Die zwei Seiten der Entzündung

Entzündetes Lungengewebe mit vielen eingewanderten Immunzellen, deren Zellkerne blau angefärbt wurden. © HZI/Pils

Bronchitis, Meningitis, Gastritis, Arthritis – die Endung „-itis“ zeigt, dass hier die Rede von Entzündungen ist. In vielen Fällen sind sie eine erwünschte Reaktion des Körpers, manchmal rufen sie aber auch Krankheiten hervor.

Typischerweise geht sie mit fünf Merkmalen einher: Die betroffenen Körperstellen erwärmen und röten sich, schwellen an und schmerzen. Dazu kommt ein Verlust der Funktion.

Bei einer akuten Entzündung reagiert der Körper auf Infektionen, Verletzungen des Gewebes oder schädliche Substanzen wie Chemikalien. Entdeckt die Immunabwehr beispielsweise Mikroorganismen, verlassen Proteine und weiße Blutkörperchen die Blutbahn und wandern zur betroffenen Gewebestelle. Dort töten die Neutrophilen, die zu den weißen Blutkörperchen gehören, die Mikroorganismen ab. Dazu setzen sie Substanzen frei, die jedoch nicht zwischen fremden Eindringlingen und eigenen Körperzellen unterscheiden und daher auch das umliegende Gewebe schädigen. In einem nächsten Schritt beseitigen Fresszellen des Immunsystems die abgetöteten Bakterien und es kommt zum Wiederaufbau des zerstörten Gewebes. Eine akute Entzündung ist folglich ein wünschenswerter Prozess, der den auslösenden Reiz entfernt und die Homöostase – den Gleichgewichtszustand im Gewebe – wiederherstellt.

So sinnvoll diese Reaktion ist – sie hat einen Preis. Entzündungen können nämlich auch chronisch werden und das Gewebe massiv schädigen. Das ist zum einen der Fall, wenn es dem Immunsystem nicht gelingt, den Eindringling zu beseitigen. Zum anderen gibt es aber auch eine Vielzahl chronischer Entzündungen, die weniger gut verstanden sind und die im Zusammenhang mit chronischen Erkrankungen des Menschen stehen.

Ein Auslöser können beispielsweise Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder multiple Sklerose sein. Hier erkennt das Immunsystem irrtümlicherweise körpereigene Strukturen und greift sie an. Da der Reiz jedoch dauerhaft vorliegt, können die Immunzellen ihn nicht beseitigen und schädigen so den eigenen Körper. Auch Krebs, Alzheimer und verschiedene Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems und der Lunge stehen mit Entzündungen im Zusammenhang.

Wissenschaftler am HZI interessieren sich aus verschiedenen Gründen für dieses Thema. Sie untersuchen beispielsweise, wie man die Signalkaskaden, die zu chronischen Entzündungen führen, therapeutisch unterbinden kann. Außerdem erforschen sie, wie Fehlregulationen im komplexen Immunsystem zu Entzündungen führen. Auch der Einfluss von Infektionen und damit einhergehenden entzündlichen Reaktionen auf die Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen ist Schwerpunkt einer Arbeitsgruppe am HZI. Sie untersucht insbesondere, wie Entzündungsprozesse zur Entstehung der Alzheimer-Krankheit, der häufigsten Demenzerkrankung, beitragen.

(Dr. Birgit Manno)

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