Jeden Tag ein bisschen „Outbreak“

Susanne Talay leitet das Hochsicherheitslabor des HZI.

Man sieht sich im Leben immer zweimal, das gilt auch für Susanne Talay und das HZI. Als die studierte Biologin 1988 an der damaligen Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) mit der Promotion in Mikrobiologie und Genetik begann und dem Campus schließlich 2004 den Rücken kehrte, hätte sie nicht erwartet, schon 2006 wieder zurückzukommen. Seitdem ist sie geblieben und hat diese Entscheidung nie bereut. Spricht sie vom HZI, dann begleitet das ihr strahlendes Lächeln: „Es fängt an mit diesem wunderschönen Campus, dann die kollegiale Stimmung. Das ist etwas ganz Besonderes und wir sind dankbar dafür.“

Zunächst war Susanne Talay in der „zweiten Runde“ als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung „Mikrobielle Pathogenität“ unter Prof. Singh Chhatwal eingestellt und begleitete dort viele Doktorand:inen und Diplomand:innen. In ihrem ehemaligen Forschungsbereich im Feld zellulärer Interaktionen gibt es zwar „noch immer viel zu tun“, wie sie sagt, doch eine neue Aufgabe wartete bereits auf sie. Seit 2011 leitet sie als Biosafety Professional die Einrichtungen der Sicherheitsstufe 3 (S3) am HZI. Dies sind Hochsicherheitslabore, in denen mit Erregern gearbeitet wird, die zu schweren Erkrankungen führen können. Am HZI sind das hauptsächlich Viren mit pandemischem Potenzial. Damit keine infektiösen Partikel aus den Laboren austreten können, beinhalten die Sicherheitsvorkehrungen zum Beispiel ein Lüftungssystem mit speziellen Filtern, Schleusen und Druckunterschiede zwischen verschiedenen Bereichen. „Mitarbeitende werden in drei Monaten Training geschult und sind dann wertvolle Spezialisten. Eine hohe Wechselrate beim Personal ist daher eine echte Herausforderung“, sagt Susanne Talay. Sie trägt die Verantwortung für die im S3-Labor stattfindenden Versuche und die Einhaltung aller Sicherheitsstandards, über die sie laufend informiert bleiben muss. Susanne Talay ist auch gefragt, wenn es um alltägliches Troubleshooting geht. Fehler in diesem Bereich könnten gravierende Folgen haben. Daher ist die Führung ihres Personals entscheidend, denn einen Teil der Verantwortung trägt jede:r im Team mit.

Seit 2020 wird im S3-Labor fast ausschließlich an SARS-CoV-2 gearbeitet. Die Nutzerzahl wurde von 20 auf 45 Personen aufgestockt, eine Hälfte davon etablierte und angehende Forschende, die andere Hälfte technische Kräfte. Die Umstellung gelang schnell, da zuvor mit vergleichbarer, bereits etablierter Methodik Flaviviren erforscht wurden. Die S3-Einheit funktioniert perfekt. Trotzdem gab es denkwürdige Momente. Zum Beispiel, als 300 Liter Wasser, versetzt mit rot schäumendem Desinfektionsmittel, das Labor kurzzeitig in eine Schaumparty verwandelten. Auch solchen Vorfällen begegnet Susanne Talay mit ihrem strahlenden Lächeln. 

Bei Arbeitsvermeidern hingegen schalte sie „ins Wolfshirn“, wie sie sagt. Auch Kälte macht ihr schlechte Laune. Dagegen hilft „Soul Food“ wie rote Linsensuppe und orientalische Gewürze, die für sie ebenfalls Stimmungsaufheller sind. Unabhängig von Temperaturen ist sie mehrmals täglich draußen im heimatlichen Harzgebiet unterwegs, denn das hält nicht nur den Körper gesund, sondern vor allem auch den Geist. Die große Verantwortung im S3-Labor könnte nicht jede:r tragen. Susanne Talay kann es, nicht zuletzt durch ihre ganz eigene Art von „durchregieren und gleichzeitig sensibel sein“, wie sie ihre Arbeitsweise selbst beschreibt. So weiß man diesen wichtigen Bereich am HZI in sicheren Händen.

Autorin: Christine Bentz

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