Neues Coronavirus aufgetreten

Hintergrundinformation des DZIF

24.09.2012

Corona-Viren

CDC / Fred Murphy, Sylvia Whitfield

Das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung informiert: 
In London wird seit zwei Wochen ein 49-jähriger Patient aus Katar mit den Symptomen einer akuten, schweren Atemwegserkrankung stationär behandelt, bei dem ein neues Coronavirus nachgewiesen wurde. Dies hat die englische Gesundheitsbehörde (Health Protection Agency, HPA) bestätigt. Es handelt sich um den zweiten laborbestätigten Fall eines neuen Coronavirus. Im Juli war dieses Virus bei einem 60-jährigen Patienten in Saudi Arabien nachgewiesen worden, der an der Erkrankung verstarb. Der Patient, der nun in London behandelt wird, ist nach Reisen im Gebiet Saudi Arabien seit Anfang September erkrankt und wurde zunächst in Doha, Katar, stationär behandelt und am 11. September zur Weiterbehandlung nach London geflogen. 

Coronaviren können eine Reihe von Erkrankungen verursachen: von allgemeinen, leichteren Erkältungskrankheiten bis zur SARS-Erkrankung, die 2002/03 eine Pandemie auslöste, an der hunderte Menschen starben und die dramatische ökonomische und gesundheitspolitische Auswirkungen hatte. Aus diesem Grund ist man diesem neuen Coronavirustyp gegenüber sehr wachsam und die internationalen Gesundheitsbehörden Weltgesundheitsorganisation (WHO) und European Centers for Disease Control (ECDC) beobachten diese Entwicklung sehr sorgfältig.

Da es bisher nur zwei bestätigte Fälle dieses neuen Coronavirus gibt, ist die klinische Erfahrung sehr begrenzt: die Symptome der Erkrankung sind die einer akuten, schweren Atemwegserkrankung (Lungenentzündung, Fieber, schweres Krankheitsgefühl). Der Ansteckungsweg ist, ähnlich wie bei einer gewöhnlichen Erkältungskrankheit, eine Tröpfchenübertragung; die Inkubationszeit wird bei Coronaviren mit vier bis zehn Tagen angegeben. 

Die Bedeutung des neuen Coronavirus für die allgemeine Bevölkerung ist bisher noch nicht sicher, wird aber als gering eingestuft: zwei laborbestätigte Fälle deuten auf einen begrenzten Ausbruch hin, jedoch liegt der zeitliche Abstand zwischen den Fällen im Bereich von mehreren Wochen, was eine fortdauernde Zirkulation des Virus vermuten lässt. Da der verwandte SARS-Erreger vor zehn Jahren eine Pandemie ausgelöst hat, sind die Experten extrem wachsam. 

In Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) wird im Bereich Emerging Infections an solchen neuen bzw. neu auftretenden Viren intensiv geforscht. Beteiligt sind u.a. der Bonner Professor Christian Drosten, der ‚Entdecker’ des SARS Virus von 2003, und Professor Stephan Becker (Universität Marburg), der an hochgefährlichen Viren wie Ebola arbeitet. Derzeit wird im DZIF mit Hochdruck an einer Diagnostikmethode gearbeitet, mit deren Hilfe die Infektion bei Patienten nachgewiesen werden kann. Außerdem werden Vorkehrungen getroffen, um einen Impfstoff gegen das neue Virus zu etablieren, sollte sich das Virus gefährlicher herausstellen, als erwartet. Es besteht enger Kontakt mit der Arbeitsgruppe von Professor Ron Fouchier in Rotterdam, der zusammen mit Dr Zaki in Jeddah die initiale Identifizierung des Virus erreicht hat.

 

Das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) ist ein neu gegründeter Zusammenschluss der führenden Forschungseinrichtungen der Lebenswissenschaften in Deutschland. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Zentrum seit November 2011. Die Geschäftsstelle des DZIF befindet sich auf dem Campus des HZI in Braunschweig-Stöckheim.

 

Ansprechpartner: 

Prof. Christian Drosten (Universität Bonn): drosten@virology-bonn.de

Tel +49-228-287-11055

Prof. Stephan Becker (Universität Marburg): becker@staff.uni-marburg.de

 

Weitere Informationen:

HPA Website

www.hpa.org.uk/NewsCentre/NationalPressReleases/2012PressReleases/120923acuterespiratoryillnessidentified/

www.hpa.org.uk/webw/HPAweb&HPAwebStandard/HPAweb_C/1317136202801

www.hpa.org.uk/webw/HPAweb&HPAwebStandard/HPAweb_C/1317136202755

 

WHO Website

www.who.int/csr/don/2012_09_23/en/index.html

 

Informationen des Robert-Koch-Instituts

www.rki.de/DE/Content/InfAZ/C/Corona/Corona.html

O-Töne:


Professor Christian Drosten (Universität Bonn):
"Der Fund eines neuen Coronavirus beim Menschen ist eine absolute Seltenheit. Seit Entdeckung des SARS-Coronavirus wurden zwar schon wieder zwei weitere Coronaviren beim Menschen beschrieben, aber diese hatte man bis dahin einfach übersehen – sie gehörten zu den normalen Erkältungsviren des Menschen. Jetzt ist aber ein ganz neues Virus auf den Menschen übergegangen. Das ist in historischer Zeit nur bei der SARS-Epidemie passiert. Man muss jetzt ganz genau die Epidemiologie beobachten."

 

Professor Stephan Becker (Universität Marburg):
„Man weiß relativ wenig. Was uns aufhorchen lässt, ist, dass in diesem Jahr schon einmal das gleiche Virus bei einem Patienten nachgewiesen wurde, der epidemiologisch wohl nichts mit dem Patienten, der jetzt in London behandelt wird, zu tun hat. Wenn sich diese Situation weiter entwickelt, wird man auch daran denken müssen, mit Hochdruck an einem Impfstoff zu arbeiten. Da wird es entscheidend sein, dass Forschungseinrichtungen gut mit der Industrie zusammen arbeiten können.“