SARS-CoV-2 / COVID-19

Seit Ende 2019 verbreitet sich weltweit ein neuartiges Virus, das Atemwegserkrankungen und Lungenentzündungen auslösen kann. Der Erreger SARS-CoV-2 gehört zur Familie der Coronaviren und ist nah mit dem SARS-Virus verwandt, das im Jahr 2002 eine Pandemie ausgelöst hat. Hier informieren wir Sie laufend über aktuelle Entwicklungen der Forschung und geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Die Forscherinnen und Forscher am HZI fokussieren sich auf die Entwicklung von Wirk- und Impfstoffen gegen das Virus und wollen die Mechanismen von Krankheitsentstehung und -verlauf entschlüsseln. Wir erforschen auch die Dynamik der Infektionsausbreitung in der Bevölkerung. Die am HZI entwickelte App zur Seuchenbekämpfung und Risikoabschätzung (SORMAS) steht nun auch für die aktuelle SARS-CoV-2-Pandemie bereit.

Im Folgenden finden Sie eine Auswahl der zahlreichen angelaufenen HZI-Projekte zur Erforschung des neuartigen Coronavirus:

1. Grundlagenforschung zum neuartigen Coronavirus

  • Dysregulierung von Neutrophilen bei schwerem COVID-19-Verlauf
    Wissenschaftler des HZI stellten in Zusammenarbeit mit anderen Zentren des Helmholtz-Forschungsbereichs Gesundheit und Universitätskliniken in ganz Deutschland Veränderungen in der Zusammensetzung und Aktivierung von Immunzellen bei milden versus schweren COVID-19-Patienten fest. Mit Hilfe von Einzelzellanalysen auf proteomischer und transkriptomischer Ebene und "Big Data"-Ansätzen analysierten die Wissenschaftler das Blut von COVID-19-Patienten in zwei verschiedenen Kohorten, die in zwei Zentren rekrutiert wurden. Es wurde festgestellt, dass schwere Fälle von COVID-19 mit tiefgreifenden Veränderungen der Immunzellen verbunden sind. Insbesondere wurden dysfunktionelle Neutrophile nachgewiesen, die zu einer ineffektiven Immunantwort des Wirts beitragen könnten. Die detaillierten Einblicke in die systemische Immunantwort auf eine SARS-CoV-2-Infektion wurden in einer Publikation in Cell zusammengetragen. Diese Studie deutet auf die Möglichkeit hin, dass veränderte Immunzellen ein Therapieziel bei Patienten mit schwerem Verlauf von COVID-19 darstellen.
    Originalpublikation: Schulte-Schrepping et al. 2020 Cell. https://doi.org/10.1016/j.cell.2020.08.001

    Ansprechpartner: Prof. Yang Li, Abteilung Bioinformatik der Individualisierten Medizin am Zentrum für Individualisierte Infektionsmedizin (CiiM), Dr. Antoine-Emmanuel Saliba, Forschungsgruppe Einzelzellanalyse am Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI)

    Kooperationspartner: Deutsche COVID-19 OMICS Initiative (DeCOI), Prof. Schultze (Universität Bonn, DZNE), Prof. Sander (Charité Berlin), Prof. Sawatzki (Campus Virchow-Klinikum der Charité Berlin), Prof. Nattermann (Universitätsklinikum Bonn, DZIF), Dr. Anna Aschenbrenner (LIMES Institut der Universität Bonn) 
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2. Digitale Tools zum Infektionsmanagement

  • SORMAS: Digitales Infektionsmanagement für Gesundheitsämter 
    SORMAS ist eine spezialisierte open-source Software (Surveillance Outbreak Response Management and Analysis System), das nun speziell an die Bedürfnisse zur Bewältigung der Corona-Pandemie angepasst wurde. Das HZI hat SORMAS zusammen mit seinen Partnern seit dem Westafrikanischen Ebola-Ausbruch 2015 entwickelt. Mittlerweile wird SORMAS in Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Ghana, Nigeria und Fiji eingesetzt und deckt eine Bevölkerung von über 300 Millionen Einwohnern ab. Das neu implementierte Coronavirus-Modul verbessert vor allem das digitale Management von Quarantäne- und andere Infektionsschutzmaßnahmen. SORMAS generiert zugleich Daten in Echtzeit für eine fortlaufende Risikobewertung auf nationaler und internationaler Ebene. SORMAS steht als open source Software lizenzfrei zur Verfügung und bietet Schnittstellen zu diversen weiteren digitalen Systemen an.
    Weitere Informationen finden Sie auf diesen Webseiten: 
    SORMAS-ÖGD-COVID-19: Kontaktpersonen-Management im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD): https://www.sormas-oegd.de/ 
    SORMAS@DEMIS: Integriertes und vernetztes Fall- und Personenmanagement zu COVID-19 für den Öffentlichen Gesundheitsdienst: https://sormas-demis.de/ 
    SORMAS International: https://sormasorg.helmholtz-hzi.de/ 

