Homeoffice mit Kindern

Auch die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des HZI kamen in den „Genuss“ von Homeoffice – Berichte aus dem ersten Lockdown

Prof. Melanie Brinkmann, HZI-Forschungsgruppenleiterin

Verheiratet, drei Kinder

Wie ist es im ersten Lockdown gelungen, Forschung, Kinderbetreuung und zahlreiche Medienauftritte für das HZI zu realisieren?
Ich hatte großes Glück, weil meine Kinder in die Notbetreuung gehen durften – sonst wäre ich sicher verzweifelt und hätte nicht so viel Medienarbeit leisten können. Aber unsere Familie war auch so ziemlich am Anschlag, denn es fiel ja nicht nur die Schule weg, auch die ganzen Freizeitaktivitäten der Kinder wie Turnen, Handball und Fußball fanden nicht mehr statt, und der Kontakt zu den Großeltern war sehr reduziert. Auf jeden Fall sind wir alle deutlich besser im Tischtennisspielen geworden, unsere Tischtennisplatte war ein Rettungsanker. Allerdings hätte ich in der Zeit administrative Hilfe sehr gut brauchen können – ich habe so viele Mails nach meinen Medienauftritten bekommen. Alle zu beantworten hat viel Zeit in Anspruch genommen, und auch all die Einladungen zu organisieren war eine Herausforderung.

Welches Familienerlebnis bleibt aus der Zeit in Erinnerung?
Ich erinnere mich noch genau an einen Abend am Esszimmertisch, als wir im Familienrat diskutiert haben, ob ich weiter in den Medien auftreten soll – ich war dadurch wenig zu Hause, und selbst wenn, war ich gedanklich eigentlich immer bei SARS-CoV-2 und nervlich ganz schön angespannt. Mein ältester Sohn sagte dann: „Mama, Du machst das super, und es ist wichtig, was Du da machst. Ich finde, Du solltest weitermachen.“ Damit war das dann entschieden...

Wie lief die Betreuung der Arbeitsgruppe im Lockdown?
Wir hatten Glück, denn drei meiner Doktoranden mussten gerade Paper schreiben. Von daher war es perfektes Timing, und wir haben viel geschafft. Aber für den Teamgeist war und ist es eine schwere Zeit, der persönliche Austausch ist einfach so wichtig. Und wir haben keines unserer Paper ordentlich feiern können, da haben wir einiges nachzuholen!

Dr. Vivien Nagy, DZIF-Fördermittelmanagement am HZI, und Prof. Till Strowig, HZI-Abteilungsleiter

Zwei Kinder, 8 und 5 Jahre alt

Wie lief die Homeoffice-Zeit als „HZI Double Career Couple“ und wie hat es mit den Kindern geklappt?
Wir haben im Schichtsystem und viel am Wochenende gearbeitet – einer von uns konnte sich zum konzentrierten Arbeiten zurückziehen und der andere hat sich um die Kinder gekümmert. Wir haben dafür unsere Kalender abgestimmt und abhängig von den wichtigsten Terminen Arbeitsblöcke festgelegt. Wer „Kinderdienst“ hatte, hat sich parallel um Hausarbeiten wie Kochen, Wäsche etc. gekümmert. Allein das Zubereiten von drei Mahlzeiten nahm viel Zeit in Anspruch und vergrößerte die Geschirrberge schier unermesslich. Aber schön war es zu sehen, dass unsere Kinder erzwungenermaßen noch enger zusammengewachsen sind und herrlich kreative Spielideen entwickelt haben. Da sind riesige Miniaturlandschaften und tolle Buden entstanden. Und die ausgebrannten Eltern wurden auch mal mit lustigen Tanzvorführungen und Rollenspielen aufgemuntert. Nach wenigen Wochen war jedoch klar, dass wir mit unserem Schichtsystem zwar gut für einen Sprint, aber keinesfalls für einen Marathon gerüstet waren. Das gemeinsame Familienleben kam viel zu kurz, denn ein Elternteil hat eigentlich immer gearbeitet. Persönliche Zeit fand sich gar nicht mehr. Das war frustrierend und hat auch mal schlechte Stimmung verursacht. Neben der enormen Doppelbelastung kam ein großer innerer Konflikt dazu, weder den beruflichen Herausforderungen noch den Kindern den eigenen Ansprüchen entsprechend gerecht zu werden. Die Produktivität im Job war einfach nicht die gewohnte und gleichzeitig saßen die Kinder viel länger vor elektronischen Geräten als sonst. Und natürlich haben wir uns, wie viele andere Menschen, darum gesorgt, wie und für wie lange diese Pandemie unsere Gesellschaft und unser Leben - ganz abgesehen von den gesundheitlichen Risiken - beeinflussen wird.

