Grippeforscherin mit Jürgen-Wehland-Preis ausgezeichnet

Stephanie Bertram erhält Nachwuchsforscherpreis des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung

07.09.2012

Stellvertretend für die erkrankte Preisträgerin nahm Stefan Pöhlmann, Leiter der Abteilung Infektionbiologie des DPZ, die Auszeichnung entgegen.  
Im Bild: Dirk Heinz, Wissenschaftlicher…

HZI / S. GramannStellvertretend für die erkrankte Preisträgerin nahm Stefan Pöhlmann, Leiter der Abteilung Infektionbiologie des DPZ, die Auszeichnung entgegen. Im Bild: Dirk Heinz, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des HZI, Stefan Pöhlmann und der Laudator Stephan Becker (v.l.n.r.).

Dr. Stephanie Bertram, Wissenschaftlerin am Deutschen Primatenzentrum, wurde am 7. September mit dem Jürgen-Wehland-Preis ausgezeichnet. Die Ehrung würdigt ihre herausragende Forschung über Grippeviren und neue Therapiemöglichkeiten. Die Preisverleihung fand im Rahmen des dritten „North-Regio-Day on Infection“, kurz NoRDI III statt.

  

Influenza-Viren, die Erreger der Grippe, stehen jeden Winter im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, wenn die Krankheit vermehrt auftritt. Neben dieser saisonalen Grippe kommt es auch immer wieder zur pandemischen Grippe: Da sich Influenzaviren ständig verändern, kann ein Virus entstehen, gegen das nur wenige Menschen immun sind. „Gängige Medikamente richten sich gegen Virusstrukturen, die sich jedoch im Laufe einer Therapie rasch wandeln. Als Folge entstehen resistente Viren“, beschreibt Stephanie Bertram die Nachteile derzeitiger Medikamente. Ihre Forschung könnte nun dazu beitragen, dass zukünftige Grippemedikamente die Resistenzentwicklung umgehen. Sie und andere Forscher haben herausgefunden, dass nicht nur Virus-Moleküle für die Infektion wichtig sind. Auch körpereigene Moleküle, die sogenannten Typ II Transmembran Serinproteasen, sind für die erfolgreiche Infektion erforderlich. Diese molekularen Maschinen aktivieren ein wichtiges Virusprotein – erst dadurch wird das Virus infektiös. Bertram wies nach, dass sie in Zellen vorhanden sind, die üblicherweise von den Viren befallen werden. Somit hat sie einen Baustein im Infektionsprozess gefunden, der sich nicht so schnell ändert wie die Virusmoleküle. Das eröffnet neue Möglichkeiten für die Therapie von Viruserkrankungen: Richten sich Medikamente gegen körpereigene, aber für den Menschen entbehrliche Moleküle, besteht nicht die Gefahr, dass die Viren resistent werden. Die Preisträgerin fühlt sich durch die Anerkennung angespornt: „Die Auszeichnung mit dem Jürgen-Wehland-Preis bedeutet für mich als junge Wissenschaftlerin eine große Ehre. Außerdem ist es eine schöne Bestätigung für meine bisherigen Forschungsergebnisse und motiviert mich, weiter an den Grundlagen der Virus-Wirtszell-Interaktion zu forschen“, so Stephanie Bertram.

Bertram studierte Biologie in Braunschweig und Hamburg. Bereits während ihrer Promotion an der Medizinischen Hochschule Hannover erforschte sie Influenza-Viren. Diese Viren und ihre Aktivierung untersucht sie nun auch als Wissenschaftlerin am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen.

Der Jürgen-Wehland-Preis wird dieses Jahr zum zweiten Mal vom HZI und dem HZI-Förderverein vergeben. Er würdigt herausragende wissenschaftliche Leistungen von Nachwuchswissenschaftlern. Die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung ist nach Prof. Jürgen Wehland benannt, der wissenschaftlicher Geschäftsführer am HZI war und sich sehr für junge Forscher eingesetzt hat.

Der „North Regio Day on Infection” wurde 2010 ins Leben gerufen, damit sich Infektionsforscher aus dem Raum Norddeutschland über aktuelle Fragen der Infektionsforschung und die neuesten technischen Entwicklungen austauschen können. Das englischsprachige Treffen stößt mittlerweile auch über die Region hinaus auf Interesse. Insbesondere Nachwuchswissenschaftlern bietet es die Möglichkeit, ihre Forschung mit bekannten Infektionsforschern zu diskutieren. 

 

Weitere Informationen unter:

www.helmholtz-hzi.de/nordi