Internationaler Frauentag: Frauen in der Wissenschaft

Im Gespräch mit Prof. Dunja Bruder, Leiterin der Arbeitsgruppe Immunregulation am HZI

08.03.2016

Dunja Bruder

Prof. Dunja Bruder leitet seit 2006 die Arbeitsgruppe „Immunregulation“ am HZI. Ende 2009 habilitierte sie an der Medizinischen Hochschule Hannover für das Fach Immunologie. Seit August 2011 ist sie auch Universitätsprofessorin für Infektionsimmunologie an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg. Anlässlich des Internationalen Frauentags führte sie mit unserer Pressereferentin Rebecca Winkels ein Gespräch über Chancen von Frauen in der Wissenschaft.

 

Ist die Wissenschaft aus Ihrer Sicht eine Männerdomäne?

Nein, absolut nicht! Das mag vielleicht auf einige sehr technisch orientierte Fächer noch zutreffen, aber inzwischen halte ich Vorlesungen im Rahmen im Rahmen der Studiengänge Biologie, Biotechnologie, Biosystemtechnik und Humanmedizin, in denen überall der Anteil der Frauen zum Teil überdeutlich über dem der Männer liegt.

 
Laut HZI Statistik gibt es zwar etwa gleich viele Männer und Frauen am Zentrum, auf der Führungsebene gerade ist die Anzahl der Männer aber deutlich höher. Woran liegt das Ungleichgewicht aus Ihrer Sicht?

Es ist leider immer noch so, dass die entscheidende Phase in der Karriereplanung sich mit der der Familienplanung überschneidet. Aufgrund der wenig planbaren beruflichen Situation in der Wissenschaft durch zeitlich sehr kurz befristete Arbeitsverträge, die Ungewissheit, ob Drittmittelprojekte bewilligt und somit Anschlussverträge zustande kommen oder wenig planbare Karriereoptionen,  ist  es nach wie vor gerade  für junge Wissenschaftlerinnen, die als Postdoc Kinder bekommen schwierig, nach Elternzeit wieder voll einzusteigen und dann den Sprung auf Nachwuchsgruppenleiterstellen, Juniorprofessuren, W2 Professuren zu schaffen. Allerdings muss man sagen, dass das Verhältnis auf Arbeitsgruppen- bzw. Nachwuchsgruppen-Leiterebene gar nicht so unausgewogen ist, sondern erst auf der Ebene der Abteilungen sichtbarer wird. Ich denke, dass sich das in Zukunft auch positiv entwickeln wird, d.h. ich gehe davon aus, dass der anstehende Generationenwechsel in der Wissenschaft auch mit einer positiven Entwicklung des Anteils der Frauen in höheren Leitungspositionen verbunden sein wird.

 

Sehen Sie es als Aufgabe, junge Frauen in Ihrer Abteilung besonders zu fördern?

Ja. Ich selber habe als Postdoc und Nachwuchswissenschaftlerin an Programmen wie u.a. dem Helmholtz Cross-Mentoring Programm teilgenommen und sehr davon profitiert. Entsprechend unterstütze ich meine Mitarbeiterinnen dabei, ebenfalls Zugang zu solchen Förderinstrumenten zu bekommen. Ich bin inzwischen auch selber als Mentorin für junge Wissenschaftlerinnen an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg tätig. Ich muss aber auch sagen, dass ich mich bemühe, alle Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen meiner Gruppe, die signalisieren, dass sie eine Karriere innerhalb der Wissenschaft anstreben, gleichermaßen zu fördern. Für mich zählt hier in erster Linie die eigene Motivation, Zielstrebigkeit und fachliche Kompetenz meiner MitarbeiterInnen, unabhängig davon, ob es sich um Frauen oder Männer handelt!

 

Ist es aus Ihrer Sicht schwerer als Frau eine Führungsposition auszuüben als als Mann?

Auf der Basis meiner eigenen Erfahrungen ein ganz klares "Nein".

 

Muss man sich als Frau mehr beweisen, um in seiner Rolle als Wissenschaftlerin ernst genommen zu werden?

Auch hier aus meiner Sicht ein ganz klares "Nein". Ich hatte in meiner gesamten Laufbahn bisher nie den Eindruck, ernst oder eben nicht ernst genommen zu werden, weil ich eine Frau bin, sondern dass ganz klar fachliche Dinge hier im Vordergrund standen und stehen. Ich will hier aber nicht verallgemeinern - ich selber habe jedoch bislang keine negativen Erfahrungen diesbezüglich gemacht.

 

Wären Sie für eine Frauenquote in der Wissenschaft?

Nicht wirklich. Ich denke, dass allein die Diskussion über "die Quote" viel dazu beigetragen hat, dass die Problematik - Frauen unterrepräsentiert in höheren Führungspositionen - stärker thematisiert wurde und eine Sensibilisierung der wissenschaftlichen Community diesbezüglich stattgefunden hat. Entsprechend ist im Laufe der letzten Jahre ja auch ein Anstieg des Anteils von Frauen in Leitungspositionen (Arbeitsgruppen, Nachwuchsgruppen, Abteilung, W2, W3) gestiegen - auch wenn da noch viel Luft nach oben ist. Erfreulicherweise greifen hier ja auch eine Reihe sehr guter Förderinstrumente wie z.B. das W2/W3 Programm der Helmholtz-Gemeinschaft  Deutscher Forschungszentren. Ich bin aber entschieden dagegen, dass bei freien Ausschreibungen für die Besetzung von Positionen das Geschlecht und nicht die Qualifikation entscheidet!

 

Wird aus Ihrer Sicht genug für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie getan?

Nein! Die Kinderbetreuung zum Beispiel ist in den letzten Jahren sehr viel besser geworden, aber dennoch ist es insbesondere aufgrund der schwierigen Kurzzeitbefristungen und fehlenden Planungssicherheit sehr schwierig, Wissenschaft und Familie zu vereinen. Es gibt aber auch ganz hervorragende Beispiele  -auch bei uns im Zentrum - dass das sehr gut klappen kann! Dafür ist dann aber auch ein sehr großer persönlicher Einsatz für die Wissenschaftskarriere und gute Unterstützung im privaten Umfeld die Voraussetzung. Ich denke, dass solange eine wissenschaftliche Karriere gerade in den ersten Jahren der Qualifizierung nach der Doktorarbeit durch die derzeit übliche Arbeitsvertragssituation so überaus unsicher planbar ist, wird es auch in Zukunft für junge Wissenschaftlerinnen mit Kinderwunsch schwierig sein, eine Karriere in der Wissenschaft und Kinder gut unter einen Hut zu bekommen.

 

Spielt es für Sie eine Rolle wie das Geschlechterverhältnis in Ihrem Team ist?

Eine untergeordnete Rolle. Ich persönlich finde es grundsätzlich von Vorteil und sehr angenehm, in gemischten Teams zu arbeiten. Da wir einen starken Überschuss an Studentinnen haben, bewerben sich bei mir sehr viel mehr Frauen als Männer und entsprechend haben wir seit Jahren mehr Frauen als Männer in der Arbeitsgruppe. Die Auswahl meiner Mitarbeiter treffe ich aber auf der Basis von Qualifikation und Motivation der Bewerber sowie meinem eigenen Bauchgefühl bezüglich der Passfähigkeit im Team - das Geschlecht ist mir hierbei relativ unwichtig!