Epidemiologie

Anders als der Name vermuten lässt, befassen sich Epidemiologen nicht nur mit den landläufig als „Epidemien“ bezeichneten großen Krankheitswellen. Vielmehr erforscht die „Seuchenkunde“, wie die Epidemiologie früher auch genannt wurde, die öffentliche Gesundheit. Darunter versteht man zum Beispiel die Häufigkeit von bestimmten Krankheiten in der gesamten Bevölkerung. Von der Geburtenrate bis hin zur Lebenserwartung analysieren die Gesundheitsforscher sprichwörtlich das ganze Leben. Bei ihren Betrachtungen spielt dabei nie das einzelne Individuum eine Rolle, sondern immer die gesamte Gesellschaft oder bestimmte, größere Gruppen. Wie viel Prozent der Bevölkerung sind gegen eine Krankheit geimpft? Wie wirken sich Umwelteinflüsse auf unsere Gesundheit aus? Welche Lebensumstände oder Verhaltensweisen machen uns womöglich krank? Das sind die Fragen, denen sich Epidemiologen auch am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung widmen.

Fragebögen, Computer und viel Geduld

Jede Laborprobe wird eindeutig beschriftet und bis zur Untersuchung in Gefäßen aufbewahrt.

Die wichtigsten Hilfsmittel für ihre Studien sind dafür meistens Fragebögen, Computer und viel Geduld, aber auch Laboruntersuchungen, zum Beispiel wenn es darum geht, im Blut Hinweise auf Infektionen zu suchen.

Zunächst befragen die Gesundheitsforscher ihre „Probanden“ mit Blick auf den derzeitigen Gesundheitszustand und ihre Lebensumstände. Die so gewonnenen Daten lassen sich meist nur noch mit dem Computer auswerten. In großen Datenbanken verwalten die Forscher ihre Umfrageergebnisse und werten sie mit statistischen Mitteln aus.

Bei Studien, die über einen langen Zeitraum angelegt sind, ist erst nach Jahren mit Ergebnissen zu rechnen. In diesen „Kohortenstudien“ genannten Reihenuntersuchungen werden zunächst gesunde Teilnehmer jahrelang begleitet, in regelmäßigen Abständen immer wieder befragt und um biologische Proben wie zum Beispiel Blut gebeten. Diese Daten werden gesammelt und dann rückwirkend ausgewertet, wenn einzelne Studienteilnehmer Krankheiten entwickeln. Welche Faktoren lassen sich bei den erkrankten Probanden finden, aber nicht bei den Gesunden? Diese werden verglichen und können, sofern sie statistischen Tests standhalten, möglicherweise als Ursachen identifiziert werden.

In der Abteilung für Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung arbeiten Epidemiologen, Mediziner, Biologen, Bioinformatiker, Statistiker und Laborassistenten gemeinsam an der Analyse von Fragen der Volksgesundheit. Ihr Fachgebiet ist dabei hauptsächlich die Infektionsepidemiologie, der Teil der Epidemiologie, der sich den Infektionskrankheiten und ihrer Verbreitung und Eindämmung widmet. Beispielsweise wird aktuell die Häufigkeit von multiresistenten Staphylokokken unter den Braunschweiger Bürgern untersucht.

Im Studienzentrum des HZI in Hannover sollen zukünftig noch weiter großangelegte Studien ausgeführt werden.

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