Legionellen

Legionellen mögen es feucht und warm. Die stäbchenförmigen Bakterien leben ausschließlich im Wasser, können sich aktiv mit Geißeln fortbewegen und sind humanpathogen – also für Menschen krankheitserregend. Als Infektionserreger ist insbesondere die weit verbreitete Art Legionella pneumophila von Bedeutung: Sie verursacht die Legionellose, auch Legionärskrankheit genannt.

Ihren Namen verdanken die Erreger der „American Legion“, einer Veteranenorganisation der US Army. Bei deren 58. Kongress im Jahr 1976 starben 29 Menschen in einem Hotel in Philadelphia – erst ein halbes Jahr später konnte Legionella pneumophila  als Ursache dieser Epidemie identifiziert werden. Das Bakterium trägt seitdem den Namen seiner ersten dokumentierten Opfer.

Die Keime fühlen sich in warmem, stehendem Wasser besonders wohl und vermehren sich in Warmwassertanks von Heizungen, in Klimaanlagen und in wenig benutzten Leitungen. Legionellen werden erst bei einer Temperatur von über 70 Grad Celsius zuverlässig abgetötet. Wenn in Rohrleitungssystemen die Wassertemperatur unter 55 Grad Celsius sinkt, vermehren sie sich eifrig. Mit Legionellen belastetes Wasser zu trinken ist für gesunde Menschen ungefährlich, gelangen die Bakterien jedoch gemeinsam mit Wasserdampf in die Lunge, wie beim Duschen oder in klimatisierten Räumen, können sie schwere Lungenentzündungen auslösen. Ob und wie gefährlich das belastete Wasser ist, hängt vor allem von dem jeweiligen Bakterienstamm im Wasserdampf ab. Allein von Legionella pneumophila gibt es 14 Serotypen, die nicht alle infektiös sind.

Schwieriger Nachweis

Legionellosen betreffen häufig nicht nur einzelne Menschen, sondern gleich große Gruppen in Schwimmbädern, Hotels, klimatisierten Einkaufszentren und auch Krankenhäusern. In Deutschland treten 15-30.000 Legionellen-Erkrankungen im Jahr auf. Von diesen Infektionen verlaufen 5 bis 8 Prozent tödlich. Da Legionellen nahezu überall zu finden sind, wo warmes Wasser steht, ist der Nachweis der Infektionsquelle besonders wichtig. Leider lassen sich Legionellen nur sehr schwer isolieren und im Labor züchten – und damit auch nur schlecht untersuchen. Wissenschaftler am HZI haben Diagnoseverfahren auf molekularer Ebene entwickelt, mit denen sie Legionellen nicht nur schnell aufspüren, sondern auch identifizieren können. Gefährliche Stämme lassen sich so bei einer akuten Epidemie schnell von ungefährlichen unterscheiden. Damit kann die Infektionsquelle gefunden und  ausgeschaltet werden.

Zudem erlaubt es diese Methode, Legionellen aus großen Wassermengen – wie etwa in Trinkwasserreservoirs – herauszufiltern und direkt zu analysieren. Die komplizierte Anzucht der Bakterien unter Laborbedingungen ist damit nicht mehr nötig. Das Verfahren ermöglicht ein effektives Risikomanagement für Trinkwassersysteme, um Legionellosen zu verhindern.

(Dr. Jo Schilling)

Audio Podcast

  • Legionärskrankheit – Wissenschaftler auf Spurensuche in der Wasserleitung
    Legionellen warten überall auf uns wo warmes Wasser gespeichert wird – in Wasserleitungen, Klimaanlagen, Schwimmbädern. Einige wenige dieser Bakterien können schon ausreichen, um bei uns eine schwere Lungenentzündung zu verursachen. Häufen sich Fälle – etwa in einem Einkaufszentrum oder einem Schwimmbad – gehen Wissenschaftler auf Legionellensuche. Manfred Höfle hat eine Technologie entwickelt, mit der er genau die Legionellen findet, die die Menschen krank machen. Begleiten Sie ihn bei seiner Detektivarbeit...

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