Portrait

Gregor Fuhrmann möchte Wirkstoffe mithilfe winziger Membranbläschen zu ihrem Einsatzort im Körper bringen. Für dieses Vorhaben hat er am HIPS eine Nachwuchsgruppe gestartet.

Gregor Fuhrmann – Nanoforscher mit Bodenhaftung

Gregor Fuhrmann © HZI

Sein naturwissenschaftliches Interesse hat Gregor Fuhrmann als Sohn einer Diplom-Chemikerin und eines promovierten Chemikers quasi in die Wiege gelegt bekommen. So entschied sich der gebürtige Berliner für ein Pharmaziestudium in der Hauptstadt. Im Rahmen des praktischen Jahres ging er nach Montreal ins Labor von Jean-Christophe Leroux. „Die Chemie zwischen uns stimmte und so blieben wir auch nach meinem Aufenthalt in Kontakt“, erzählt Fuhrmann. Nach der Approbation zum Apotheker begann er 2008 seine Doktorarbeit an der ETH Zürich – bei Leroux, der gerade dorthin gewechselt war.

Bereits Monate vor der Promotion, die er mit Auszeichnung absolvierte, sicherte sich Fuhrmann eine Stelle als Postdoktorand bei der Materialforscherin Molly Stevens in London. Dort untersuchte er extrazelluläre Vesikel – das sind Bläschen, die die Körperzellen abgeben, um mit anderen Zellen zu kommunizieren oder Erreger abzuwehren.

Vesikel als Wirkstoff-Transporter

Für Fuhrmann lag es nahe, dass sich Vesikel als zielgerichtete Transporter für Wirkstoffe durch den Körper zum Krankheitsort einsetzen ließen: „Als körpervertrautes Botenmaterial sind Vesikel wie geschaffen für diesen Zweck“, sagt er. Für seine Idee erhielt er gleich zwei Stipendien.

Sein nächstes Ziel war eine eigene Gruppe, mit der er an der Bekämpfung von Infektionen arbeiten wollte. Besonders das Schicksal von Mukoviszidose-Patienten mit persistierenden Lungeninfektionen weckte seinen Ehrgeiz. So suchte er Unterstützung für sein Vorhaben. In Deutschland kam dafür nur eine Person infrage: Claus-Michael Lehr, der am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) in vitro-Lungenmodelle entwickelt.

Auf einer Konferenz knüpfte Fuhrmann 2014 den entscheidenden Kontakt zu Lehr. „Es half auch, dass Molly und Jean-Christophe auf der Konferenz waren und für mich ein gutes Wort einlegen konnten“, erzählt er. Seit Dezember 2016 isoliert und charakterisiert Fuhrmann nun mit seiner Nachwuchsgruppe Biogene Nanotherapeutika am HIPS Vesikel von Säugerzellen und Bakterien, die er unverändert oder mit Wirkstoffen beladen auf Bakterienkulturen testet.

Wir möchten nach fünf Jahren eine Methode zur Aufbereitung und Wirkstoffbeladung der Vesikel etabliert haben, die das Potenzial hat, für den Markt weiterentwickelt zu werden.

Gregor Fuhrmann

Was Saarbrücken von London unterscheidet

Auf seinem Weg vom Studium in Berlin zur Nachwuchsgruppe in Saarbrücken ist der 35-Jährige viel in der Welt herumgekommen. Im Vordergrund stand dabei immer die Forschung. So auch in Saarbrücken: „Die Stadt ist wirklich nett und bodenständig, nicht so abgehoben wie London“, sagt er. „Doch das Entscheidende sind die guten Forschungsbedingungen.“ Das HIPS besteche durch seine moderne Erscheinung, die ansässigen Forschungsgruppen seien reich an Erfahrung und gut vernetzt.

INFO

Dieser Artikel ist erschienen in der InFact, Ausgabe 01/2017.

Gregor Fuhrmann ist vielleicht kein Held des Small Talks und mag in seiner Zurückhaltung manchmal unterkühlt wirken. Dennoch hat er es geschafft, Freundschaften von Jena bis Quebec und von Stockholm bis Verona aufzubauen. Der zweifache Vater ist auch begeisterter Hobby-Biogärtner und Fan des Hertha BSC – zwei Leidenschaften, die ihn nicht gerade mit Erfolg verwöhnen und ihn bei allen beruflichen Höhenflügen auf dem Boden halten.

Autorin: Kathrin Fuhrmann

Magazin

Titelseite des HZI-Mitarbeitermagazins "InFact", Ausgabe 01/2017 © HZI
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