Epidemiologische und statistische Methoden

Um epidemiologische Fragestellungen zu beantworten, ist es entscheidend, die richtigen Methoden für diese Fragestellungen auszuwählen. Wie viele Teilnehmer müssen beispielsweise mindestens in eine Studie eingeschlossen werden, um einen Zusammenhang zwischen einem Risikofaktor und einer Erkrankung nachzuweisen, wenn dieser in der Realität tatsächlich besteht? Wie stark verzerren andere Risikofaktoren für die untersuchte Erkrankung die Effekte innerhalb einer Studie? Diese und ähnliche Fragen müssen für jedes Studienszenario neu gestellt und bewertet werden, um sinnvolle Ergebnisse zu erhalten.

Leitung

Unsere Forschung

Neben klassischen epidemiologischen Studiendesigns wie Fall-Kontroll- oder Kohortenstudien sind dies beispielsweise Studien im „case-only design“, in denen nur Erkrankte betrachtet werden. Weitere Beispiele sind Studien, die Populationsänderungen über die Zeit betrachten wie etwa Änderungen der Neuerkrankungsrate, oder intraindividuelle Studien, in welchen beispielsweise der Verlauf einer Erkrankung betrachtet wird.

Neben der Analyse von Studien sind die Wissenschaftler der Arbeitsgruppe auch auf die Studienplanung und -umsetzung spezialisiert. So führen wir mehrere Studien in Kooperation mit klinischen Partnern durch, beispielsweise im Bereich der nosokomialenInfektionen oder der Sepsis.

Forschungsschema der Gruppe "Epidemiologische und statistische Methoden". © HZI

Die LöwenKIDS-Studie

Eine große bevölkerungsbasierte Kohortenstudie, die die Arbeitsgruppe in der Region Braunschweig/Hannover momentan durchführt, ist die LöwenKIDS-Studie. Dies ist eine infektiologische Geburtskohorte, in der der Fokus auf der Entwicklung des Immunsystems bei Kindern liegt. In einer Haupt- und einer intensiver beobachteten Untergruppe soll untersucht werden, wie sich die Häufigkeit, Abfolge und Schwere von Infektionen sowie die Art des auslösenden Erregers und Impfungen auf das Immunsystem auswirken.

Die Entstehung von Allergien und chronischen Erkrankungen wie beispielsweise Asthma oder Neurodermitis sollen dabei als Endpunkt betrachtet werden. Die Kinder werden von der Geburt an bis zum Vorschulalter von dem Studienteam begleitet. In dieser Zeit führen die Eltern ein Symptomtagebuch, füllen Fragebögen aus und es werden sowohl symptomatische als auch asymptomatische Bioproben der Kinder, zum Beispiel in Form von Nasenabstrichen und Stuhlproben, von Wissenschaftlern der Arbeitsgruppe untersucht.

Online-Panel

Weiterhin arbeitet die Arbeitsgruppe auch mit neuen Technologien und hat ein sogenanntes Online-Panel aufgebaut, in dem die niedersächsische Allgemeinbevölkerung über das Internet zu Wissen, Einstellungen und Umsetzung von Hygienemaßnahmen und anderen Präventionsverhalten in Bezug auf Infektionskrankheiten befragt wird. Dabei wird zum Beispiel erfragt wie die zufällig ausgewählten Teilnehmer Infektionskrankheiten einschätzen und sich vor diesen schützen. Zudem wird neben dem allgemeinen Gesundheitszustand zum Beispiel auch nach der Häufigkeit von Infektionen der oberen Atemwege oder der Einnahme von Antibiotika gefragt. Auch bei aktuellen Themen, wie etwa der Ebola Epidemie, können die Teilnehmer durch das Online-Panel kurzfristig zu einer aktuellen Situation befragt werden.

Mathematische Modellierung

Einen weiteren methodischen Ansatz mit großem Nutzen für die Infektionsepidemiologie bildet die mathematische Modellierung. Diese Methode ist insbesondere dann von Vorteil, wenn Langzeitauswirkungen von dynamischen Systemen untersucht werden oder alternative Szenarien gegeneinander getestet werden. Wir stellen beispielsweise in einem mathematischen Modell dar, wie die Auswirkungen einer Impfkampagne während einer Influenza-Epidemie wären, oder wie stark die Inzidenz von Gebärmutterhalskrebs in den nächsten 100 Jahren dank der Einführung der Impfung gegen humane Papillomaviren zurückgehen wird.

Derzeit arbeiten wir an Fragen zur Varizellen-Impfung (Impfung gegen Windpocken): Wird die Einführung der Impfung gegen Windpocken zu einem Anstieg der Fälle von Gürtelrose (Herpes Zoster) führen, welche ebenfalls vom Varizella-Zoster-Virus verursacht werden? Dies wäre infolge einer fehlenden Auffrischung der Immunität durch Kontakt mit Kindern, die an Varizellen erkrankt sind, möglich. Wäre deshalb unter Umständen eine weitere Impfung gegen das Varizella-Zoster-Virus im Erwachsenenalter sinnvoll?

Im Kontext der Modellierung beschäftigen wir uns ebenfalls mit Methoden zur Erfassung von Kontaktstrukturen, die etwa bei der Übertragung von Tröpfchen- oder Krankenhausinfektionen eine Rolle spielen. 

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