Zahl der Ebola-Opfer steigt weiter

HZI-Forscher Thomas Pietschmann beurteilt aktuelle Entwicklungen

13.08.2014

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Ebola-Viruspartikeln

© CC-BY 2005 Public Library of Science.Elektronenmikroskopische Aufnahme von Ebola-Viruspartikeln

In West-Afrika sind seit März 2014 mehr als 1000 Menschen an Ebola gestorben. Insgesamt gibt es laut der Welt Gesundheitsorganisation (WHO) bereits über 1800 Infizierte und die Zahlen steigen weiter. Die Lage ist so ernst, dass die WHO sich zuletzt für den Einsatz experimenteller Medikamente aussprach. HZI-Experte Thomas Pietschmann, Leiter der Abteilung Experimentelle Virologie am TWINCORE, ordnet die aktuelle Lage ein. 

Seit 1976 gab es bereits einige Ebola-Epidemien. Warum ist der aktuelle Ausbruch so viel gefährlicher als die bisherigen?

Das ist meines Wissens nicht bekannt. Die Experten sind meiner Wahrnehmung nach davon ebenfalls überrascht. Alle bisherigen Epidemien - mehr als 15 seit 1976 - haben keinen vergleichbaren Ausbreitungsgrad erreicht. Es wird einer sorgfältigen epidemiologischen und virologischen Analyse bedürfen, um zu verstehen, warum es dieses Mal zu einer erweiterten Ausbreitung kommt.

Wie wird Ebola denn eigentlich übertragen?

Ebola wird über direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter Personen übertragen. Es gibt keine Hinweise dafür, dass das Virus durch die Luft von Mensch zu Mensch übertragen wird.

Die Epidemie breitet sich trotzdem rasant aus, wie besorgniserregend ist das und was wird dagegen getan?

Die Epidemie im Afrikanischen Raum hat ein alarmierendes Ausmaß angenommen und es stellt eine wachsende Herausforderung dar, eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Anfang August wurden von der WHO gemeinsam mit den Präsidenten der betroffenen Länder ein Plan über 100 Millionen US-Dollar verabschiedet, um die Epidemie einzudämmen. Das Geld wird helfen, mehr medizinisches Personal in die Krisenregion zu bringen und die Logistik für den Ansteckungsschutz weiter zu verbessern. Weitere Maßnahmen, um eine Ausbreitung zu verhindern sind beispielsweise: Isolation und Quarantäne, Schließung von Schulen, Absagen öffentlicher Veranstaltungen. Ganz wichtig sind auch Aufklärungsmaßnahmen.

Wie groß ist die Gefahr, dass die Epidemie Deutschland und den Rest Europas erreicht?

Eine Bedrohung für Deutschland und Europa ist trotzdem unwahrscheinlich. Bisher gibt es nur Einzelfallberichte von Patienten, die ausgeflogen werden und in Europa oder den USA behandelt werden. Dies lässt sich mit den hier etablierten Hygienestandards gut kontrollieren.

Kann man sich vor Ebola durch eine Impfung schützen?

Es gibt bisher keinen zugelassenen Impfstoff. Allerdings soll die klinische Erprobung eines Impfstoffkandidaten am Menschen Anfang September gestartet werden.

Wie ordnen Sie die experimentellen Medikamente ein über die man aktuell viel liest?

Es handelt sich hierbei beispielsweise um Antikörper, die gegen das Ebolavirus gerichtet sind. Die Wirksamkeit und die Nebenwirkungen dieses Präparats sind am Menschen bisher nicht erprobt. Es existieren allerdings sehr viel versprechende Daten aus Versuchen mit Rhesusaffen. Die jetzige Extremsituation - in der schnelles Handeln wichtig ist - könnte den Einsatz an schwerstkranken Menschen auch ohne vorherige sorgfältige, aber langwierige, klinische Prüfung rechtfertigen, um Menschenleben zu retten, die sonst gegebenenfalls verloren wären und um zu helfen, die weitere Ausbreitung des Erregers einzudämmen. 

Entsprechend hat die US-Regierung die Freigabe erteilt, das Präparat „ZMapp“ zur Behandlung von Patienten in Liberia einzusetzen. Da das Mittel nicht in großen Mengen verfügbar ist stellen sich weitere wichtige ethische Fragen, wie beispielsweise welche Patienten das Präparat bekommen und wer darüber entscheidet.  

Wird Ihrer Einschätzung nach die aktuelle Epidemie zu verstärkter Forschung an Ebola führen?

Das glaube ich schon. Es ist zu hoffen, dass sich die Epidemie rasch eindämmen lässt. In jedem Fall geht von diesem Ereignis - neben anderen in der jüngsten Zeit wie beispielsweise die MERS-Epidemie - das Signal aus, wie verwundbar wir gegenüber neu und überraschend auftretenden Erregern sind. Dem trägt übrigens schon jetzt das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) Rechnung: Es gibt einen eigenen Themenschwerpunkt zum Thema „emerging infections“. Die systematische Erforschung der Infektionsrisiken, die von solchen Erregern ausgehen, ist eine wichtige Aufgabe. Ziel ist es, Infektionsrisiken zu erkennen, sie durch geeignete Präventionsmaßnahmen einzudämmen und möglichst Therapieoptionen aufzuzeigen.