SARS-CoV-2 / COVID-19

Seit Ende 2019 verbreitet sich weltweit ein neuartiges Virus, das Atemwegserkrankungen und Lungenentzündungen auslösen kann. Der Erreger SARS-CoV-2 gehört zur Familie der Coronaviren und ist nah mit dem SARS-Virus verwandt, das im Jahr 2002 eine Pandemie ausgelöst hat. Hier informieren wir Sie laufend über aktuelle Entwicklungen der Forschung und geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Die Forscherinnen und Forscher am HZI fokussieren sich auf die Entwicklung von Wirk- und Impfstoffen gegen das Virus und wollen die Mechanismen von Krankheitsentstehung und -verlauf entschlüsseln. Wir erforschen auch die Dynamik der Infektionsausbreitung in der Bevölkerung. Die am HZI entwickelte App zur Seuchenbekämpfung und Risikoabschätzung (SORMAS) steht nun auch für die aktuelle SARS-CoV-2-Pandemie bereit.

Im folgenden finden Sie eine Auflistung der aktuell anlaufenden HZI-Projekte zur Erforschung des neuartigen Coronavirus:

1. Grundlagenforschung zum neuartigen Coronavirus

  • Analyse von antiviralen Strategien gegen SARS-CoV-2-Zielproteine
    Zum besseren Verständnis des Virus tragen die wissenschaftlichen Arbeiten zur strukturellen und funktionellen Analyse von Coronavirus- und Wirts-Zielproteinen im Team von Dr. Joop van den Heuvel bei. Die Arbeitsgruppe stellt Coronavirus-Proteine her, die besonders im Fokus stehen als Kandidaten für diagnostische Zwecke, therapeutische Zielproteine und als mögliche Kandidaten für proteinbasierte Impfstoffe – als Impfstoff gegen SARS-CoV-2, aber auch für die Zeit danach. Zur Identifizierung von Wirkstoffen werden geeignete Tests entwickelt und auf die am HZI vorhandenen Substanzbibliotheken (ca. 40.000 Substanzen) angewandt. Die Forscher werden die Wechselwirkung von Wirkstoffen und Antikörpern mit den Coronavirus-Proteinen über biophysikalische Verfahren analysieren, um etwa Affinitäten und Inhibitionskonstanten zu bestimmen. Weiterhin werden strukturbiologische Methoden wie Cryo-Elektronenmikroskopie oder Röntgenstrukturanalyse zum Einsatz kommen. Die Wirkung der Wirkstoffkandidaten wird im Assay mit dem intakten Virus validiert. Ziel ist es, die besten Ansätze zu finden, um gegen SARS-CoV-2 und zukünftig auftretende Viren eine adäquate Strategie zur Bekämpfung und zur Eindämmung der Verbreitung zu haben.

    Ansprechpartner: Dr. Joop van den Heuvel, AG Rekombinante Genexpression am HZI

    Kooperationspartner: HZI-Abteilungen und -Arbeitsgruppen: Prof. Wulf Blankenfeldt (SFPR), Prof. Ursula Bilitewski (COPS), Prof. Carlos Guzman (VAC), Prof. Luka Cicin-Sain (IMCI), Dr. Monika Strengert (EPID)
  • Entwicklung eines Mausmodells der Infektion mit SARS-CoV-2
    An der Entwicklung eines präklinischen Mausmodells der SARS-CoV-2-Infektion arbeiten Forscher unter Leitung von Prof. Ulrich Kalinke am TWINCORE – Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung in Hannover, einer gemeinsamen Institution des HZI und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Die gezüchteten, genetisch veränderten Mäuse haben voraussichtlich eine erhöhte Empfänglichkeit für SARS-CoV-2-Infektionen. Dabei werden Tiere verpaart, die den humanen ACE2-Rezeptor als Eintrittsrezeptor des Virus exprimieren und in denen spezifisch auf Pneumozyten der Lunge das Typ I-Interferonsystem ausgeschaltet werden kann. Im Infektionsverlauf sollen sich ähnliche Symptome und Erkrankungen wie im Menschen entwickeln.

    Ein Tiermodell für SARS-CoV-2 ist eine wichtige Voraussetzung, um Impfstoffe und antivirale Wirkstoffe für den Gebrauch im Menschen zu entwickeln. Weiterhin gehen die Forscher in Kooperation mit dem Kantonsspital St. Gallen, Schweiz, in einem Coronavirus-Modell in der Maus der Frage nach, wieso viele Patienten im Rahmen der Covid-19-Erkrankung den Geruchssinn verlieren.

