Impfung

CC BY-SA 3.0, HZI / Manno

Impfungen gehören zu den bedeutsamsten medizinischen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts. So gelten die Pocken seit den späten 1970er Jahren als ausgerottet, eine Folge des weltweiten Impfprogramms. Bereits Ende des 18. Jahrhunderts bewies der englische Arzt Edward Jenner, dass eine Infektion mit den für Menschen vergleichsweise ungefährlichen Kuhpocken vor der Ansteckung mit den echten Pocken schützen konnte. Er gilt damit als Begründer der aktiven Immunisierung. Durch die Gabe von abgeschwächten oder abgetöteten Erregern oder Bruchstücken davon, wird das Immunsystem des Geimpften dazu anregt, Antikörper zu bilden. Im Gegensatz dazu werden bei der passiven Immunisierung bereits fertige Antikörper verabreicht. Diese "Postexpositionsprophylaxe" erhalten Patienten zum Beispiel nach Bissen von tollwutverdächtigen Tieren.

Eine der aktuellsten Erfolgsgeschichten könnte der im Sommer 2015 entwickelte Impfstoff VSV-ZEBOV werden, der vor dem Ebola-Virus schützt.  In einem klinischen Test in Guinea mit mehr als 4.000 Teilnehmern hat der Impfstoff einen 100 prozentigen Schutz geboten. Die WHO bezeichnet die Entwicklung als "extrem vielversprechend". Das könnte das Ende der Epidemie in Westafrika bedeuten, so die WHO. 

Den direkten Zusammenhang zwischen Impfungen und Eindämmung von Krankheiten lässt sich auch in Deutschland sehr gut beobachten. "Schluckimpfung ist süß - Kinderlähmung ist grausam", mit diesem Slogan wurde in der Bundesrepublik für die Poliomyelitis-Schluckimpfung geworben. Mit Erfolg, die Zahl der Erkrankten in Deutschland verringerte sich nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts von über 5600 im Jahr 1961 auf weniger als 300 im ersten Jahr nach der Einführung der Impfung. Mittlerweile gilt Deutschland wie auch ganz Europa und Amerika als Polio-frei und der Impfstoff ist Teil einer Kombinationsimpfung. Im Jahr 2014 tritt Polio nur noch in Afghanistan, Nigeria und Pakistan endemisch auf. Dort, wo die Kinderlähmung noch nicht besiegt ist, wird er aber weiterhin in flüssiger Form verabreicht. Denn dafür wird weder für jede zu impfende Person eine neue Spritze gebraucht, noch wird geschultes medizinisches Personal benötigt. Ideal in Regionen der Welt, in denen das nächste Krankenhaus einige hundert Kilometer entfernt sein kann.

In Arbeit – die Schnupfimpfung: Schutz vor Infektionen ohne Pieks! (© HZI/Hallbauer-Fioretti)

Das gilt auch für die Schnupfimpfung, an der Forscher des HZI arbeiten: Die Vakzine wird hier als ein Nasenspray verabreicht. Dadurch kann die Immunreaktion direkt in der Nasenschleimhaut erfolgen, dort, wo viele Erreger in den Körper eintreten. Auch bei dieser Form der Impfung entfällt der schmerzhafte "Pieks" mit der Spritze, den viele Menschen fürchten und der sie möglicherweise sogar von Impfungen abhält. Diese Impfmüdigkeit ist problematisch, führt doch nur eine hohe Zahl von Geimpften in der Bevölkerung zur sogenannten "Herdenimmunität". Weil Erreger kaum noch weiterverbreitet werden können, ist auch geschützt, wer nicht geimpft werden konnte oder bei wem die Impfung nicht gewirkt hat: zum Beispiel Personen mit Vorerkrankungen oder Immundefekten oder auch Kleinkinder vor der Impfung.

(Dr. Birgit Manno)

Weitere Informationen:

Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zum Thema Impfen
Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Institutes
Die Funktionsweise von Impfungen anschaulich von "Technology, Entertainment, Design" erklärt
Interview der Helmholtz-Gemeinschaft mit Gérard Krause zum Thema Impfen

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