Keim-Suche in Braunschweiger Nasen

Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung startet Studie zu multiresistenten Bakterien

14.06.2012

Nasentupfer

HZIEin Nasenabstrich ist schmerzfrei und kann von den Probanden selbst durchgeführt werden.

Zweitausend zufällig ausgewählte Braunschweiger Bürger werden in den kommenden Tagen Post vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) erhalten. In dem Schreiben werden sie eingeladen, an einer Studie zur öffentlichen Gesundheit teilzunehmen. Die Wissenschaftler der Abteilung für Epidemiologie des HZI wollen untersuchen, wie häufig das Bakterium Staphylococcus aureus in der Bevölkerung vorkommt. Diesen Keim tragen etwa 20 bis 30% der Menschen auf der Haut, in der Nase oder im Rachenraum, meist ohne es zu merken, denn das Bakterium verursacht an diesen Stellen in der Regel keine Beschwerden. Gelangt das Bakterium jedoch in eine offene Wunde oder wird das Immunsystem des Trägers geschwächt, kann es Hautentzündungen, eine Lungenentzündung oder sogar eine Blutvergiftung hervorrufen. 

Warum dies der Fall ist und warum nur manche Menschen Träger dieses Krankheitserregers sind, wollen die Gesundheitsforscher in den nächsten sechs Monaten ergründen. „Besonders interessieren uns dabei Staphylokokken, die gegen verschiedene Antibiotika unempfindlich sind“, erklärt der Mediziner und Molekularbiologe Dr. Frank Pessler, der das Studienprojekt leitet und gemeinsam mit dem Epidemiologen Dr. Manas Akmatov und der Biostatistikerin Jaishri Mehraj durchführt. Sogenannte multiresistente Keime, allen voran der „Methicilin-resistente Staphylococcus aureus“, kurz MRSA, sind in den letzten Jahren immer häufiger geworden und stellen ein wachsendes Problem in der Gesundheitsversorgung dar. Weil nur wenige Antibiotika gegen sie wirken, ist ihre Behandlung schwierig und oft langwierig. 

Die Teilnahme an der Studie ist für die Probanden nur mit geringem Aufwand verbunden, völlig schmerzfrei und erfolgt von zuhause aus. Zu Beginn der Studie füllen die Teilnehmer einen Fragebogen aus und nehmen bei sich mit einem weichen Tupfer einen Nasenabstrich vor. Beides schicken sie per Post zurück an das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Über einen Zeitraum von sechs Monaten erhalten sie jeden Monat ein neues Päckchen mit einem Abstrichtupfer. 

Pessler bittet die angeschriebenen Bürger, durch ihre Teilnahme mitzuhelfen: „Nur wenn sich möglichst viele Menschen beteiligen, können wir wichtige Erkenntnisse gewinnen, die vielleicht dazu beitragen, multiresistente Keime künftig effektiver zu bekämpfen“, erklärt Pessler. „Davon profitieren auf lange Sicht alle Bürger.“ Neben dem guten Gefühl, einen Beitrag zur medizinischen Forschung geleistet zu haben, gibt es einen weiteren Nutzen für die Studienteilnehmer: Sollte bei ihnen eine Besiedelung mit Staphylococcus aureus festgestellt werden, so kann der Hausarzt anhand des Befundes entscheiden, ob eine Behandlung anzuraten ist. 

 

Die Abteilung „Epidemiologie“ am HZI hat im August 2011 ihre Arbeit aufgenommen und wird von Prof. Gérard Krause geleitet. In den kommenden Jahren sind weitere Studien in Braunschweig und Umgebung vorgesehen.

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