    Ansprechpartner: Prof. Ulrich Kalinke, TWINCORE, Institut für Experimentelle Infektionsforschung

    Kooperationspartner: Deutsches Primatenzentrum Göttingen, Kantonsspital St. Gallen
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2. Digitale Tools zum Infektionsmanagement

  • SORMAS: Infektionsausbreitung in der Bevölkerung
    Das HZI erforscht die Dynamik der Infektionsausbreitung des neuartigen Coronavirus in der Bevölkerung. Eine am HZI entwickelte App zur Seuchenbekämpfung und Risikoabschätzung (SORMAS) steht nun auch für die aktuelle SARS-CoV-2-Pandemie bereit. Das neu implementierte Coronavirus-Modul erlaubt es, auch in entlegenen Regionen Einzelfälle von an Covid-19 Erkrankten frühzeitig zu erfassen, klinische Details und Laborbestätigungen zu dokumentieren und alle Kontaktpersonen zu begleiten. Für den Fall, dass sie ebenfalls erkranken, können frühzeitig Quarantäne- und Behandlungsmaßnahmen eingeleitet werden. SORMAS generiert zugleich Daten in Echtzeit für eine fortlaufende Risikobewertung auf nationaler und internationaler Ebene. SORMAS bietet dabei auch eine App für Kontaktpersonen an, um die tägliche Symptomabfrage in Quarantäne zu digitalisieren und damit personelle Ressourcen bei den Gesundheitsämtern freizusetzen.

    Ansprechpartner: Prof. Gérard Krause, Abteilung Epidemiologie am HZI

    Kooperationspartner: Landesgesundheitsämter, Akademie für öffentliches Gesundheitswesen
     
  • PIA: Digitales Infektionsmonitoring von immungeschwächten Personen
    Es soll ein intensiviertes Monitoring von immungeschwächten Patienten, zum Beispiel mit Vorerkrankungen wie HIV, in der MHH mit einer von der HZI-Abteilung für Epidemiologie entwickelten Applikation erfolgen. Es wird erfasst, ob hier eine besondere Gefährdung bezüglich der Infektionshäufigkeit oder des Krankheitsverlaufs vorhanden ist. Das digitale eResearchsystem PIA (Prospektives Monitoring akuter Infektionen-Applikation), das im Kontext von COVID-19 als Symptomtagebuch eingesetzt werden kann, wird bereits im Rahmen der NAKO Gesundheitsstudie eingesetzt, um akute Atemwegserkrankungen zu erforschen: www.info-pia.de

    Ansprechpartnerin: Dr. Stefanie Castell, Abteilung Epidemiologie am HZI

    Kooperationspartner: Medizinische Hochschule Hannover (Prof. Behrens)
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3. Diagnostik / Diagnostik-Tools

  • Laissez Passer-Serologienachweis: SARS-CoV-2-spezifischer Antikörpertest zur Feststellung schützender Immunität
    Der Nachweis einer durch spezifische Antikörper vermittelten Immunantwort ist ein essenzieller Indikator, ob bereits ein Immunschutz gegen SARS-CoV-2 besteht. Insbesondere in medizinischen und Pflegeberufen, aber auch in vielen anderen Berufsgruppen, ist es dringend erforderlich, rasch wieder eine volle Versorgungsfähigkeit zu gewährleisten. Das Projekt hat deshalb einen dringend benötigten „Laissez Passer-Testnachweis“ auf der Basis eines positiven Antikörpertiters zum Ziel. In der Praxis ähnelt das Vorgehen einem Gelbfieberpass. Menschen mit diesem Testnachweis unterlägen dann keinen Reise- oder Tätigkeitsbeschränkungen mehr. Negative Auswirkungen von nichtpharmazeutischen Maßnahmen wie Kontaktsperren könnten damit deutlich reduziert werden. Letztendlich wird ein solcher Test auch einem zunehmenden Teil der Bevölkerung die Angst vor einer Infektion nehmen.

    Im Zuge des Projektes werden für SARS-CoV-2 spezifische Antigene selektiert und validiert sowie ein optimales Testsystem für die gegebene Diagnostikinfrastruktur ausgewählt, zum Beispiel ELISA-Tests, Line Assay oder Lateral Flow-Schnelltest. Abschließend werden Kooperationen zur Kommerzialisierung eines ausgewählten Testsystems etabliert.

