Vom Zucker zum Impfstoff

Peter Seeberger erhält Inhoffen-Medaille

24.03.2011

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susanne HUEBNER mobil(01772988250)susannehueb

Zucker ist einer der wichtigsten Bestandteile aller Zellen des menschlichen Körpers. Zuckermoleküle, sogenannte Kohlenhydrate, erfüllen vielfältige Aufgaben in und auf unseren Zellen: Sie liefern Energie, bilden die Grundlage für Oberflächenstrukturen wie Schleim – dienen Krankheitserregern aber auch oft als Erkennungsmerkmal, um an unsere Zellen anzuhaften oder in sie einzudringen. Sie spielen daher eine entscheidende Rolle bei Infektionen und Immunreaktionen und sind für die medizinische Forschung überaus interessant. Bisher fehlte aber eine chemische Synthesemethode, um biologisch wichtige Zucker in größeren Mengen herzustellen.  

 

Professor Peter Seeberger hat diese Lücke geschlossen und die erste automatisierte Syntheseapparatur entwickelt, um komplexe Zuckermoleküle herzustellen. Für seine Forschung wird Professor Seeberger jetzt in Braunschweig mit der Inhoffen-Medaille geehrt. Diese Auszeichnung vergibt der Förderverein des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI). “Die Inhoffen-Medaille zu erhalten ist eine sehr große Ehre – besonders auch, wenn man sich die Liste der bisherigen Preisträger ansieht. Diese Auszeichnung in meinem Alter zu bekommen, ist ein großer Ansporn, den hohen Ansprüchen auch weiter gerecht zu werden”, so der 44-jährige Preisträger.  

 

Mit seiner Forschung hat Professor Seeberger die Voraussetzungen für die Weiter- und Neuentwicklung von zuckerbasierten Medikamenten und Impfstoffen geschaffen. Ein Beispiel ist die Impfung mit einem Fett-Zucker-Bestandteil des Malaria-Parasiten, dessen Wirksamkeit Seeberger in Tieren nachweisen konnte. Weitere Beispiele sind die chemische Synthese des Blutgerinnungshemmers Heparin und die Entwicklung eines möglichen Impfstoffes gegen die Tropenkrankheit Leishmaniose.  

Der Forscher wird die Auszeichnung am Donnerstag, 7. April, um 15 Uhr im Forum des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung entgegennehmen.  

 

Peter Seeberger studierte an der Universität Erlangen-Nürnberg Chemie und promovierte 1995 als Fulbright-Stipendiat an der University of Colorado in Boulder in Biochemie. Nach einem Post-Doktoranden-Einsatz am Sloan-Kettering-Institut für Krebsforschung in New York wurde er 1998 Assistant Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und avancierte dort 2002 zum Firmenich Associate Professor of Chemistry.  

 

Ab 2003 war er Professor für Organische Chemie am Departement für Chemie und angewandte Biowissenschaften der ETH Zürich und Affiliate Professor am Burnham Institut in La Jolla, Kalifornien. Seit Sommer 2008 leitet er eine Abteilung am Max-Planck-Institut (MPI) für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Golm bei Potsdam. Seit Januar 2011 ist er außerdem geschäftsführender Direktor des MPI. Für seine chemischen und biochemischen Studien erhielt Professor Seeberger zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter den Klung-Wilhelmy-Weberbank-Preis im Jahr 2004 und den Körber-Preis für Europäische Wissenschaft in 2007.  

 

Die vom Förderverein des Helmholtz-Zentrums gestiftete Inhoffen-Medaille ist mit 2.500 Euro dotiert. Sie wird im Rahmen der öffentlichen Inhoffen-Vorlesung verliehen, einer gemeinsamen Veranstaltung des HZI und der Technischen Universität Braunschweig. Nach einer Ansprache des Preisträgers wird Prof. Joachim Klein, Vorsitzender des Fördervereins und der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft, die Medaille überreichen.  

Herausragende Doktorarbeiten gewürdigt

Im Rahmen der Preisverleihung zeichnet der Förderverein zudem herausragende Doktorarbeiten der Technischen Universität Braunschweig und des HZI sowie seiner assoziierten Institute aus. In diesem Jahr erachtete der Förderverein zwei Dissertationen als preiswürdig: Dr. Julia Bitzegeio, die ihre Promotion am TWINCORE in Hannover anfertigte, erhält den mit 2.000,00 Euro dotierten Preis für ihre Forschung am Hepatitis C-Virus und dem Eintritt in seine Wirtszellen. Dr. Leonor da Gama Cavalho Norton wird der Preis für ihre Erforschung von Mechanismen zugesprochen, die die Effizienz von sogenannten Produktionszellen erhöhen. Die Ergebnisse ihrer Doktorarbeit, die sie am HZI verfasste, sind für die Herstellung von Biopharmazeutika von hohem Interesse. Neben den Förderpreisen wird auch der Fritz-Wagner-Preis zur Förderung der Biotechnologie verliehen. Die Auszeichnung und die damit verbundenen 500,00 Euro erhält in diesem Jahr Henning Kuhz für seine umfangreichen Analysen und Betrachtungen verschiedener bakterieller Moleküle im Rahmen seiner Masterarbeit. 

Hans Herloff Inhoffen und die gleichnamige Medaille

Zum Gedenken an den 1992 verstorbenen Chemiker Prof. Hans Herloff Inhoffen veranstalten die TU Braunschweig und das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (damals noch: Gesellschaft für Biotechnologische Forschung, kurz GBF) seit 1994 regelmäßig die Inhoffen-Vorlesung, bei der der gleichnamige Preis vergeben wird. Inhoffen lehrte von 1946 bis 1974 an der TH Braunschweig und amtierte dort von 1948 bis 1950 als Rektor. Er gründete darüber hinaus 1965 das „Institut für Molekulare Biologie, Biochemie und Biophysik“ (IMB), das Vorläufer-Institut der GBF und damit des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung.

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