09.11.2017

Unser Immunsystem und die Darmflora

Zweiter Teil der HZI-Vortragsreihe "KrankheitsErregend" mit Expeditionen ins Immunsystem am 18. November

Auf und in uns leben mehr Mikroorganismen als wir Körperzellen haben. Besonders der Darm bietet einer Vielzahl von Bakterien ein Zuhause. Die mikrobiellen Mitbewohner helfen zum Beispiel bei der Verdauung, wechselwirken aber auch mit dem Immunsystem bis hin zum Gehirn. So trainieren sie unser Immunsystem, damit es lernt, nützliche Keime zu tolerieren und gefährliche abzuwehren. Wie unser modernes Leben die natürlichen Untermieter beeinflusst, darüber informiert das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig am 18. November 2017 mit zwei Vorträgen und anschließender Diskussion in der Reihe „KrankheitsErregend“.

Darmflora_Fotolia_92533760_L_590x240.jpgIllustration der Darmflora. © FotoliaDer menschliche Darm beherbergt rund 100 Billionen Bakterien aus bis zu 1000 verschiedenen Arten. Die Gesamtheit dieser Mitbewohner im Darm nennt man Mikrobiom. Es hilft dem Menschen auf vielfältige Weise, etwa bei der Verdauung oder mit der Produktion von Vitaminen. Das Mikrobiom ist eng an das Immunsystem gekoppelt und beeinflusst Immunantworten im Darm, aber auch im übrigen Körper bis zum Gehirn. Ein intaktes Mikrobiom ist daher wichtig für die Gesundheit, doch es reagiert sehr sensibel auf äußere Einflüsse wie bestimmte Nahrungsbestandteile und Medikamente. Insbesondere Antibiotika, die essenziell für die Bekämpfung von lebensbedrohlichen bakteriellen Infektionen sind, wirken auch auf die „guten“ Bakterien und können bis zu einem Drittel der Darmbewohner töten. Diese Schädigung ist normalerweise kurzlebig, das Mikrobiom erholt sich in zwei bis vier Wochen. Wie stark der Einfluss von Antibiotika auf die Darmgesundheit ist, insbesondere bei älteren Menschen und Kindern, erläutert Prof. Dirk Schlüter vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg in einem Vortrag.

Darmbakterien wandeln Nahrung in resorbierbare Stoffe um. Manchmal jedoch kann die Tätigkeit dieser Bakterien dem menschlichen Körper auch schaden. So fördern bestimmte bakterielle Abbauprodukte die Entstehung von Krankheiten. Gelangen krankmachende Bakterien in den Darm, zum Beispiel Yersinien, kommt es zu Darminfektionen mit Entzündungen der Lymphknoten und akuten Bauchschmerzen. Um wieder eine gesunde Darmflora herzustellen, erproben Wissenschaftler die Besiedelung des Darms mit nützlichen Bakterien und untersuchen die unterstützende Wirkung von Prä- und Probiotika auf die geschwächten Bakterien. Sicher ist, dass die Therapieansätze abhängig sind vom komplexen Zusammenspiel von Umwelt, genetischen Faktoren und individueller Ernährungsweise des Menschen. Dr. Till Strowig, Leiter der Nachwuchsgruppe „Mikrobielle Immunregulation“ am HZI, nimmt in seinem Vortrag Darmbakterien genauer unter die Lupe – die guten und die krankmachenden.

Die Vortragsreihe:

Bei der sechsten Ausgabe der Vortragsreihe „KrankheitsErregend“ steht diesmal das Immunsystem im Fokus: Am HZI informieren Experten an drei Samstagvormittagen darüber, was unser Immunsystem leistet, welchen Herausforderungen es gegenübersteht und woran aktuell geforscht wird. Beim ersten Termin am 28. Oktober 2017 ging es um das Immunsystem und Autoimmunerkrankungen, am 25. November 2017 werden die Veränderungen der körpereigenen Abwehr im Alter thematisiert.

Die Veranstaltung beginnt um 11:00 Uhr im Forum des HZI in der Inhoffenstraße 7, 38124 Braunschweig. Der Eintritt ist frei, eine Voranmeldung ist nicht nötig. Im Anschluss bietet eine moderierte Diskussion Gelegenheit für Zuschauerfragen. Bei Interesse vermitteln wir für Medienvertreter gern Interviews mit den Referenten.

Nähere Informationen finden Sie unter www.helmholtz-hzi.de/krankheitserregend. Rückfragen beantwortet gerne die Pressestelle des HZI (Telefon: 0531/6181-1400, E-Mail: veranstaltungen@helmholtz-hzi.de).

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