    Ansprechpartner: Prof. Gérard Krause, Dr. Monika Strengert, beide Abteilung Epidemiologie am HZI

    Kooperationspartner: NMI Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut an der Universität Tübingen
     
  • Antivirale Strategien – unterstützende Diagnostik und Immuntherapeutika
    Das Team um Prof. Luka Cicin-Sain ist erfahren in Virus-Antikörpertests und verfügt über umfassende Kenntnisse in der Virengenetik. Ziel der Forschungsarbeiten ist es, einen sogenannten in vitro-Neutralisationstest für SARS-CoV-2 zu entwickeln. Damit werden zahlreiche Projekte auf dem Braunschweiger Campus unterstützt. Der Test wird unter der Verwendung von klinischen Isolaten entwickelt. Im nächsten Schritt wird die Gruppe einen sensitiveren Hochdurchsatz-Neutralisationstest für SARS-CoV-2 etablieren. Der Test basiert auf dem Einsatz von Fluoreszenzprotein-exprimierenden Viren (GFP) sowie der Echtzeitüberwachung und Quantifizierung der vom Virus erzeugten Fluoreszenz. Außerdem wird das Team eine neue Technologie für die Herstellung rekombinanter Viren entwickeln, die zum Beispiel Phosphoreszenz-Reportergene tragen. Die neue Technologie wird viele Forschungsarbeiten am HZI unterstützen, wie die verbesserte serologische Virus-Diagnostik, die Entwicklung von Impfstoffen oder die Identifizierung antiviraler Moleküle gegen SARS-CoV-2. Darüber hinaus arbeitet die Forschungsgruppe gemeinsam mit Industriepartnern wie YUMAB an neutralisierenden Antikörpern gegen SARS-CoV-2.

    Ansprechpartner: Prof. Luka Cicin-Sain, Abteilung Immunalterung und Chronische Infektion am HZI

    Kooperationspartner: Technische Universität Braunschweig, YUMAB
     
  • Diagnostikstudien zu Covid-19 am HIPS in Saarbrücken
    Im Rahmen der „Corsaar“-Studie werden am HIPS (Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland) in Zusammenarbeit mit der Universität des Saarlandes und der Uniklinik Homburg, Daten und Blutproben von Betroffenen gesammelt und ausgewertet. Ziel ist es, den Erkrankungsverlauf von Covid-19 Patienten besser vorhersagen zu können, Risikopatienten frühzeitig zu identifizieren und neue Therapieverfahren zu entwickeln. Die gesammelten Blutproben werden am HIPS mit Hilfe moderner massenspektrometrischer Methoden analysiert. Darüber hinaus, übernimmt das HIPS in der Corsaar-Studie koordinierende Aufgaben. Um möglichen Engpässen bei Covid-19 Tests entgegen zu wirken, stellt das HIPS derzeit Personal an die Uniklinik Homburg ab. Zur Erhöhung der Testkapazitäten im Land, wurde am HIPS eine eigene Diagnostik etabliert, welche es erlaubt zusätzliche qPCR-basierte Covid-19 Tests durchzuführen. Das HIPS beteiligt sich zudem an einer Studie zur Prävalenz von Covid-19 in Altenheimen und Pflegeeinrichtungen. Dabei werden Patientenproben aus einzelnen Einrichtungen gesammelt und der Virusdiagnostik zugeführt. Ziel ist der Schutz dieser Einrichtungen durch ein frühzeitiges Erkennen von Erkrankungen. Derzeit werden mehrere Forschungsprojekte und Projektanträge bezüglich der Untersuchung neuartiger Ansätze zur Behandlung von Covid-19 von HIPS Wissenschaftlern vorbereitet.

