Epidemiologie

Epidemiologie erforscht Gesundheit und Krankheit auf der Bevölkerungsebene – die Infektionsepidemiologie beschäftigt sich mit übertragbaren Krankheiten. Ihre Werkzeuge und Methoden sind systematische Befragungen, klinische Untersuchungen und labordiagnostische Nachweise sowie statistische Analysen. So können Ursachen und Risikofaktoren für Infektionen identifiziert werden. Die Infektionsepidemiologie trägt zur Entwicklung von Präventionsmaßnahmen, ebenso wie zur Früherkennung und Therapie von Erkrankungen bei. Zudem überprüft sie die Wirksamkeit solcher Maßnahmen.

Epidemiologisches Labor

Die Aufgabe des epidemiologischen Labors ist, Infektionen in Bevölkerungsgruppen nicht auf der Basis des Erinnerungsvermögens von Studienteilnehmern, so genannten Probanden, oder nach ihren Symptomen zu erfassen. Stattdessen suchen wir in Bioproben, wie z.B. Nasenabstrichen, Stuhl, Speichel und Blut von Probanden gezielt nach Erregern oder Markern früherer Infektionen, den Antikörpern.

iPlex-Technologie von Sequenom

Es ist beispielsweise möglich auszurechnen, wie sich eine Ansteckungswelle ausbreitet, also wie viele Menschen in welchem Zeitraum mit Influenza infiziert werden können. Dazu bestimmen wir, wie lange Influenza-Viren bei einer Erkrankung die Nase besiedeln, um bei jedem Nießen ausgeschüttet zu werden.  Oder wir untersuchen die Verbreitung Antibiotika resistenter Erreger in der Bevölkerung, wie zum Beispiel  die des Methicilin resistenten S. aureus (MRSA) in der Nase (s-swab Studie). Diese Untersuchungen basieren auf Nasenabstrichen der Probanden. Im Falle von Influenza suchen wir nach dem viralen Genom; um MRSA nachzuweisen, überprüfen wir das Bakterienwachstum auf Kulturplatten und das Bakteriengenom auf das Vorhandensein von Resistenzmarkern.

Ausstrich des nasalen Swabs auf Blutagar

Beides sind Projekte, die sich mit gerade ablaufenden Infektionen bei Probanden, also mit akuten Keimbesiedelungen, beschäftigen. Derzeit etablieren wir für die Erregerdiagnostik auf Basis des Erregergenoms, die iPlex-Technologie von Sequenom.

Aber wir untersuchen nicht nur Nasenabstriche: Über die Bestimmung von Antikörpern im Blut können wir feststellen, mit welchen Erregern die Probanden in der Vergangenheit infiziert waren. Darüber lässt sich beispielsweise die Effektivität und Notwendigkeit von Impfungen bestimmen. Für diese Messungen verwenden wir unter anderem technische Geräte, die es erlauben, viele Proben in kleinsten Mengen (Mikrogrammbereich) auf viele Erreger bzw. Antikörper gleichzeitig zu untersuchen (Multiplex-Serologie; Waterboer T. et al. Clin Chem. 2005).

Leitung

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