Staphylococcus aureus – Gefahr aus der Nase

Staphylokokken sind allgegenwärtig. Das gilt auch für das inzwischen zu traurigem Ruhm gelangte Bakterium Staphylococcus aureus. Wir tragen es auf der Haut spazieren, es lebt in unseren Atemwegen und wir geben es über Händedruck und Niesattacken weiter. Etwa ein Drittel bis ein Viertel aller Menschen lebt mit diesem Keim – ohne etwas davon zu merken und ohne das er Probleme bereitet. Ist das Immunsystem seines Trägers jedoch geschwächt, wird aus dem unauffälligen Begleiter ein Krankheitserreger. Die Bandbreite der Infektionen reicht von Wundinfektionen über Muskelerkrankungen bis zur tödlichen Sepsis.
Um Infektionen mit Staphylococcus aureus in Zukunft effektiv begegnen zu können, erforschen Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung ganz unterschiedliche Aspekte der Infektion.

Ein Leben in Geselligkeit

Nasentupfer
Ein Nasenabstrich ist schmerzfrei und kann von den Probanden selbst durchgeführt werden.

Die Keime schließen sich mit anderen Bakterien zu komplexen Lebensgemeinschaften zusammen und besiedeln vor allem unsere Nasen. Dieses Reservoir in der Nase gilt inzwischen als Hauptquelle für schwere Wundinfektionen: Ein Griff von der Nase an die Wunde und schon ist Staphylococcus aureus am Ziel für seine pathogenen Aktivitäten und infiziert das Gewebe. Ein großes Problem sind in diesem Zusammenhang chronische Wunden von Diabetes-Patienten. Unsere Wissenschaftler untersuchen, mit wem die Bakterien in der „Warteposition Nase“ und in Diabetes-Wunden interagieren und welche Prozesse dabei ablaufen. Und sie erforschen in groß angelegten Studien, wie weit diese Keime in der gesunden Bevölkerung verbreitet sind. Besonders interessant sind die Risikofaktoren für das Besiedeln der Nasen mit Staphylococcus aureus – um Ansätze zu finden, den Keim wieder aus den Nasen und Wunden zu vertreiben

Infektionen – ein Wechselspiel

Für die Wandlung vom Begleiter zum Angreifer ist das Wechselspiel zwischen Erreger und unserem Immunsystem entscheidend. Sind die Bakterien im Vorteil, entsteht eine Infektion und der Organismus benötigt Hilfe – diese Hilfe sind derzeit noch Antibiotika, die allerdings immer mehr ihrer Wirksamkeit verlieren. Und auch auf neu entwickelte Wirkstoffe reagieren Bakterien sehr schnell mit immer neuen Abwehrstrategien. Bei einem aggressiven Erreger wie Staphylococcus aureus kann diese Hilflosigkeit der Medizin schnell lebensbedrohlich werden: wenn die Keime den Organismus regelrecht überschwemmen und eine Sepsis entsteht. Deshalb suchen unsere Wissenschaftler nach neuen Wegen, um diese Abwehrstrategien langfristig zu umgehen. Eine Möglichkeit: den Erreger lediglich zu schwächen statt abzutöten, so dass der Patient zwar noch krank, aber sein Leben nicht mehr in akuter Gefahr ist. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit – so nehmen die Forscher an –, dass Staphylococcus aureus sich auch gegen diese Strategie schnell mit Resistenzen zur Wehr setzt. Ein anderer Weg basiert darauf, das Immunsystem mit therapeutischen Antikörpern zu unterstützen und zu aktivieren. Die Antikörper markieren die Bakterien und machen sie so für das Immunsystem und seine Abwehrzellen besser sichtbar. Sozusagen Hilfe zur Selbsthilfe.

Staphylococcus aureus als Dauergast

Selbst bei milden Infektionsverläufen mit dem Bakterium gelingt es dem Immunsystem nicht immer, die Infektion nachhaltig zu bekämpfen. An einem gewissen Punkt der Auseinandersetzung gibt unser Immunsystem einfach auf – es stellt die Produktion der Abwehrzellen ein und der Erreger nistet sich zunächst unbemerkt in seinem Wirt ein. Das Problem: Von seinem Versteck aus verursacht er immer wieder schwere Infektionen, um sich nach dem Angriff wieder in seinen Schlupfwinkel zurück zu ziehen. Diese chronischen Infektionen lassen sich nicht mit Antibiotika bekämpfen, denn die Wirkstoffe dringen nicht bis in die Zellverstecke vor. Und auch hier suchen unsere Wissenschaftler nach Wegen, das Immunsystem zu aktivieren – um wenigstens wieder mit dem Bakterium gleich zu ziehen, wenn es schon nicht besiegbar ist.

Gefährliche Resistenzen

Staphylococcus aureus: elektronenmikroskpoische Aufnahme der kugelförmigen Bakterien

Staphylococcus aureus hat viele Strategien entwickelt, um sich vor Antibiotika zu schützen. Nur noch gegen einige Varianten des Bakteriums wirken Standardantibiotika - viele Varianten sind bereits gegen die meisten herkömmlichen Medikamente resistent und die Antibiotika wirken nicht mehr. Gegen andere Varianten von Staphylococcus aureus wirken nur noch spezielle Antibiotika und dann gibt es noch die Varianten gegen die fast keine Antibiotika mehr wirken – sie werden als MRSA bezeichnet. Die Abkürzung MRSA steht für „Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus“. Methicillin ist ein Prüf-Antibiotikum, mit dem die Empfindlichkeit von Krankheitserregern gegen Antibiotika getestet wird. Keime, die gegen diesen Test-Wirkstoff resistent sind, sind es auch gegen nahezu alle anderen Antibiotika. Einzig der Wirkstoff Vancomycin kann in diesen Fällen noch gegen MRSA eingesetzt werden; allerdings sind inzwischen auch Varianten von Staphylococcus aureus gefunden worden, die sich gegen Vancomycin zur Wehr setzen.

Heimat: Krankenhaus

MRSA-Keime werden auch Krankenhaus-Keime genannt, da sie vor allem in Krankenhäusern zu Problemen führen – dort liegen die Menschen mit geschwächtem Immunsystem, bei denen das Bakterium leichtes Spiel hat. MRSA-Keime breiten sich durch unterschiedliche Effekte in den letzten Jahren sehr rasant aus. Neue Studien haben ergeben, dass sie auch in Altenheimen sehr verbreitet sind. Wie weit MRSA Keime bereits unter Gesunden in einem ganz normalen Lebensumfeld verbreitet sind, untersuchen Wissenschaftler des HZI in Bevölkerungsstudien.

(Dr. Jo Schilling)

Audio Podcast

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