Ökologie und Entstehung von Zoonosen

Zoonosen, d. h. zwischen Tieren und Menschen übertragbare Krankheiten, bedrohen sowohl die menschliche Gesundheit als auch Haus- und Wildtiere. Verstärkt durch Klimawandel, Globalisierung und zunehmendes Eindringen des Menschen in tierische Lebensräume werden Mensch-Tier-Kontakte immer häufiger; das Risiko des Auftretens von Zoonosen – und damit auch von Pandemien – steigt. Unsere Forschung zielt darauf ab, das Auftreten und die Ökologie solcher Zoonosen zu verstehen, d. h. wie Krankheitserreger zwischen Populationen, Landschaften und Ökosystemen übertragen werden. Dabei beziehen wir den biotischen und abiotischen Kontext der Krankheitsübertragung mit ein und tragen so zu besserer Pandemic Preparedness und Prävention bei. Diese Gruppe hat ihren Sitz am Helmholtz-Institut für One Health (HIOH).

Leitung

Prof. Dr. Fabian Leendertz

Das One Health-Konzept ist der Schlüssel zu Pandemievorsorge und -prävention.

FABIAN LEENDERTZ

Fabian Leendertz studierte Veterinärmedizin an der Universität Budapest und der Freien Universität (FU) Berlin. Im Jahr 2005 wurde er Doktor der Veterinärmedizin und Leiter der Arbeitsgruppe Primatenkrankheiten am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Anschließend leitete er bis 2012 die Nachwuchsgruppe Emerging Zoonoses am Robert Koch-Institut (RKI) Berlin und qualifizierte sich zum Fachtierarzt für Mikrobiologie. Als Leiter der RKI-Projektgruppe Epidemiologie hochpathogener Erreger (2012 – 2021) habilitierte er sich 2016 im Fach Mikrobiologie an der FU Berlin.

Im Jahr 2021 wurde Fabian Leendertz zum Gründungsdirektor des Helmholtz-Instituts für One Health (HIOH) in Greifswald und zum Professor für One Health an der Universität Greifswald ernannt. Sein wissenschaftliches Ziel ist es zu verstehen, wo, wie und warum Mikroorganismen zwischen verschiedenen Spezies übertragen werden und welche Bedeutung Krankheitserreger und andere Mikroorganismen für Tierpopulationen haben. Um diese Fragen zu beantworten, hat er sich mit Viren, Bakterien (Pathogenen und dem Mikrobiom im Allgemeinen), Parasiten und Bakteriophagen beschäftigt. Jedes dieser Projekte basiert auf dem One Health-Ansatz, der nicht nur Daten zum Erreger selbst erfasst, sondern auch zu dessen Wirt (z. B. Verhalten, Ökologie, Evolutionsgeschichte) und zur umgebenden Umwelt.

Die Afrikanischen Tropen, in denen das Auftreten neuartiger Zoonosen aufgrund der großen biologischen Vielfalt, der intensiven und häufigen Mensch-Tier-Kontakte und der erheblichen ökologischen und sozioökologischen Veränderungen und Gradienten besonders wahrscheinlich ist, stehen im Mittelpunkt von Fabian Leendertz‘ Forschungsinteresse. Neben den wissenschaftlichen Fragestellungen ist dabei der Aufbau langfristiger Kooperationen mit afrikanischen Partnern und internationalen Netzwerken ein wichtiger Bestandteil seiner Forschungsagenda. Am HIOH wird er den wissenschaftlichen Fokus des Instituts prägen, indem er seiner Forschung eine regionale Komponente hinzufügt und lokale Aspekte von One Health, insbesondere Mensch-Tier-Umwelt-Schnittstellen, mit bereits in Nordostdeutschland (Vorpommern) etablierten Kohortenstudien verbindet (z. B. SHIP).

Zu seinen wichtigsten Erfolgen gehören für Fabian Leendertz die Entdeckung eines neuen Typs des Milzbranderregers (Bacillus cereus bv anthracis) und die erste Beschreibung von Lepra bei wildlebenden Menschenaffen. Darüber hinaus leitete er die Untersuchung zum Ausgangspunkt des westafrikanischen Ebola-Ausbruchs im Jahr 2014 und ist Mitglied der WHO-Expertengruppe zur Untersuchung des Ursprungs von SARS-CoV-2. In Anerkennung seines Engagements für den Naturschutz wurde er 2020 mit dem Champion of the Earth Award des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) ausgezeichnet. Darüber hinaus hat er mehr als 165 wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht, von denen viele in den Medien große Beachtung fanden. Er ist außerdem Mitglied verschiedener Beiräte, so u.a. im wissenschaftlichen Beirat der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen, dem Beirat der One Health-Initiative des Bundesministeriums für Zusammenarbeit und Entwicklung und der wissenschaftlichen Kommission der Great Apes Survival Partnership des UNEP.

Weiterführende Informationen

Mehr Informationen zu der Forschung am Helmholtz-Institut für One Health finden sie auf der Standortseite des HIOH.

Affenpocken

Seit Mitte Mai 2022 melden mehrere Länder, in denen Affenpocken nicht endemisch, sind eine Häufung von Infektionen mit dem Affenpockenvirus. Forschende des HZI tragen zur Einschätzung und aufklärung der Öffentlichkeit bei. Weitere Informationen lesen Sie hier.

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