    Ansprechpartner: Prof. Gérard Krause, Abteilung Epidemiologie am HZI

    Kooperationspartner: Niedersächsisches Landesgesundheitsamt, Gesundheitsämter, Akademie für öffentliches Gesundheitswesen, Robert Koch-Institut, Symeda GmbH, Braunschweig, Netzlink Informationstechnik GmbH Braunschweig.
     
  • CORESMA – Effektiver Schulterschluss mit Big Data-Projekt zu Covid-19
    Das HZI koordiniert das EU-Projekt CORESMA (Covid-19 Outbreak Response combining E-health, Serolomics, Modelling, Artificial Intelligence and Implementation Research). Mit diesem Projekt sollen bestehende Lücken zwischen klinischen, epidemiologischen und immunologischen Informationen geschlossen werden, um besser auf die Pandemie reagieren zu können. Dafür arbeiten nicht nur europäische Forscher aus den Niederlanden, der Schweiz und Deutschland, sondern auch Partner aus China, Côte d’Ivoire und Nepal zusammen. Über die bereits 2014 vom HZI entwickelte App SORMAS, mit der Daten zu Krankheitsausbrüchen lokal erfasst und an Gesundheitsbehörden übermittelt werden können, sammeln sie klinische Echtzeitdaten. Hier stehen besonders gefährdete Staaten im Fokus, neben der Elfenbeinküste unter anderem Ghana und Nigeria. Außerdem sollen in Deutschland und Nepal bereits bestehende Kreuz- oder Teilimmunitäten gegen SARS-CoV-2 untersucht werden. Die erhobenen Daten helfen dabei, die Übertragung des Virus besser einschätzen zu können und die Effektivität von Maßnahmen gegen die Verbreitung zu bewerten.

    Ansprechpartner: Prof. Gérard Krause, Abteilung Epidemiologie am HZI

    Kooperationspartner: Dr. Nicole Schneiderhan-Marra (NMI Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut an der Universität Tübingen), Prof. Mirjam Kretzschmar (Niederländisches Nationales Institut für öffentliche Gesundheit und Umwelt, RIVM), Prof. Kaspar Wyss (Schweizerisches Tropen- und Public Health-Institut, Swiss TPH)
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3. Diagnostik / Diagnostik-Tools

  • MultiCoV-Ab: Multiplex Differentieller Coronavirus Antikörpertest
    Der Nachweis einer durch spezifische Antikörper vermittelten Immunantwort ist ein essenzieller Indikator, ob bereits ein Immunschutz gegen SARS-CoV-2 besteht. Aufgrund vielfach unbefriedigender Präzision kommerziell verfügbarer Testsysteme und der Fragestellung über die Rolle von Kreuzimmunität zu anderen endemischen Coronaviren besteht die Notwendigkeit ein Testverfahren zu entwickeln, das zugleich gegen Antikörper und gegen verschiedene Coronaviren testen kann. In einer Vergleichsstudie mit vier gängigen kommerziell erhältlichen Antikörpertests hat MultiCoV-Ab die höchste Sensitivität und Spezifität gezeigt. Dieses Verfahren findet bereits Einsatz in der MuSPAD Antikörperstudie und liefert wertvolle Evidenz für künftige Impfstrategien. Mit zunehmender Prävalenz werden verlässliche Antikörpernachweise auch eine relevante Rolle zu Identifizierung derjenigen Personen spielen, die bereits immun sind und bei denen daher ein geringes Risiko für eine Infektion bzw. Erkrankung zu erwarten ist. Dies wird insbesondere in medizinischen und Pflegeberufen, aber auch in vielen anderen Berufsgruppen, und Besuchern von hochbetagten oder Immunsupprimierten Menschen eine zunehmende Rolle spielen. Menschen mit diesem Testnachweis unterlägen dann keinen Reise- oder Tätigkeitsbeschränkungen mehr. Negative Auswirkungen von nichtpharmazeutischen Maßnahmen wie Kontaktsperren könnten damit deutlich reduziert werden. 

