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Als sich im Herbst 2017 die Anzeichen für einen Ausbruch der Affenpocken in Nigeria verdichteten, passten Braunschweiger Epidemiologen ihr Online-Überwachungssystem an. Damit reisten sie nach Afrika, um die Einheimischen zu unterstützen.

Einsatz von SORMAS in Nigeria: Herausforderungen und Erfolge

SORMAS-Einsatz im Nigeria Centre for Disease Control in Abuja. © Nigeria Centre for Disease Control

Der Ebola-Ausbruch 2014 in Westafrika hat gezeigt, dass effiziente Seuchenüberwachungssysteme dringend erforderlich sind: Der Verlauf einer Epidemie hängt auch davon ab, wie schnell Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung umgesetzt werden. HZI-Wissenschaftler der Abteilung für Epidemiologie unter der Leitung von Gérard Krause haben gemeinsam mit nigerianischen Wissenschaftlern eine App entwickelt, die eine Echtzeit-Datenerfassung und Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung ermöglicht – das sogenannte Surveillance, Outbreak Response Management and Analysis System (SORMAS).

Im September 2017 wurde der Weltgesundheitsorganisation ein Verdacht auf einen Ausbruch von Affenpocken in Nigeria gemeldet. Während dieser Zeit beobachtete SORMAS neun Infektionskrankheiten in Afrika – Affenpocken gehörten nicht dazu. „Wir mussten in nur zwei Wochen ein neues Krankheitsmodell für die App entwickeln“, sagt Daniel Tom-Aba vom HZI. Da der Internetzugang während der Feldarbeit nicht immer gewährleistet ist, kann SORMAS auch offline Daten sammeln. Ein HZI-Team bereiste mehrere Bundesstaaten Nigerias, um SORMAS vor Ort zu installieren und Anwender zu schulen. „Innerhalb weniger Wochen bildeten wir etwa 50 bis 60 Spezialisten pro Staat aus – was ohne die Unterstützung des nigerianischen Feldteams nicht möglich gewesen wäre“, sagt Kristin Schlinkmann vom HZI.

Die derzeitigen Systeme zur Krankheitsüberwachung in Afrika arbeiten noch mit Papierformularen. Fallberichte müssen persönlich von einer Einrichtung zur anderen übergeben und die Daten manuell in Tabellen eingegeben werden. Diese Methode führt zu erheblichen Verzögerungen und ist fehleranfällig. „SORMAS ermöglicht es medizinischem Personal, die Daten direkt einzugeben und online zwischen den medizinischen Einrichtungen auszutauschen. So kann man die Situation in Echtzeit beobachten, Einzelfälle verfolgen und Daten zwischen Ärzten, Laboren und Epidemiologen austauschen“, sagt der HZI-Wissenschaftler Bernhard Silenou. Mit SORMAS sei die Datenauswertung nicht mehr retrospektiv und die Kommunikation bidirektional. „Langfristig wird SORMAS nicht nur die Überwachung verbessern, sondern auch die tägliche Arbeit der Epidemiologen entlasten“, ergänzt Schlinkmann.

Obwohl viele Menschen in Nigeria Englisch sprechen, stellte es sich als schwierig heraus, technische Details zu erklären: Besonders in abgelegenen Regionen mussten sich die HZI-Wissenschaftler auf die Übersetzung durch nigerianische Kollegen in die örtlichen afrikanischen Sprachen, zum Beispiel Hausa, verlassen. Auch die Reisen in diese Regionen war eine Herausforderung. Tom-Aba: „Wir mussten alle paar Tage fliegen und erlebten nicht selten Turbulenzen oder rauchende Triebwerke.“
SORMAS deckt bereits 36 Millionen Menschen in 15 von 36 Bundesstaaten Nigerias ab. Die Wissenschaftler des HZI wollen das System flächendeckend implementieren und Daten zu weiteren Infektionskrankheiten wie der Meningitis sammeln. Silenous Vision: „Die Idee von SORMAS ist so elegant, dass ich hoffe, sie eines Tages in mein Heimatland Kamerun und letztendlich in ganz Afrika bringen zu können.“

Autor: Tatyana Dubich (deutscher Text: János Krüger)

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Titelseite des HZI-Mitarbeitermagazins "InFact", Ausgabe 01/2018 © HZI

Beteiligte Forschungsgruppen

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