Hätte mehr Unterstützung geholfen?
Wir haben beide keine Familie vor Ort, die uns mit der Kinderbetreuung helfen könnte. Nach etwa zwei Monaten kam unser Sohn täglich für ein paar Stunden in die Notbetreuung. Dadurch konnten wir uns besser auf den Heimunterricht unserer Tochter konzentrieren. Nachdem die Kontaktbeschränkungen wieder gelockert wurden, hat man sich auch im Freundeskreis wieder etwas aushelfen können. Die Ferienbetreuung in den Sommerferien am HZI wurde leider kurzfristig abgesagt. Da hätten wir uns früher Planungssicherheit gewünscht. Eine wirkliche Entlastung ergab sich erst, als nach den Sommerferien wieder eine einigermaßen verlässliche Kinderbetreuung gewährleistet war. Die Aufhebung der Rahmenarbeitszeit, um flexible Arbeitszeiten zu ermöglichen, war auf jeden Fall eine Voraussetzung für unser Arbeitsmodell im Lockdown. Eine Änderung, die übrigens auch unabhängig von COVID-19 zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf beitragen würde.

Wie war die Arbeit in der Forschungsabteilung organisiert?
Viele Wissenschaftler haben auch vor der Corona-Pandemie teilweise von unterwegs oder zu Hause gearbeitet und waren somit auf die Homeoffice-Zeit mit Fernzugriff und Videokonferenzen vorbereitet. Große Sorgen hatten wir um die laufenden Experimente, insbesondere solche, die Versuchstiere involvieren. Zum Glück konnten wir mit den Mitarbeitern des Tierhauses Lösungen finden, sodass die Experimente unter Einhaltung der Vorsichtsmaßnahmen ordnungsgemäß beendet werden konnten. Dadurch waren die Labore nie ganz verlassen, und für die Zeit der „neuen Normalität“ konnten wir uns vorbereiten. Dazu gehörte Schichtarbeit in den Laboren, um die Kontakte zu minimieren, und das Umstellen aller Besprechungen auf Videokonferenzen. Leider gibt es dabei oft technische Probleme und häufig entwickelt sich nicht dieselbe Dynamik in Diskussionen. Mit der schrittweisen Öffnung des HZI und dem sich bessernden Wetter im Sommer haben wir viele Besprechungen ins Freie verlegt. Eine besondere Belastung war die Zeit für die internationalen Mitarbeiter, die einerseits erleben mussten, welche Verheerungen die Pandemie in ihren Heimatländern verursacht hat, und andererseits häufig kein enges soziales Netzwerk vor Ort hatten. Durch die Sprachbarriere verstanden sie auch die sich ständig ändernden Regeln im tagtäglichen Leben weniger gut.

