Mathematische Modellierung

Effekte der Varizellen-Impfung in Deutschland

Das Varizella Zoster Virus (VZV) ist verantwortlich für zwei Krankheitstypen: die Primärinfektion Windpocken betrifft vor allem Kindergarten- und Vorschulkinder. Die Reaktivierung des Virus im Nervensystem, Herpes Zoster oder auch Gürtelrose genannt, tritt vor allem bei älteren Menschen auf. Seit 2004 wird die Impfung gegen Varizellen von der Ständigen Impfkommission (STIKO) im Alter von 11-14 Monaten empfohlen. Diese Empfehlung wurde 2009 erweitert um eine zweite Impfdosis im Alter von 15-23 Monaten. In der Folge konnte ein Absinken der Windpockenrate und vor allem der Rate von Krankheitsverläufen mit Komplikationen in Deutschland beobachtet werden.

Allerdings kann die Einführung des Varizellen-Impfstoffes auf lange Sicht auch gegenteilige Effekte habe. Erstens könnte die Impfung zu einer Verschiebung von Windpockeninfektionen in ein höheres Lebensalter führen. Das ist problematisch, da die Komplikationsraten und die Erkrankungsschwere mit dem Lebensalter ansteigen. Dies könnte den Nutzen der Impfung reduzieren. Zudem könnte die Impfung bei kleinen Kindern zwar zu einer Herdenimmunität führen; auf der anderen Seite  muss allerdings berücksichtigt werden, dass durch den reduzierten Kontakt von Erwachsenen mit VZV infizierten Kindern die Herpes Zoster Erkrankungsrate bei nicht geimpften Erwachsenen ansteigen wird. Um die Effekte der Varizellen Impfung abschätzen zu können und Unsicherheiten beziehungsweise Wissenslücken schließen zu können, wird ein mathematisches Kompartiment-Modell konstruiert und für die Varizellen-Krankheitslast in Deutschland adjustiert. Daraus können altersspezifisch Daten über die Anzahl von Erkrankten, Komplikationen, Krankenhauseinweisungen und Todesfällen durch Windpocken und Herpes Zoster, sowie eine wirtschaftliche Abschätzung bezüglich Kosten und Nutzen der Impfung abgeleitet werden. Weiterhin können die Kosten der Impfung, der Arbeitszeitverlust und die sogenannten „disability adjusted life years“ (DALYs) berechnet werden. Das Projekt wurde vom Robert Koch Institut finanziert und die Ergebnisse werden an die STIKO weitergeleitet.

Partner

Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld
Julius Centre for Health Sciences & Primary Care, Universität Utrecht
Robert Koch-Institut, Berlin

Projektleiter

Beteiligte Gruppen