Experimentelle Virologie

RNA-Viren sind sehr variable Krankheitserreger, die Auslöser vieler humaner Infektionskrankheiten sind. Mumps, Masern, die neuen Spielarten der Influenza, SARS, das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) und das Hepatitis-C-Virus (HCV) gehören zu dieser Gruppe von Erregern. Infektionen mit Viren wie dem RSV oder HCV haben Mediziner wenig entgegen zu setzen. Gesucht: neue Therapieoptionen. Die Gruppe Experimentelle Virologie hat ihren Sitz am TWINCORE in Hannover.

Unsere Forschung

Viren sind genau genommen Überträger eines biologischen Programms, mit dem sie den Stoffwechsel einer Menschen-, Tier- oder Pflanzenzelle so umschreiben können, dass diese Zellen wieder neue Viren produzieren – ein Prozess, der "Replikationszyklus" genannt wird. Sie sind winzig, nur aus einer Protein-Lipid-Hülle mit Erbgutfüllung aufgebaut, und dennoch bedrohen Erreger wie HIV oder Hepatitis C die Gesundheit vieler Millionen Menschen.

Eine mit HCV infizierte Leberzelle

Zweifelhaftes Privileg

Eine Infektion mit dem Hepatitis C Virus (HCV) ist ein – zweifelhaftes – Privileg von Menschen und Schimpansen. Etwa 160 Millionen Menschen sind chronisch mit dem Virus infiziert, das heißt, sie tragen es dauerhaft in ihren Leberzellen. Und das bleibt in vielen Fällen nicht ohne Folgen für die Leber: Ihr Risiko, eine chronische Entzündung und letztlich Leberkrebs zu bilden, steigt. Deshalb arbeiten Wissenschaftler auf der ganzen Welt an neuen Strategien gegen das Virus. Am Institut für Experimentelle Virologie (am TWINCORE) erforschen unsere Wissenschaftler die Hintergründe der Hepatitis C und anderer RNA-Viren. Damit ergänzen sie den Forschungsbereich der DNA-Viren an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Selbst entwickeltes Zellkulturmodell

Um hinter die Geheimnisse des Hepatitis-C-Virus zu kommen, arbeiten die Forscher mit einem selbst entwickelten Zellkulturmodell. Es besteht aus menschlichen Leberzellen und einer Virusvariante, die sich besonders gut in Zellkulturen vermehrt. Mit diesem Testsystem prüfen sie, wie es dem Virus gelingt, in unsere Leberzellen einzudringen und weshalb beispielsweise Leberzellen von Mäusen für das Virus nicht empfänglich sind.

Suche nach Schwachstellen des Virus

Darüber hinaus untersuchen Wissenschaftler des Instituts, wie die einzelnen Virusbestandteile funktionieren und mit Bausteinen der Leberzelle zusammenwirken, um Nachkommenviren zu bilden. So könnten neue Schwachstellen des Virus entdeckt werden, an denen die Forscher ansetzen können, um die Vermehrung des Virus zu stören: In diesem Zusammenhang werden auch Naturstoffsammlungen auf ihre Wirkung gegen das Virus durchforstet. Sie suchen Stoffe, die das Eindringen, die Vermehrung oder die Freisetzung der Viren blockieren.

Diese Technologie lässt sich auch auf andere RNA-Viren und andere Organsysteme anpassen – wie beispielsweise das RSV, mit dem die Wissenschaftler am TWINCORE derzeit ihr Forschungsprofil erweitern.

Auf den Seiten des TWINCORE finden Sie die aktuelle Teamliste und eine Zusammenstellung der Publikationen!

Leitung

  • Prof. Dr. Thomas Pietschmann

    Portrait Arbeitsgruppenleiter Experimentelle Virologie, Das HZI in Braunschweig und die MHH haben gemeinsam ein Zentrum für experimentelle und klinische Infektionsforschung gegründet - das Twincore.

    Leiter der Abteilung Experimentelle Virologie

    0511-220027-130

    0511-220027-178

    Kontakt

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Audio Podcast

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  • Kleine Moleküle ganz groß – Mit Naturstoffen gegen Hepatitis C
    Mit weltweit 130 Millionen Infizierten ist Hepatitis C eine der häufigsten Infektionskrankheiten. Die Therapien, die es derzeit gibt, sind langwierig, haben starke Nebenwirkungen und helfen nicht jedem Patienten. Florenz Sasse vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung und Thomas Pietschmann vom TWINCORE in Hannover suchen gemeinsam nach neuen Wirkstoffen gegen das Hepatitis C-Virus. Hören Sie hier von ihren ersten Treffern und folgen Sie Florenz Sasse zu einer Bibliothek der anderen Art…