25.10.2017

Mit kleinen Teilchen gegen die Tuberkulose

BMBF unterstützt nanomedizinisches Forschungsprojekt im Kampf gegen therapieresistente Erreger

Der Forschungsverbund ANTI-TB erhält in den nächsten drei Jahren Fördergelder des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) in Höhe von 2,8 Millionen Euro. Ziel des Projektes ist es, die Therapiesituation bei resistenten Tuberkuloseerregern mit Hilfe von Nanotransportern zu verbessern. Zu den Projektpartnern zählen das Forschungszentrum Borstel, Leibniz-Institut für Medizin und Biowissenschaften (FZB), das Karlsruhe Institut für Technologie (KIT), das Fraunhofer Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin Hannover (ITEM), das Helmholtz Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS), die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU-HW) und das biopharmazeutische Unternehmen Rodos Biotarget GmbH (RBT). Das Forschungszentrum Borstel ist Koordinator dieses innovativen Forschungsverbundes. Die Rodos Biotarget übernimmt die Kommerzialisierung der Forschungs- und Entwicklungsergebnisse.

tbc_590x240.pngRasterelektronenmikroskopische Aufnahme von Mycobacterium tuberculosis. © HZI / Manfred RohdeDie Tuberkulose stellt mit weltweit 2,2 Milliarden Infizierten die wichtigste Bakterieninfektion des Menschen dar. Allein im Jahr 2015 erkrankten laut WHO weltweit 10,4 Millionen Menschen an einer Tuberkulose – 1,8 Millionen starben an den Folgen der Infektion. Die Bekämpfung wird durch das vermehrte Auftreten therapieresistenter Erregerstämme behindert, die durch die hohe Zahl an Therapieabbrüchen weiter forciert wird. „Patienten mit einer multiresistenten oder einer extensiv resistenten Tuberkulose müssen bis zu 24 Monate lang Medikamente mit teilweise hohen Nebenwirkungen einnehmen. Mit unserem neuen Therapieansatz möchten wir genau hier ansetzen, um die Nebenwirkungen zu minimieren und zugleich die Therapiedauer zu verkürzen. Wir hoffen, dass so die Bereitschaft der Patienten zur Therapie steigt und wir Abbruchraten von bis zu 50% auf diese Weise reduzieren können“, so Prof. Ulrich Schaible, Direktor des Programmbereichs Infektionen am Forschungszentrum Borstel und Koordinator des Verbundvorhabens.

Um diese unbefriedigende Therapiesituation zu verbessern und weitere Resistenzentwicklungen zu vermindern, nutzt das Verbundvorhaben ANTI-TB einen nanomedizinischen Ansatz. Dazu sollen wirkstoffbeladene Trägersysteme, die nur wenige Nanometer groß sind, konstruiert und deren Oberfläche mit Adressmolekülen modifiziert werden. Mit Hilfe dieser sogenannten Antibiotika-beladenen Nanocarrier können Infektionsherde in der Lunge zielgerichtet erreicht und behandelt werden. „Ziel unseres Verbundvorhabens ist es, die Antibiotika-Nanocarrier bis zur Schwelle der klinischen Testung zu entwickeln. Dafür sollen die wirksamsten Varianten für eine aerosolbasierte Inhalationstherapie formuliert werden.“ erläutert Prof. Schaible. „Durch die Inhalation wollen wir stark erhöhte Wirkstoffkonzentrationen in der Lunge erzielen, um so die Therapiedauer zu minimieren und diese weniger belastend zu gestalten.“

Im Bereich der Bildgebungstechniken und der Tumortherapie werden Nanomaterialien in der Medizin intensiv untersucht und teilweise bereits eingesetzt. Der Einsatz von Nanomaterialien als Transportsysteme für Antibiotika wurde bisher deutlich weniger untersucht. Das Forschungsvorhaben ANTI-TB setzt genau an diesem Punkt an. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Chemikern, Pharmazeuten und Mikrobiologen innerhalb dieses Konsortiums soll ein neues Therapiekonzept entwickelt werden, welches in Zukunft auch für andere Krankheiten angewendet werden könnte. Während am KIT und bei Rodos Biotarget neuartige Nanocarrier designt, und am ITEM und HIPS inhalierbare Formulierungen entwickelt werden, übernimmt das Pharmazeutische Institut der Universität Halle die toxikologischen Studien. Das FZB mit seiner Expertise in der Tuberkuloseforschung verwendet entsprechende Infektionsmodelle, um die Wirksamkeit der neuen Therapeutika gegen den Tuberkuloseerreger zu untersuchen. Als beteiligtes Unternehmen wird Rodos Biotarget die wirksamsten Formulierungen nach internationalen Qualitätsmaßstäben herstellen und die Vermarktung vornehmen.

Vor dem Hintergrund zunehmender Resistenzen von bakteriellen Krankheitserregern gegenüber antibakteriellen Wirkstoffen richtete das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Jahre 2016 das Programm „Förderung von Diagnostika und neuartigen Therapien zur Behandlung bakterieller Infektionen“ ein. Das BMBF möchte auf diesem Wege sowohl die Entwicklung neuer Diagnostika für den zielgerichteten Einsatz von Antibiotika als auch die Entwicklung neuartiger Therapien zur Behandlung bakterieller Infektionen in der Humanmedizin fördern und vorantreiben. Das Forschungsvorhaben ANTI-TB wurde seitens der BMBF Ende September bewilligt und wird seine Arbeit am 01.10.2017 aufnehmen.

Kontakt

Prof. Dr. Ulrich Schaible
Direktor Programmbereich Infektionen / Koordinator ANTI-TB
Forschungszentrum Bostel – Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften
Parkallee 1
23845 Borstel
Telefon: 04537 – 188 600
Email uschaible@fz-borstel.de

Über das Forschungszentrum Borstel

Das Forschungszentrum Borstel ist das Lungenforschungszentrum der Leibniz-Gemeinschaft. Im Fokus stehen chronisch-entzündliche Lungenerkrankungen wie Asthma und Allergien, chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) sowie Tuberkulose und andere infektionsbedingte Entzündungen der Lunge. Das übergeordnete Ziel der interdisziplinären Forschungsaktivitäten ist, die Ursachen und Mechanismen chronisch-entzündlicher und degenerativer Erkrankungen der Lunge aufzuklären, um daraus neue innovative Konzepte zu deren Diagnostik, Prävention und Therapie abzuleiten.

Partnerwebsites

FZB: www.fz-borstel.de
HIPS: www.helmholtz-hzi.de/hips
ITEM: www.item.fraunhofer.de
KIT: www.aoc.kit.edu
MLU-HW: http://biopharm.pharmazie.uni-halle.de
Rodos Biotarget: www.biotargeting.eu

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