    Ansprechpartner: Prof. Rolf Müller, Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS)

    Kooperationspartner: Universität des Saarlandes, Uniklinik Homburg
     
  • LöwenKIDS-Studie zur Virusverbreitung in Kindern
    Zur Erforschung der Anfälligkeit von Kindern für das Coronavirus SARS-CoV-2 sammeln die Wissenschaftler Proben bei 500 Kindern der 2014 gestarteten Langzeitstudie LöwenKIDS. Um Momentaufnahmen der Verbreitung des Erregers zu bekommen, werden zu zwei verschiedenen Zeitpunkten Abstriche der Probanden untersucht. Zusätzlich erfolgt die Untersuchung von symptomatischen Proben in den nächsten Monaten. Parallel werden über Gesundheitsfragebögen ausführliche Informationen zu Symptomen und möglichen Kontakten mit Coronavirus-Infizierten erfasst. In einer späteren Untersuchung ist auch geplant Antikörpertests durchzuführen, die eine überstandene Infektion anzeigen können. Die Ergebnisse der Untersuchungen tragen dazu bei, die Rolle von Kleinkindern bei der Verbreitung des Virus zu bestimmen. 

    Kontakt: Prof. Till Strowig, Abteilung Mikrobielle Immunregulation

    Kooperationspartner: Universitätsklinik Halle (Prof. Mikolajczyk), TWINCORE Hannover (Dr. Gerold)
     

 

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4. Impfstoffentwicklung/ Wirkstoffforschung / Wirkstoffscreening

  • Testen und Entwicklung eines inhalativ verfügbaren Hemmstoffs gegen das neuartige Coronavirus
    Weltweit sucht die medizinische Forschung nach Möglichkeiten, wie man die Vermehrung des neuartigen Coronavirus mithilfe von Wirkstoffen verhindern kann. Ein Team der Universität Lübeck und des HZI hat einen vielversprechenden Ansatz gefunden. Basis dafür ist die Analyse der dreidimensionalen Struktur von funktionalen Virusproteinen. Mithilfe des hochintensiven Röntgenlichts der Synchrotronquelle BESSY II am Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) konnten Forscher die dreidimensionale Architektur der viralen Hauptprotease von SARS-CoV-2 entschlüsseln. Dieses Enzym ist an der Vermehrung der Viren beteiligt. Anhand der Kristallstruktur konnte an der Universität Lübeck (Prof. Hilgenfeld) eine bereits früher entwickelte Leitverbindung in einen potenten Hemmstoff verwandelt werden.

    Dr. Katharina Rox, DZIF-Wissenschaftlerin am HZI in Braunschweig, testete größere Mengen des Hemmstoffs in gesunden Mäusen und zeigte, dass er nicht toxisch ist. Die Verbindung hat die beste Wirkung, wenn sie unter die Haut oder durch Inhalation appliziert wird. In weiterführenden Arbeiten werden die Verbindungen medizinalchemisch optimiert und hinsichtlich ihrer pharmakokinetischen Eigenschaften charakterisiert.

    Ansprechpartnerin: Dr. Katharina Rox, Leiterin Pharmakokinetik/Pharmakodynamik, Abteilung Chemische Biologie am HZI, Prof. Mark Brönstrup (Abteilung Chemische Biologie am HZI)

    Kooperationspartner: Universität Lübeck

    Originalpublikation: Linlin Zhang, Daizong Lin, Xinyuanyuan Sun, Ute Curth, Christian Drosten, Lucie Sauerhering, Stephan Becker, Katharina Rox, Rolf Hilgenfeld, Crystal structure of SARS-CoV-2 main protease provides a basis for design of improved α-ketoamide inhibitors, Science 2020, DOI: 10.1126/science.abb3405
  • Proof of Concept-Studien eines SARS-CoV-2-Impfstoffes mit rekombinantem Spike-Protein
    Seit Beginn des SARS-CoV-2-Ausbruchs versuchen viele Forschergruppen, einen prophylaktischen Impfstoff zu entwickeln. Der HZI-Ansatz beruht auf einem sogenannten Subunit-Impfstoff, der eine schützende Immunität induzieren kann und ein gutes Sicherheitsprofil für immungeschwächte Personen aufweist. Idealerweise wird er über die Schleimhäute verabreicht. Er ist außerdem vergleichsweise einfach in ausreichenden Mengen herzustellen, sodass der Bedarf bei der aktuellen Pandemie leichter gedeckt werden kann. In dieser Hinsicht stellt das Spike (S)-Protein ein vielversprechendes Impfstoffantigen dar, da bereits für SARS-CoV und MERS-CoV gezeigt werden konnte, dass die Stimulation neutralisierender Antikörper gegen das S-Protein eine Infektion verhindert. Das Projekt hat die Bereitstellung des „Proof-of-Concept“ für einen intranasalen S-basierten Impfstoff mit c-di-AMP als Adjuvans zum Ziel. Die Wissenschaftler wollen nachweisen, dass der Impfstoff Virus-neutralisierende humorale Immunantworten stimuliert und geimpfte Mäuse vor SARS-CoV-2 schützen kann. Dabei werden auch in silico-Algorithmen zur Erzeugung synthetischer S-Varianten mit optimierten Sequenzen genutzt, welche in der Lage sind, Immunantworten gegen verschiedene SARS-CoV-Varianten und möglicherweise auch kreuzreaktiv gegen SARS und MERS zu stimulieren. Dies würde möglicherweise dazu führen, dass weite Teile der Bevölkerung auch gegen kommende Coronaviren geschützt wären. Das Projekt umfasst die Entwicklung des Impfstoffkandidaten und präklinische Tests.

