Tuberkulose - eine stille Pandemie

Tuberkulose gehört zu der Riege der „großen Drei“ Infektionskrankheiten – gemeinsam mit Aids und Malaria. In Europa ist die Tuberkulose fast vergessen – die Zeiten der Kameliendame und des Mann`schen Zauberbergs scheinen vorbei. Ein Eindruck, der trügt. Auf der ganzen Welt fällt alle 20 Sekunden ein Mensch dem Mycobacterium tuberculosis zum Opfer – das sind 5000 Tote pro Tag. In Osteuropa und Afrika ist sie weit verbreitet und seit etwa 20 Jahren nimmt die Zahl der resistenten Erregerstetig zu. Kaum ein Antibiotikum wirkt gegen diese multiresistenten Erreger und mit dem Reiseverkehr und Migrationsbewegungen verbreiten sich diese resistenten Stämme weltweit. Ebenfalls weltweit wird an neuen Strategien gegen den Erreger geforscht – an neuen Antibiotika und Impfstoffen. Bislang mit wenig sichtbarem Erfolg – das Mycobacterium tuberculosis versteckt sich vor der geballten Initiative wie eh und je in den Mastzellen der Lunge und wartet darauf, dass das Immunsystem seines Wirtes geschwächt wird.

Modell der Alanin-Dehydrogenase – aus Röntgendaten errechnet. Die Alanin-Dehydrogenase ist wahrscheinlich bei der Synthese der Zellwand von Mycobacterium tuberculosis beteiligt und damit ein wichtiges Angriffziel für neue Wirkstoffe.

Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung suchen nach  neuen Strategien gegen diese Krankheit – vor allem suchen sie nach neuen Wirkstoffen, die nach gänzlich anderen Prinzipien funktionieren, als die Wirkstoffe, die die Medizin bislang einsetzt. Eine zentrale Rolle spielt dabei ein Forschungskonsortium, das aus Geldern der Europäischen Union finanziert wird. Dieses Konsortium setzt sich aus bewährten Forschungspartnerschaften zusammen. Die Wissenschaftler des NoPersist Verbundes forschen seit Jahrzehnten gemeinsam an Tuberkulose. Mit Tausenden Substanzen aus der Substanzbibliothek des HZI tasten sie sich Gen für Gen an neue Angriffspunkte von Mycobacterium tuberculosis. Eine Schwierigkeit bleibt jedoch: die besondere Fähigkeit der Bakterien sich vor dem Immunsystem und Medikamenten zu verstecken.

Ein Antibiotikum kann nur wirken, wenn Mycobacterium tuberculosis aktiv ist und die Bakterien sich vermehren, der Patient also an einer Tuberkulose leidet. An diesem Punkt setzen andere Wissenschaftler des HZI an: Sie suchen – in den selben Substanzdatenbanken – nach Stoffen, die auf ruhende Organismen wirken. Ihre Hoffnung ist, mit neuen Substanzen die Lebensfunktionen der in der Lunge wartenden Bakterien abschalten zu können – ohne dass die Tuberkulose für eine Therapie erst ausbrechen muss. Auch an der Prävention ist das HZI – indirekt – beteiligt: Die eng an das HZI assoziierte VPM (Vakzine Projekt Management GmbH) begleitet derzeit einen vielversprechenden Lebendimpfstoff durch die klinische Prüfung. 

HIV und Tuberkulose

In Afrika ist die Kombination aus Tuberkulose und Infektionen mit dem HI-Virus ein besonders großes Problem: Patienten mit einer HIV Infektion haben ein etwa 30mal höheres Risiko an einer Tuberkulose zu erkranken, als nicht HIV Patienten, da deren Immunsystem durch das HI-Virus stark geschwächt ist. Die Tuberkulose bei einem AIDS-Patienten bricht in jedem Fall aus und die meisten Todesfälle von HIV Patienten in Afrika gehen letztlich auf das Konto von Mycobacterium tuberculosis

(Dr. Jo Schilling)

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  • Ein neuer Impfstoff gegen Tuberkulose – die Infektion Nr. 1 in der Welt
    Alle 15 Sekunden stirbt ein Mensch an Tuberkulose. Bislang gibt es keinen ausreichend wirksamen Impfstoff gegen das Mycobacterium tuberkulosis, lediglich einen, der Säuglinge in den ersten zwei Lebensjahren schützt. Jetzt kristallisiert sich in klinischen Studien ein vielversprechender neuer Impfstoff heraus, den die Vakzine Projekt Management GmbH auf ihrem Weg zur Zulassung begleitet. Bernd Eisele und Leander Grode stellen Ihnen den Impfstoff vor und berichten von ihren Hoffnungen und Erwartungen…
  • Tuberkuloseforschung - Neue Wirkstoffe gegen eine alte Gefahr
    Tuberkulose ist eine lebensbedrohliche, hochansteckende Infektionskrankheit an der weltweit jährlich etwa zwei Millionen Menschen sterben. Das größte Problem sind sich rasant ausbreitende Antibiotikaresistenzen. Das Wissenschaftlerteam um Mahavir Singh am HZI sucht nach neuen Angriffpunkten und Wirkstoffen gegen Tuberkulose. Begleiten Sie den Wissenschaftler Matthias Stehr in sein Labor....

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