16.11.2018

Molekularbiologin Katherine Beckham mit Jürgen-Wehland-Preis ausgezeichnet

HZI vergibt zum siebten Mal den Preis für Nachwuchstalente der Infektionsforschung im Rahmen des Symposiums „North Regio Day on Infection“

Die Molekularbiologin Dr. Katherine Beckham hat den Jürgen-Wehland-Preis 2018 erhalten. Sie ist Wissenschaftlerin am Hamburger Standort des Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie (EMBL, „European Molecular Biology Laboratory“) in der Forschungsabteilung von Prof. Matthias Wilmanns. Beckham erforscht spezielle molekulare Werkzeuge von bakteriellen Erregern, über die die Keime infektionsfördernde Proteine in Zellen ihres Wirts abgeben. Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig hat den mit 5000 Euro dotierten Jürgen-Wehland-Preis bereits zum siebten Mal vergeben und ehrt damit Nachwuchswissenschaftler, die sich auf dem Gebiet der Infektionsforschung verdient gemacht haben.

Dr. Katherine S.H. Beckham, Trägerin des diesjährigen Jürgen-Wehland-Preises, mit (v.l.) Prof. Hansjörg vom Förderverein des HZI, Prof. Dirk Heinz und Prof. Matthias Wilmanns. Foto: HZI/Susanne ThieleDr. Katherine S.H. Beckham, Trägerin des diesjährigen Jürgen-Wehland-Preises, mit (v.l.) Prof. Hansjörg Hauser vom Förderverein des HZI, Prof. Dirk Heinz und Prof. Matthias Wilmanns. Foto: HZI/Susanne Thiele

Bakterielle Krankheitserreger besitzen ein ganzes Arsenal an molekularen Werkzeugen, das sie brauchen, um einen Wirtsorganismus effizient infizieren zu können. Diese Werkzeuge bezeichnen Forscher als Virulenzfaktoren. Dazu gehören bestimmte Strukturen der Bakterien, aber auch Proteinmoleküle, die die Wirtszelle schädigen oder manipulieren. Mehrere Bakterienarten bilden zum Beispiel spritzenähnliche Konstrukte – sogenannte Sekretionssysteme – aus, mit denen sie solche Virulenzfaktoren in Wirtszellen injizieren. Genau diese Sekretionssysteme erforscht Katherine Beckham am EMBL. Ziel ihrer Forschung ist es, die Struktur und Funktion der bakteriellen Spritzen im Detail zu verstehen und so Ansatzpunkte für neue antibiotische Wirkstoffe zu liefern. Da eine zunehmende Zahl bakterieller Erreger gegen die herkömmlichen Antibiotika resistent werden, suchen Forscher nach alternativen Therapien. Einer dieser Ansätze ist die Antivirulenz-Strategie, die darauf abzielt, Virulenzfaktoren wie die Sekretionssysteme der Krankheitserreger zu hemmen und so die Bakterien in ihrer Virulenz zu schwächen, damit sie das Immunsystem beseitigen kann. Im Gegensatz zu Antibiotika würde ein Antivirulenz-Mittel die Bakterien nicht töten. Das hätte den Vorteil, dass die Erreger einem deutlich geringeren Selektionsdruck unterliegen, eine Resistenz gegen den Wirkstoff ausbilden zu müssen.

„Katherine Beckham leistet mit ihrer innovativen Forschung einen wesentlichen Beitrag auf dem Gebiet alternativer Antivirulenz-Strategien, einem der Zukunftsthemen der Infektionsforschung“, sagt Prof. Dirk Heinz, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des HZI. „Sie hat uns mit der Qualität ihrer Arbeiten und mit ihren erstklassig publizierten Forschungsergebnissen überzeugt. Daher freuen wir uns, sie mit dem Jürgen-Wehland-Preis 2018 auszeichnen zu können.“ Beckham betreibe nicht nur innovative Infektionsforschung, sondern leiste damit auch einen bedeutenden Beitrag in Zeiten zunehmender Antibiotikaresistenzen.

Katherine Beckham, gebürtige Britin, studierte Molekularbiologie an der Universität von St. Andrews in Schottland. Ihre Promotion zu Zielstrukturen von Antivirulenz-Verbindungen schloss sie 2014 im Rahmen des Wellcome Trust Programme an der Universität von Glasgow ab. Seitdem arbeitet Beckham als Wissenschaftlerin am EMBL in Hamburg.

Der Jürgen-Wehland-Preis wird zu Ehren des ehemaligen wissenschaftlichen Geschäftsführers des HZI verliehen, der im Jahr 2010 nach nur einjähriger Amtszeit unerwartet verstarb. In diesem Jahr wurde der Preis zum siebten Mal gemeinsam vom HZI und dem Förderverein des HZI vergeben. Die Preisverleihung fand im Rahmen des NoRDI-Symposiums („North Regio Day on Infection“) statt, dessen Schwerpunkt in diesem Jahr auf innovativen und alternativen Ansätzen zur Bekämpfung multiresistenter Krankheitserreger lag, die über die Entwicklung neuer Antibiotika hinausgehen.

Kontakt für die Medien

DruckenPer Mail versendenTeilen