Was ist der Mensch – Person oder digitale Information?

Einladung: Pressegespräch zur Kunstausstellung „Transkriptionen_dechiffriert“

07.11.2007

Der Mensch wird zunehmend digital erfassbar. Ob biometrische Daten, Internet-Profil oder Entschlüsselung des Genoms – das Bild, das wir vor unserem inneren Auge, im Spiegel oder auf Fotos von uns sehen, ist nicht mehr dasselbe, das in Datenbanken von uns gespeichert ist. Dieser Problematik hat die Marburger Künstlerin Ingrid Hermentin die Ausstellung „Transkriptionen_dechiffriert“ gewidmet, die derzeit in der Braunschweiger „Galerie auf Zeit – Räume für Kunst“ zu sehen ist. Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit der Medigenomix GmbH in Martinsried sowie den Genomforschern Helmut Blöcker und Igor Deyneko vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI): Sie machten die Genomdaten der Künstlerin und anderer porträtierter Frauen hörbar.

Zu einem Pressegespräch laden wir Vertreter der Medien herzlich am Freitag, 9. November, um 15 Uhr in der Galerie auf Zeit, Wilhelmstraße 89 in Braunschweig ein. Um Anmeldung wird gebeten unter Tel. 0531-6181 1402.

Jahrtausende lang stellten Künstler den Menschen als mehr oder weniger naturgetreues Abbild seiner sichtbaren Hülle dar. Moderne Techniken wie die Genomanalyse haben deutlich gemacht, dass das Charakteristische und wirklich Persönliche unseres Ichs aber jenseits der Oberfläche liegt. Es verbirgt sich in unseren Genen.

Ingrid Hermentin ist es gelungen, eine neue Bildsprache zu entwickeln, die sprichwörtlich unter die Haut geht: In einem von ihr als „Transkription“ bezeichneten Vorgang wandelt sie das äußere Bild der Porträtierten zunächst in eine digitale Pixel-Struktur um: Das Gesicht wird direkt eingescannt. Dieses Abbild überlagert sie dann mit dem Zeichenmaterial der modernen Wissenschaft – DNA-Sequenzen, maschinell lesbare Codes oder handschriftliche Spuren aus dem Laboralltag.

Die so geschaffenen Porträts faszinieren und verwirren zugleich, denn „je exakter das Porträt gerät, desto unidentifizierbarer wird es“, so der Kasseler Kunstwissenschaftler Dr. Harald Kimpel: „Hier schmilzt die Differenz zwischen Subjekten und Objekten, Künstlerin und Publikum rücken den Modellen näher als es je möglich war, zugleich ist die Distanz so groß wie nie zuvor.“ Diese Widersprüchlichkeit war es auch, die den HZI-Wissenschaftler Helmut Blöcker von Anfang an gepackt hat: „Unsere abstrakten Datenreihen vom menschlichen Genom werden in Ingrid Hermentins Bildern in ihrer Bedeutung für unser Menschenbild erst richtig fassbar.“

Hinweis:
Die Ausstellung läuft noch bis zum 16. November 2007. Sie ist geöffnet von Mittwoch bis Freitag von 15 bis 18 Uhr und Samstags von 13 bis 15 Uhr. Ort: Galerie auf Zeit, Wilhelmstraße 89, Braunschweig.