    MultiCoV-Ab wird bereits bei der MuSPAD Antikörperstudie in Deutschland eingesetzt. Der Einsatz in Kolumbien und Nepal ist in Vorbereitung.

    Ansprechpartner: Prof. Gérard Krause, Dr. Monika Strengert, beide Abteilung Epidemiologie am HZI.

    Kooperationspartner: NMI Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut an der Universität Tübingen
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4. Impfstoffentwicklung/ Wirkstoffforschung / Wirkstoffscreening

  • Testen und Entwicklung eines inhalativ verfügbaren Hemmstoffs gegen das neuartige Coronavirus
    Weltweit sucht die medizinische Forschung nach Möglichkeiten, wie man die Vermehrung des neuartigen Coronavirus mithilfe von Wirkstoffen verhindern kann. Ein Team der Universität Lübeck und des HZI hat einen vielversprechenden Ansatz gefunden. Basis dafür ist die Analyse der dreidimensionalen Struktur von funktionalen Virusproteinen. Mithilfe des hochintensiven Röntgenlichts der Synchrotronquelle BESSY II am Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) konnten Forscher die dreidimensionale Architektur der viralen Hauptprotease von SARS-CoV-2 entschlüsseln. Dieses Enzym ist an der Vermehrung der Viren beteiligt. Anhand der Kristallstruktur konnte an der Universität Lübeck (Prof. Hilgenfeld) eine bereits früher entwickelte Leitverbindung in einen potenten Hemmstoff verwandelt werden.

    Dr. Katharina Rox, DZIF-Wissenschaftlerin am HZI in Braunschweig, testete größere Mengen des Hemmstoffs in gesunden Mäusen und zeigte, dass er gut verträglich ist. Die Verbindung zeigt die besten Konzentrationen am Wirkort, wenn sie unter die Haut oder durch Inhalation appliziert wird. In weiterführenden Arbeiten werden die Verbindungen medizinalchemisch optimiert und hinsichtlich ihrer pharmakokinetischen Eigenschaften charakterisiert.

    Ansprechpartnerin: Dr. Katharina Rox, Leiterin Pharmakokinetik/Pharmakodynamik des DZIF, Abteilung Chemische Biologie am HZI, Prof. Mark Brönstrup (Abteilung Chemische Biologie am HZI)

    Kooperationspartner: Universität Lübeck

    Originalpublikation: Linlin Zhang, Daizong Lin, Xinyuanyuan Sun, Ute Curth, Christian Drosten, Lucie Sauerhering, Stephan Becker, Katharina Rox, Rolf Hilgenfeld, Crystal structure of SARS-CoV-2 main protease provides a basis for design of improved α-ketoamide inhibitors, Science 2020, DOI: 10.1126/science.abb3405
     