    Ansprechpartner: Prof. Carlos A. Guzmán, Abteilung Vakzinologie und angewandte Mikrobiologie am HZI

    Kooperationspartner: Prof. Luka Cicin-Sain, Dr. Joop van den Heuvel, Prof. Alice McHardy, Prof. Ulrich Kalinke
     
  • Herstellung SARS-CoV-2-neutralisierender monoklonaler Antikörper aus Blutproben genesener Covid-19-Patienten
    Das Team um Prof. Ulrich Kalinke, Direktor am TWINCORE und Leiter des Instituts für Experimentelle Infektionsforschung, hat umfassende Erfahrung in der Analyse von Immunzelltypen im Blut und der Verarbeitung solcher Daten über Big Data-Ansätze. Diese Methoden bringen die Forscher jetzt auch bei der Analyse von Covid-19-Patienten ein, um insbesondere B-Zell-Antworten in diesen Patienten zu untersuchen. Kurzfristig sollen aus den B-Gedächtniszellen von Patienten, die eine Covid-19-Erkrankung überstanden haben, monoklonale Antikörper für die Therapie isoliert werden. Diese werden auf die Bindung und Neutralisation des neuartigen Coronavirus getestet und aussichtsreiche Kandidaten schnellstmöglich in klinische Tests überführt. Dieses Ziel ist mit monoklonalen Antikörpern aus B-Zellen wahrscheinlich besser zu erreichen als mit Antikörpern, die aus synthetischen Bibliotheken isoliert wurden, weil im menschlichen Körper primär Antikörper entstehen, die keine unerwarteten Kreuzreaktivitäten zeigen.

    Ansprechpartner: Prof. Ulrich Kalinke, TWINCORE Hannover

    Kooperationspartner: MHH (Prof. Witte, Rheumatologie, und Prof. Blasczyk, Transfusionsmedizin), Memo Therapeutics A
     
  • Repurposing eines Wirkstoffs gegen SARS-CoV-2
    Prof. Thomas Pietschmann, Forscher im Exzellenzcluster RESIST und am TWINCORE Hannover, leitet die in Deutschland stattfindenden Arbeiten eines internationalen Forschungsnetzwerks, das untersucht, ob bereits zugelassene Medikamente gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 wirken. Die Wirkstoffbank „ReFrame“ der Scripps University (USA) umfasst rund 14.000 zugelassene Medikamente sowie Substanzen, für die es bereits umfangreiche Sicherheitsdaten in Bezug auf die Anwendung beim Menschen gibt. Dieses sogenannte Repurposing – die Anwendung eines bewährten Wirkstoffs für neue Indikationen – verkürzt die Entwicklungsphase des Medikaments.

    Im ersten Schritt suchen die Wissenschaftler in Hannover mit Hochdurchsatzverfahren Wirkstoffe, die die Virusvermehrung hemmen. Bei diesen Kandidaten wird der Wirkmechanismus, die Wirkung auf Lungenzellen und die optimale Dosis analysiert. Aufbauend auf diesen Ergebnissen sollen Wirkstoffkandidaten aus der ReFrame-Datenbank zügig in klinische Studien überführt werden.