Dr. Berit Lange, Ärztin und Epidemiologin am HZI

Verheiratet, zwei Kinder, 9 und 4 Jahre alt

Wie gelang es, Forschung und Homeschooling vom Hauptwohnsitz in Freiburg aus in der „heißen Phase“ unter einen Hut bringen?
Normalerweise arbeite ich von Montag bis Donnerstag im HZI und freitags im Homeoffice bei meiner Familie in Freiburg. Den ersten Lockdown habe ich als fordernd, spannend, aber auch anstrengend wahrgenommen. Ich habe in dieser Zeit mein Team deutlich erweitert, um Evidenzsynthese und impact assessment während der COVID-19-Pandemie angehen zu können. Gleichzeitig habe ich die Planung für die Antikörperstudie MuSPAD begleitet, Pressekommunikation übernommen und verschiedene Forschungsanträge auf den Weg gebracht. In dieser Zeit habe ich ganz hauptsächlich im Homeoffice gearbeitet. Allerdings war die Arbeitslast im Vergleich zu vorher größer und die Anspannung gerade während der Hochzeit im März/April war hoch. Auch die Kinderbetreuung in dieser Zeit war herausfordernd. Das übliche Betreuungskonzept von Schule, Schulkindbetreuung und Kindergarten zwischen 9 und 18 Uhr fiel ja plötzlich weg. Ich wurde als systemrelevant eingestuft, mein Mann allerdings nicht, sodass wir keinen Anspruch auf Notbetreuung hatten. Den Großen mussten wir mit Wissen und Equipment ausstatten, um die verschiedenen virtuellen und analogen Schulaufgaben zu meistern. Die Kleine musste sich viel selbst beschäftigen, was für eine Vierjährige nicht durchgehend möglich ist. Videokonferenzen mit Kind auf dem Schoß, spielend, quengelnd oder schreiend nebendran waren die Regel. Natürlich ist auch der Anteil an Haushaltsarbeit höher, wenn auf einmal alle den ganzen Tag zu Hause sind. Mein Mann, der eine Forschungsgruppe an einem Fraunhofer-Institut leitet, hat davon mehr als ich übernommen. Dazu hat er die Sonderurlaubstage genommen, die für die Kinderbetreuung gedacht waren, und hat damit seine Arbeitszeit auf effektiv etwa 80 Prozent reduziert.

Wie sah der Alltag aus?
Typischerweise habe ich zwischen 6 und 8 Uhr mit der Arbeit begonnen und gegen 8:30 oder 9 Uhr mit meiner Familie kurz gefrühstückt. Ein Hauptteil des Tages war von Telefon- und Videokonferenzen geprägt, die eigentliche Schreib- und Rechenarbeit lief häufig erst abends oder am Wochenende. Gegen 12:30 haben wir ein schnelles Mittagessen gemacht, zwischen 18 und 20 Uhr zu Abend gegessen und die Kinder ins Bett gebracht. Von 20 bis 23 Uhr habe ich mich dann häufig wieder an die Arbeit gesetzt, natürlich gab es gelegentlich auch Nachtschichten. Am Wochenende habe ich den Vormittag Pause gemacht und erst am Nachmittag und Abend gearbeitet. Richtung Mai konnte ich auch einen vollen Tag Pause am Samstag oder Sonntag machen und die Anzahl der Nachtschichten ließ deutlich nach. Das hat sich seit September nun wieder geändert.

Bleibt Homeoffice eine wünschenswerte Option für Dich als Pendlerin?
Für meinen Bereich halte ich eine Mischung von virtuellem und Vor-Ort-Arbeiten für die beste Lösung. Grundsätzlich findet ein Großteil meiner Arbeit am Computer statt, was ich natürlich von überall machen kann. Aber Treffen vor Ort sind aus meiner Sicht häufig effizienter und lassen auch weniger leicht Unmut und Missverständnisse aufkommen. Die ständigen Verzögerungen und technischen Probleme bei Videokonferenzen sind ein wenig nervenzehrend. Ich habe mir daher vorgenommen, mich und mein Team für die Zukunft möglichst gut für das hybride Arbeiten auszustatten – also dafür zu sorgen, dass wir auch bei Vor-Ort-Treffen eine virtuelle Einwahlmöglichkeit haben, sodass keiner ausgeschlossen ist.

Welche Anekdote aus der Zeit bleibt in Erinnerung?
Wie ich aus Versehen in der Überlastung einen Waschtrockner an die falsche Adresse (statt nach Braunschweig nach Freiburg) geschickt habe ... Sehr zur Verwunderung meines Mannes, der nichts davon wusste und plötzlich eine Waschmaschine annehmen sollte – sodass er in eine recht hitzige Videokonferenz mit dem Satz reinplatzte: „Sag mal, Berit, hast Du eine Waschmaschine bestellt?“ Das muss man dann internationalen Partnern in der Videokonferenz erst mal erklären... (sti, afi)

Magazin-Download

Beteiligte Gruppen

DruckenPer Mail versendenTeilen