  • Proof of Concept-Studien eines SARS-CoV-2-Impfstoffes mit rekombinantem Spike-Protein
    Seit Beginn des SARS-CoV-2-Ausbruchs versuchen viele Forschergruppen, einen prophylaktischen Impfstoff zu entwickeln. Der HZI-Ansatz beruht auf einem sogenannten Subunit-Impfstoff, der eine schützende Immunität induzieren kann und ein gutes Sicherheitsprofil für immungeschwächte Personen aufweist. Idealerweise wird er über die Schleimhäute verabreicht. Er ist außerdem vergleichsweise einfach in ausreichenden Mengen herzustellen, sodass der Bedarf bei der aktuellen Pandemie leichter gedeckt werden kann. In dieser Hinsicht stellt das Spike (S)-Protein ein vielversprechendes Impfstoffantigen dar, da bereits für SARS-CoV und MERS-CoV gezeigt werden konnte, dass die Stimulation neutralisierender Antikörper gegen das S-Protein eine Infektion verhindert. Das Projekt hat die Bereitstellung des „Proof-of-Concept“ für einen intranasalen S-basierten Impfstoff mit c-di-AMP als Adjuvans zum Ziel. Die Wissenschaftler wollen nachweisen, dass der Impfstoff Virus-neutralisierende humorale Immunantworten stimuliert und geimpfte Mäuse vor SARS-CoV-2 schützen kann. Dabei werden auch in silico-Algorithmen zur Erzeugung synthetischer S-Varianten mit optimierten Sequenzen genutzt, welche in der Lage sind, Immunantworten gegen verschiedene SARS-CoV-Varianten und möglicherweise auch kreuzreaktiv gegen SARS und MERS zu stimulieren. Dies würde möglicherweise dazu führen, dass weite Teile der Bevölkerung auch gegen kommende Coronaviren geschützt wären. Das Projekt umfasst die Entwicklung des Impfstoffkandidaten und präklinische Tests.

    Ansprechpartner: Prof. Carlos A. Guzmán, Abteilung Vakzinologie und angewandte Mikrobiologie am HZI

    Kooperationspartner: Prof. Luka Cicin-Sain, Dr. Joop van den Heuvel, Prof. Alice McHardy, Prof. Ulrich Kalinke
     
  • Repurposing eines Wirkstoffs gegen SARS-CoV-2
    Prof. Thomas Pietschmann, Forscher im Exzellenzcluster RESIST und am TWINCORE Hannover, leitet die in Deutschland stattfindenden Arbeiten eines internationalen Forschungsnetzwerks, das untersucht, ob bereits zugelassene Medikamente gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 wirken. Die Wirkstoffbank „ReFrame“ von Scripps Research (USA) umfasst rund 14.000 zugelassene Medikamente sowie Substanzen, für die es bereits umfangreiche Sicherheitsdaten in Bezug auf die Anwendung beim Menschen gibt. Dieses sogenannte Repurposing – die Anwendung eines bewährten Wirkstoffs für neue Indikationen – verkürzt die Entwicklungsphase des Medikaments.

    Im ersten Schritt suchen die Wissenschaftler in Hannover mit Hochdurchsatzverfahren Wirkstoffe, die die Virusvermehrung hemmen. Bei diesen Kandidaten wird der Wirkmechanismus, die Wirkung auf Lungenzellen und die optimale Dosis analysiert. Aufbauend auf diesen Ergebnissen sollen Wirkstoffkandidaten aus der ReFrame-Datenbank zügig in klinische Studien überführt werden.

    Ansprechpartner: Prof. Thomas Pietschmann, TWINCORE Hannover

    Kooperationspartner: MHH (Prof. Schulz, Institut für Virologie), Universität Bern, Scripps Research, Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), HZI-Abteilung Chemische Biologie (Prof. Brönstrup)
     
  • SCORE: Antivirale Medikamente gegen SARS-CoV-2
    Das HZI ist außerdem in das EU-Projekt SCORE involviert. Ziel des Projekts ist die Entwicklung antiviraler Wirkstoffe gegen COVID-19 und künftige Coronaviren. Dabei werden verschiedene Screens eingesetzt, um Verbindungen zu finden (re-purposing bestehender Substanzen oder neue Wirkstoffe). Die Rolle des HZI besteht in der pharmakologischen Charakterisierung von Hit- und Leitverbindungen. Das HZI wird sowohl ADME-Assays als auch pharmakokinetische (PK) Studien durchführen, um den geeigneten Kandidaten auszuwählen und über Dosierungsschemata für Wirksamkeitsstudien zu informieren. Die Screening-Treffer werden derzeit validiert, und das HZI wartet auf die Prüfung der Verbindungen. Die nächsten Schritte nach erfolgreicher Hit-Validierung sind die In-vitro-Charakterisierung von Verbindungen mittels ADME-Assays vor der Durchführung von PK-Studien.

