Preisgekrönte Vision vom „Labor in der Zelle“

Healthcare-Konzern Roche zeichnet den Immunforscher Jan Buer aus

29.03.2006

Eine einzelne Zelle, mit hauchfeinen „Nano-Nadeln“ zielgenau manipuliert und mit Analyse-Chips und Hochleistungs-Mikroskopen kontinuierlich beobachtet: So könnte die Zukunft der biomedizinischen Forschung aussehen. Für sein visionäres Modell des „Lab-in-a-cell“ („Labor in der Zelle“) ist der Immunologe Professor Jan Buer jetzt bei einem Festakt in Starnberg (Oberbayern) ausgezeichnet worden: Er gewann den mit 10 000 Euro dotierten ersten Preis des Wettbewerbs „Imagining the Future“. Veranstalter des weltweit ausgeschriebenen Wettbewerbs ist Roche Applied Science, ein Unternehmensbereich des Roche-Konzerns. Prämiert wurden die besten wissenschaftlich fundierten Prognosen für die Zukunft der biomedizinischen Forschung und ihrer Anwendung für die Entwicklung von Arzneimitteln und Diagnostika. Professor Buer forscht bei der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) in Braunschweig und lehrt an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

Die Zukunft, die Buer in seinem preisgekrönten Exposé skizziert, hat bereits begonnen: „Bei der Untersuchung von Immunreaktionen richten wir den Blick immer differenzierter auf bestimmte Zelltypen – auf die Gene, die sie in bestimmten Situationen anschalten, auf die Botenstoffe, die sie produzieren“, erklärt der Immunforscher. Bisher finde diese Forschung vor allem in Zellkulturen statt – die Zellen in einer solchen Kultur sind vom selben Typ und ähneln einander sehr, doch sie verhalten sich nicht identisch. „Wenn man die Entwicklung zu Ende denkt, landet man beim Konzept der Untersuchung einer Einzelzelle.“ Ansätze dazu gebe es bereits, doch viele der feinen „Werkzeuge“, die man dazu benötige, müssten erst noch zur Serienreife entwickelt werden; etwa Sensoren für die Analyse extrem geringer Substanzmengen oder Software, die die Muster der Genaktivität in Zellen zuverlässig auswerten kann.
„Ich bin überzeugt, dass es in den kommenden Jahrzehnten gerade solche Lab-in-a-cell-Methoden sein werden, die uns dem Verständnis und der Heilung von Krebs, Infektionen und Autoimmunerkrankungen näher bringen werden“, prophezeit Buer.


Der Preisträger
Jan Buer, Jahrgang 1966, wuchs in Braunschweig und Bremen auf und studierte später in Hannover und New York. Im Jahr 2003 beriefen ihn die Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) und die Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gemeinsam zum Professor (C 3). Sein Fachgebiet ist die Mukosale Immunität, die Erforschung von Immunreaktionen an körpereigenen Schleimhäuten. Besonderes Augenmerk richtet seine Arbeitsgruppe auch auf die so genannten regulatorischen T-Zellen, die eine wichtige Rolle bei der Kontrolle und Steuerung von Immunreaktionen spielen.

 

Hinweise für die Medien
Nähere Auskünfte erteilen Ihnen gerne: Dr. Johannes Ritter, Roche Penzberg (Telefon: 08856/ 60 26 00), Manfred Braun, GBF Braunschweig (0531/6181-508), Stefan Zorn, Medizinische Hochschule Hannover (0511/5326771).
Die genannten Ansprechpartner stellen Ihnen gerne Bilder des Preisträgers zur Verfügung.

 

Bildunterschrift
"Zukünftigen Forschungstrends auf der Spur: Prof. Jan Buer am Mikroskop. Foto: GBF/Susanne Hübner"