sterben jährlich daran. Zum Schutz gegen Hepatitis B existiert eine Impfung, die in Deutschland schon seit 1995 Teil des Impfkalenders für Neugeborene ist. Dieser Impfstoff besteht aus einem nicht infektiösen Teil des Virus, einem Protein der Virusoberfläche, das mit gentechnisch umprogrammierten Hefepilzen hergestellt werden kann. Eine besonders effektive und deshalb günstige Methode haben Wissenschaftler des HZI um Ursula Rinas in Kooperation mit indischen Kollegen in einem frei zugänglichen Fachmagazin ausführlich beschrieben. Diese Information kann auch in Ländern mit schlechterer Gesundheitsversorgung zur Impfstoffherstellung genutzt werden.

Hepatitisforschung am HZI

Gegen HCV gibt es noch keine Impfung. Auf der Suche nach einem Impfstoff arbeiten HZI-Forscher aus der Abteilung „Vakzinologie“ um Prof. Carlos Guzmán an einem Mausmodell für Hepatitis C, denn eigentlich sind Mäuse nicht empfänglich dafür. Guzmáns Arbeiten wurden von der Bill und Melinda Gates Foundation gefördert.

An der Anpassung der Maus an das Hepatitis C-Virus arbeitet auch die Arbeitsgruppe des Virologen Prof. Thomas Pietschmann im TWINCORE. Außerdem interessieren sich die Hannoveraner Forscher für die Haltbarkeit des Virus auf verschiedenen Oberflächen. Für seine Untersuchungen zu diesem Thema ist Pietschmanns Mitarbeiter Dr. Eike Steinmann bereits mit mehreren Forschungspreisen bedacht worden. Die Wissenschaftler am TWINCORE suchen auch nach neuen Wirkstoffen gegen HCV: Kürzlich entdeckten sie mit dem Pflanzenstoff Ladanein einen vielversprechenden Kandidaten.

(Dr. Jan Grabowski)

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