    Ansprechpartner: Dr. Katharina Rox, Abteilung Chemische Biologie, PK/PD-Einheit des DZIF

    Kooperationspartner: Eric Snijder (LUMC), Johan Neyts (KU Leuven), Bruno Canard (Universität Aix-Marseille), Frank van Kuppeveld (Universität Utrecht), Volker Thiel (Uni Bern), Rolf Hilgenfeld (Uni Lübeck), Marnix van Loock (Janssen Pharmaceutica)
     
  • MEMUMAB Pipeline
    Monoklonale Antikörper (mAb) stellen einen viel versprechenden Ansatz zur Therapie verschiedenster Erkrankungen dar. Auch im Rahmen der globalen SARS-CoV-2 Pandemie werden sowohl für einen präventiven als auch therapeutischen Ansatz mAbs für die Behandlung von COVID-19 Erkrankungen entwickelt. Unsere Analysen SARS-CoV-2 spezifischer Gedächtnis-B-Zellen aus dem Blut von rekonvaleszenten COVID-19 Patienten zeigten, dass der Anteil der Spike- und Rezeptorbindungsdomänen (RBD)-spezifischen Gedächtnis B-Zellen bei verschiedenen Patienten variiert. Um zu analysieren, welche SARS-CoV-2 spezifischen Antikörper von verschiedenen Patienten gebildet werden, wurde die MEMUMBAB Pipeline etabliert. Dafür werden aus dem Blut rekonvaleszenter COVID-19 Patienten Spike-markierte Gedächtnis-B-Zellen isoliert, RNA aus SARS-CoV-2 spezifischen Gedächtnis B-Zellen auf Einzelzellebene isoliert und die variablen Regionen der schweren und leichten Antikörperketten sequenziert. Auf der Basis der Sequenzinformationen werden dann DNA Fragmente der variablen Regionen synthetisiert, die in lentivirale IgG Expressionsvektoren kloniert werden. Nach stabiler Transduktion einer Zelllinie mit den schweren und leichten Antikörperketten werden Überstände gesammelt, um die Antikörpereigenschaften zu untersuchen. Insbesondere werden aus den Überständen die SARS-CoV-2 Bindungs- und Neutralisationseigenschaften der Antikörper bestimmt. So können monoklonale Antikörper mit vielversprechenden Eigenschaften identifiziert und ggf. in die klinische Entwicklung gebracht werden. Die entwickelte Methode ist potentiell für alle Infektionserkrankungen anwendbar und folglich auch bei zukünftigen Ausbrüchen von Infektionserkrankungen von Bedeutung.

    Ansprechpartner: Prof. Ulrich Kalinke, Arbeitsgruppe Experimentelle Infektionsforschung, TWINCORE Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung
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5. Modellierung

  • Mathematische Modellierungen geben neue Erkenntnisse zur Risikoeinschätzung der Coronavirus-Pandemie
    Wissenschaftler des HZI und des Forschungszentrums Jülich simulierten die Auswirkung verschiedener Bedingungen auf die Entwicklung der SARS-CoV-2-Epidemie in Deutschland. Ihre Ergebnisse legen nahe, dass die Einschränkungen im sozialen Leben wirken und eine weitere Verlangsamung der Ausbreitung möglich ist. Die HZI-Wissenschaftler um den Physiker Prof. Michael Meyer-Hermann beschrieben dabei eine Methode, um die Effekte und die Situation täglich neu zu bewerten und so den Entscheidungsträgern in der Politik eine Grundlage für die Bewertung der Lage zu geben. Eine entscheidende Größe in der Beschreibung der Ausbreitung eines infektiösen Krankheitserregers ist die Reproduktionszahl. Die Basisreproduktionszahl gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter durchschnittlich ansteckt. Sie ist ein wichtiger Indikator dafür, wie schnell sich eine Epidemie ausweitet. Täglich aktualisierte Werte für die SARS-CoV-2-Reproduktionszahl finden sich unter dem Link http://secir.theoretical-biology.de.

    Die Modellierung ging maßgeblich in das Helmholtz-Positionspapier zur epidemiologischen Situation vom 14. April 2020 ein.

