Translation – eine Brücke zwischen Laborbank und Klinik

Die Translationsallianz in Niedersachsen unterstützt Forschungsinfrastrukturen in Niedersachsen – und fördert so den Austausch zwischen Grundlagen- und klinischer Forschung.

Translation in der Infektionsforschung hat viele Gesichter, aber immer eine Aufgabe: Die derzeit noch bestehende Lücke zwischen Grundlagenforschung und klinischer Anwendung zu schließen. Diese Lücke ist durch die über Jahrhunderte alten Forschungsmuster in unserer Wissenschaft entstanden. Auf der einen Seite gab es die Naturwissenschaft, die den Phänomenen der Natur nachgespürt hat. Auf der anderen Seite die Medizin, die Patienten heilen möchte, sich aber nicht zwingend für die wissenschaftlichen Details interessiert hat. Durch die rasante wissenschaftliche Entwicklung der letzten Jahre sind beide Forschungszweige eng aneinander gerückt, profitieren stark voneinander und haben sich zu einer gemeinsamen Gesundheitsforschung entwickelt. Denn längst ist der Blick auf die Grundlagen nötig, um klinische Probleme zu lösen und der Blick in die Klinik eröffnet neue Fragestellungen für Grundlagenforscher.

Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung ist in unterschiedliche Translationsaktivitäten eingebunden. Hinter diesen Aktivitäten steht die zentrale Frage: Wie kann das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung – das selbst keine Klinik betreibt – zum Schließen der Lücke zwischen Grundlagen und Klinik beitragen? Das HZI verfolgt dabei zwei Strategien – die „Angewandte Translation“ in Form von Kooperationen mit anderen Einrichtungen und die „Wissenschaftliche Translation“ die sich in der wissenschaftlichen Ausrichtung des Zentrums spiegelt:

Angewandte Translation

Das HZI ist derzeit an drei Translationsverbünden aktiv beteiligt. Ziel dieser Kooperationen ist letztlich, eine Forschungs-Kette zu erzeugen, die von Grundlagenerkenntnissen zu Vorsorgemaßnahmen und Therapien für Patienten führt.

Das TWINCORE, Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung steht in unmittelbarer Nähe der MHH.

TWINCORE, Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung GmbH

Das TWINCORE ist eine gemeinsame Einrichtung des HZI mit der Medizinischen Hochschule Hannover. Am TWINCORE arbeiten Grundlagenwissenschaftler und Kliniker gemeinsam an wissenschaftlichen Fragestellungen. Der Fokus liegt auf der direkten Vernetzung von Wissenschaftlern beider Ausrichtungen in gemeinsamen Projekten.

Translationale Forschung bedeutet unter anderem auch, in der Grundlagenforschung mit Patientenproben aus der Klinik zu arbeiten.

Translationsallianz in Niedersachsen (TRAIN)

TRAIN ist ein Zusammenschluss verschiedener biomedizinischer Forschungseinrichtungen in Niedersachsen, der die nötige Infrastruktur für eine effiziente translationale Forschung unterstützt, konsequent ausbaut und den gemeinsamen Dialog aktiv fördert. Im Rahmen von TRAIN wird beispielsweise das Clinical Research Center (CRC) in Hannover realisiert, das neue Wege in der translationalen Forschung ermöglichen wird.

Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF)

Im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung arbeiten Wissenschaftler an verschiedenen Standorten an gemeinsamen Fragestellungen.

Im DZIF haben sich deutschlandweit Hochschulen, Kliniken und Forschungszentren mit besonderer Kompetenz in der Infektionsforschung zusammengeschlossen, um sich künftig gemeinsam Erkenntnisse über Krankheitserreger zu sammeln und Ansätze für neue Therapien, Medikamente, Impfstoffe und Impfverfahren zu finden. Translation zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit nimmt daher im DZIF eine zentrale Bedeutung ein. Durch die Kombination der einzelnen Expertisen an den DZIF-Standorten werden umfangreiche Synergieeffekte erwartet, die den Prozess der Nutzbarmachung von Erkenntnissen aus der Grundlagenforschung weiter beschleunigen werden.

Wissenschaftliche Translation

Die wissenschaftliche Basis für den Translationsansatz des HZI liegt in der strategischen Forschungsausrichtung des Zentrums. Das HZI setzt einen Schwerpunkt auf die Grundlagenforschung an klinisch relevanten Krankheitserregern. Diese Ausrichtung wird durch die Rekrutierung von herausragenden Wissenschaftlern an das HZI kontinuierlich weiter ausgebaut.

Gläser mit Pufferlösungen für die Arbeit mit Zellen und biologischen Molekülen.

Arbeiten an Krankheitserregern, die in der Klinik von Bedeutung sind, fördern den direkten Austausch von Klinikern und Grundlagenforschern – bis hin zur Grundlagenforschung an Proben aus der Klinik.

Als weiteren Pfeiler der translationalen Ausrichtung stärkt das HZI das Forschungsfeld der Epidemiologie. Ergebnisse aus der epidemiologischen Forschung zeigen den Wissenschaftlern, welche Krankheiten in einer Gesellschaft tatsächlich relevant sind – auch wenn sie in der öffentlichen Berichterstattung manchmal nur ein Nischendasein führen. Zudem erforschen Epidemiologen, wie sich Krankheitserreger in der Bevölkerung verbreiten. Damit liefern sie wichtige Hinweise für die Infektionsforscher, an welchen Stellen mögliche Therapien besonders wirkungsvoll eingreifen können, um die Krankheit oder ihre Verbreitung zu stoppen.

Um die Lücke zwischen Forschung und Anwendung tatsächlich zu schließen, müssen Therapieansätze letztlich bis zum Medikament entwickelt werden – eine Anforderung, die ein Forschungsinstitut allein nicht leisten kann. An dieser Stelle ist der Kontakt zur Industrie nötig. Neben zahlreichen direkten Kooperationen mit der pharmazeutischen Industrie unterhält das HZI eine enge Kooperation mit der Vakzine Projektmanagement GmbH, deren besondere Expertise in der Nutzenanalyse von Wirkstoffprojekten und Betreuung bis in klinische Studien liegt.

(Dr. Jo Schilling)