    Ansprechpartner: Prof. Thomas Pietschmann, TWINCORE Hannover

    Kooperationspartner: MHH (Prof. Schulz, Institut für Virologie), Universität Bern, Scripps University, Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), HZI-Abteilung Chemische Biologie (Prof. Brönstrup)
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5. Modellierung

  • Mathematische Modellierungen geben neue Erkenntnisse zur Risikoeinschätzung der Coronavirus-Pandemie
    Wissenschaftler des HZI und des Forschungszentrums Jülich simulierten die Auswirkung verschiedener Bedingungen auf die Entwicklung der SARS-CoV-2-Epidemie in Deutschland. Ihre Ergebnisse legen nahe, dass die Einschränkungen im sozialen Leben wirken und eine weitere Verlangsamung der Ausbreitung möglich ist. Die HZI-Wissenschaftler um den Physiker Prof. Michael Meyer-Hermann beschrieben dabei eine Methode, um die Effekte und die Situation täglich neu zu bewerten und so den Entscheidungsträgern in der Politik eine Grundlage für die Bewertung der Lage zu geben. Eine entscheidende Größe in der Beschreibung der Ausbreitung eines infektiösen Krankheitserregers ist die Reproduktionszahl. Die Basisreproduktionszahl gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter durchschnittlich ansteckt. Sie ist ein wichtiger Indikator dafür, wie schnell sich eine Epidemie ausweitet. Täglich aktualisierte Werte für die SARS-CoV-2-Reproduktionszahl finden sich unter dem Link http://secir.theoretical-biology.de.

    Die Modellierung ging maßgeblich in das Helmholtz-Positionspapier zur epidemiologischen Situation vom 14. April 2020 ein.

    Darüber hinaus wurde am 13.Mai 2020 eine gemeinsame Studie mit dem ifo Institut veröffentlicht, die die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Szenarien zur Lockerung der pandemiebedingten Beschränkungen berechnet.

    Ansprechpartner: Prof. Michael Meyer-Hermann, HZI-Abteilung System-Immunologie am BRICS (Braunschweiger Zentrum für Systembiologie)

    Kooperationspartner: Forschungszentrum Jülich (Prof. Wolfgang Marquardt), Abteilung Epidemiologie am HZI
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6. EU Projekte

  • CORESMA – Effektiver Schulterschluss mit Big Data-Projekt zu Covid-19
    Das HZI koordiniert das EU-Projekt CORESMA (Covid-19 Outbreak Response combining E-health, Serolomics, Modelling, Artificial Intelligence and Implementation Research). Mit diesem Projekt sollen bestehende Lücken zwischen klinischen, epidemiologischen und immunologischen Informationen geschlossen werden, um besser auf die Pandemie reagieren zu können. Dafür arbeiten nicht nur europäische Forscher aus den Niederlanden, der Schweiz und Deutschland, sondern auch Partner aus China, Elfenbeinküste und Nepal zusammen. Über die bereits 2014 vom HZI entwickelte App SORMAS, mit der Daten zu Krankheitsausbrüchen lokal erfasst und an Gesundheitsbehörden übermittelt werden können, sammeln sie klinische Echtzeitdaten. Hier stehen besonders gefährdete Staaten im Fokus, neben der Elfenbeinküste unter anderem Ghana und Nigeria. Außerdem sollen in Deutschland und Nepal bereits bestehende Kreuz- oder Teilimmunitäten gegen SARS-CoV-2 untersucht werden. Die erhobenen Daten helfen dabei, die Übertragung des Virus besser einschätzen zu können und die Effektivität von Maßnahmen gegen die Verbreitung zu bewerten.

    Ansprechpartner: Prof. Gérard Krause, Abteilung Epidemiologie am HZI
     
  • Antivirale Medikamente gegen SARS-CoV-2
    Das HZI ist außerdem in das EU-Projekt SCORE involviert. SCORE soll antivirale Medikamente entwickeln, die kurz- bis mittelfristig zur Behandlung von Patienten und zur Eindämmung der Ausbreitung von Coronaviren eingesetzt werden können.

    Ansprechpartner: Prof. Mark Brönstrup, Abteilung Chemische Biologie am HZI / Dr. Katharina Rox, Leiterin Pharmakokinetik/Pharmakodynamik, Abteilung Chemische Biologie am HZI
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Forschungsnews

Coronaviren

Zur Familie der Coronaviren gehören eine ganze Reihe unterschiedlichster Krankheitserreger. Sie infizieren Säugetiere, Nager und Vögel, aber nur wenige Coronaviren haben sich an den Menschen angepasst. Diese jedoch mit großem Erfolg: Etwa ein Drittel der typischen „Erkältungen“ gehen auf das Konto dieser größten der RNA-Viren und auch den einen oder anderen „Durchfall“ verursachen sie. [weiterlesen]

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