    Ansprechpartner: Prof. Michael Meyer-Hermann, HZI-Abteilung System-Immunologie am BRICS (Braunschweiger Zentrum für Systembiologie)
    Kooperationspartner: Forschungszentrum Jülich (Prof. Wolfgang Marquardt), Abteilung Epidemiologie am HZI

    Darüber hinaus wurde am 13.Mai 2020 eine gemeinsame Studie mit dem ifo Institut veröffentlicht, die die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Szenarien zur Lockerung der pandemiebedingten Beschränkungen berechnet.
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6. Epidemiologie & Übertragung

  • Bundesweite Antikörperstudie zur Verbreitung von SARS-CoV-2 Infektionen (MuSPAD)
    Die Multilokale und Serielle Prävalenzstudie zu Antikörpern gegen SARS-2-Coronavirus in Deutschland (MuSPAD) ist eine der umfassendsten und größten Antikörperstudien in Deutschland. Die tatsächliche Seroprävalenz durch COVID-19 in der Bevölkerung ist entscheidend, um Impfstrategien gegen COVID-19 zu erstellen, eine mögliche Untererfassung von Infizierten zu quantifizieren, Risikogruppen besser zu identifizieren und die zeitliche und geographische Verbreitung der Pandemie besser zu verstehen. 

    Hauptziel dieser Studie ist es, den Anteil der Bevölkerung zu bestimmen, welcher gegen SARS-CoV-2 Antikörper im Blut hat und somit vermutlich bereits mit dem Virus infiziert war. Dies wird für die einzelnen teilnehmenden Landkreise, auch im Vergleich zu den anderen Landkreisen durchgeführt. Außerdem werden verschiedene Altersgruppen und selbst berichtete Symptome einer SARS-CoV-2 Infektion analysiert. Ein weiterer Teil dieser Studie ist die Verfolgung des Infektionsgeschehens über ein Jahr, sowie die mehrfache Bestimmung der Antikörper-Konzentration im Blut von tatsächlich positiv gemeldeten COVID-19 Patienten, um Erkenntnisse zu gewinnen, wie lange eine Person gegen das Virus immun ist. Getestet werden sollen Menschen in bis zu acht Landkreisen deutschlandweit, wobei innerhalb eines Jahres bis zu 50.000 Personen ab 18 Jahren an der Studie teilnehmen können. Nach vier Monaten sollen die Antikörper der Menschen in den teilnehmenden Landkreisen erneut getestet werden, um die Ausbreitung auch im Hinblick auf Veränderungen der Maßnahmen beobachten zu können, sowie das Voranschreiten der „Durchseuchung“ der Bevölkerung zu dokumentieren. Bereits in fünf Städten hat das HZI bis zu jeweils 3000 Probanden untersucht, im November und Dezember in Magdeburg (1. Durchgang) und Freiburg (2. Durchgang). In MuSPAD kommt zudem der vom HZI und NMI (Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut an der Universität Tübingen) entwickelte MultiCov-Ab Antikörpertest zum Einsatz.

    Ansprechpartner: Prof. Gérard Krause, Abteilung Epidemiologie am HZI
     
  • Analyse eines SARS-CoV-2 Ausbruchs in der Fleischindustrie: Rolle von Aerosolübertragung
    In diesem Projekt untersuchten wir einen SARS-CoV-2 Ausbruch in einem fleischverarbeitenden Betrieb in Deutschland. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die klimatischen Bedingungen und die Luftströmung Faktoren sind, die eine effiziente Ausbreitung von SARS-CoV-2 über Entfernungen über mehrere Meter fördern, und geben wichtige neue Hinweise zu Anforderungen an den Infektionsschutz in dieser industriellen Arbeitsumgebung. Die Ergebnisse wurden von Fachkollegen begutachtet und in der Zeitschrift EMBO Molecular Medicine veröffentlicht.

    Ansprechpartner: Prof. Melanie Brinkmann, Forschungsgruppe Virale Immunmodulation am HZI

    Kooperationspartner: Prof. Adam Grundhoff (Heinrich-Pette-Institut, Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie), Prof. Nicole Fischer (Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf)
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Forschungsnews

Coronaviren

Zur Familie der Coronaviren gehören eine ganze Reihe unterschiedlichster Krankheitserreger. Sie infizieren Säugetiere, Nager und Vögel, aber nur wenige Coronaviren haben sich an den Menschen angepasst. Diese jedoch mit großem Erfolg: Etwa ein Drittel der typischen „Erkältungen“ gehen auf das Konto dieser größten der RNA-Viren und auch den einen oder anderen „Durchfall“ verursachen sie. [weiterlesen]

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