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Der Verlauf einer Grippe kann sehr unterschiedlich sein und lässt sich bislang nicht vorhersehen. Eine Studie, an der auch Probanden des HZI teilgenommen haben, soll Marker für den Schweregrad einer Grippeerkrankung liefern.

Erste Ergebnisse der Grippestudie am HZI

Blutproben bildeten die Basis für eine Studie zum Verlauf von Grippeerkrankungen © Pixabay

Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass jährlich drei bis fünf Millionen Menschen weltweit an Grippe erkranken. Dabei kann die Infektion einen moderaten Verlauf nehmen, aber auch einen schweren, der in zehn bis 15 Prozent der Fälle zum Tod führt. Eine frühzeitige antivirale Behandlung könnte den Verlauf mildern, doch sind bislang keine Anhaltspunkte bekannt, die zu einem frühen Zeitpunkt der Infektion eine zuverlässige Prognose zulassen. Stattdessen erhalten Patienten oft Antibiotika, die jedoch keinen Effekt auf die Grippeviren haben und die Infektion daher nicht eindämmen.

Ein Forscherteam um Klaus Schughart vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI), Benjamin Tang von der University of Sydney und Jens Schreiber von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg hat in Blutproben von Grippepatienten nach Merkmalen gesucht, die typisch für den Krankheitsverlauf sein könnten. Ein Großteil der Kontrollproben von Gesunden wurde am HZI genommen. „Wir haben Blutproben von Patienten mit moderatem sowie schwerem Grippeverlauf und von Gesunden gesammelt und Transkriptionsprofile der drei Gruppen erstellt“, sagt Klaus Schughart. „Diese Analyse zeigt uns, welche Gene in den Patienten aktiv sind und welche nicht. Ohne die Beteiligung der Freiwilligen vom HZI wäre die Studie so nicht möglich gewesen, daher mein Dank an alle, die teilgenommen haben.“

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Influenzaviren (H1N1) © G. Holland, N. Bannert/RKI

Das Ziel war es, Gene zu finden, die die drei Testgruppen voneinander unterscheiden. Als moderat galten Patienten, die mit Grippe in eine Klinik aufgenommen und frühzeitig wieder entlassen wurden. In die Gruppe der schweren Verläufe kamen Patienten, die künstlich beatmet werden mussten. „Im ersten Schritt konnten wir zeigen, dass das Gen IFI27 in allen Influenza-Patienten hochreguliert ist. Damit ist IFI27 ein eindeutiger Biomarker, um eine Influenzainfektion von einer bakteriellen Atemwegsinfektion zu unterscheiden“, sagt Schughart.

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Als nächstes suchten die Forscher nach einem Marker für den Schweregrad des Krankheitsverlaufs – und wurden fündig: Ein bestimmtes Gen ist bei allen Patienten mit schwerem Verlauf besonders aktiv. „Noch ist das Ergebnis nicht publiziert. Dieser neue Marker wird jetzt aber in größeren Studien untersucht, um den Zeitpunkt des Hochregulierens festzustellen“, sagt Schughart.

Zudem zeigt die Studie, dass die Neutrophilen – ein Typ von Immunzellen – aktiviert sind. Die Neutrophilen sind sozusagen die erste Einsatztruppe am Ort der Infektion und schießen dort mit Sauerstoffradikalen auf infizierte Zellen oder fangen die Erreger mit DNA-Netzen ein. Ihre Reaktion kann bei einer schwer verlaufenden Grippe überschießen und dann sogar die Sterblichkeit erhöhen. „Die Aktivität der Neutrophilen ließe sich eindämmen und könnte ein möglicher Ansatzpunkt für künftige Therapien sein“, sagt Schughart.

Text: Andreas Fischer

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Titelseite des HZI-Mitarbeitermagazins "InFact", Ausgabe 03/2017 © HZI
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