Gemeinsam die Tricks der Viren verstehen

Zum dritten Mal treffen sich Virusexperten aus aller Welt zum VISTRIE-Symposium am HZI

19.05.2015

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Die besonders starke Grippewelle im vergangenen Winter und die Ebola-Epidemie in Westafrika haben gezeigt, dass nach wie vor ein großer Forschungsbedarf in der Virologie besteht. Doch auch weniger bekannte Virusinfektionen müssen stärker in den Fokus rücken.  So gilt es unter anderem die Interaktion von Viren und dem Immunsystem besser zu verstehen. Dies ist der Schwerpunkt des internationale Forschungsverbunds „Viral Strategies of Immune Evasion“ (VISTRIE). Auf dem VISTRIE-Symposium am 22. Mai 2015 am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig tauschen sich führende Forscher aus aller Welt über den aktuellen Forschungsstand aus. Gleichzeitig bietet die Konferenz eine Gelegenheit für angeregte Diskussionen und Vernetzung, vor allem auch für Nachwuchswissenschaftler.

Im vergangenen Winter wurde in der Öffentlichkeit oft über den unzureichend wirkenden Grippeimpfstoff diskutiert. Aber nicht nur das Influenza-Virus ist von der Forschung noch nicht ausreichend verstanden. Auch für viele andere Virus-Infektionen gibt es weder sichere Therapien, noch wirkungsvolle Impfungen. Diese stehen zwar weniger im Fokus der Öffentlichkeit, an ihnen zu forschen ist aber trotzdem wichtig. Das Cytomegalievirus beispielsweise ist die häufigste Ursache für Infektionen während der Schwangerschaft und hat lebenslange Folgen für die Kinder. Obwohl die Öffentlichkeit kaum etwas darüber weiß,  leiden geschätzte 40.000 Menschen in Deutschland darunter. Einen Behandlungsweg gibt es bisher nicht, denn das Virus ist zu trickreich für das menschliche Immunsystem und passt sich zu gut an dieses an.

Gerade bei solchen gut angepassten Erregern steht  vor der Entwicklung neuer  Medikamente  vor allem eines: Grundlagenforschung. „Wir müssen besser verstehen, wieso uns Viren überhaupt krank machen und warum uns unser Immunsystem manchmal nicht schützen kann“, sagt Prof. Luka Cicin-Sain, Leiter der HZI-Nachwuchsgruppe „Immunalterung und Chronische Infektionen“ und Organisator des Symposiums.

In der Regel schützt uns unser Immunsystem gegen eindringende Bakterien und Viren. Einigen Erregern gelingt es jedoch das ausgeklügelte Abwehrsystem zu umgehen. Viele Viren haben über die Jahrtausende hinweg Wege gefunden, sich in unserem Körper zu verstecken oder die Zellen unseres Körpers zu manipulieren. „Genau um diese Mechanismen geht es bei unserer Forschung. Wenn wir die Tricks der Viren genau verstehen, können wir auch Mittel dagegen entwickeln“, sagt Cicin-Sain.

Jedes Virus hat dabei unterschiedliche Strategien um dem Immunsystem zu entkommen. Herpesviren, wie beispielsweise das Cytomegalievirus, schleusen ihre DNA in den menschlichen Körper ein und bleiben oft Jahre lang still, bevor sie sich reproduzieren und tatsächlich gefährlich werden. Das Grippe-Virus ändert durch ständige Mutation sein Aussehen und kann so nur schlecht von unseren Abwehrzellen erkannt werden. Hepatitis C-Viren stören die Kommunikation zwischen den Zellen oder befallen direkt die Effektorzellen wie B- und T-Zellen und verhindern so ihre Funktion.

Trotz der vielen Unterschiede, gibt es auch Gemeinsamkeiten der Viren. „Deshalb müssen wir als Virologen unser Know-How bündeln und uns austauschen. So können wir am besten voneinander lernen und unsere Forschung konsequent weiterentwickeln“, sagt Cicin-Sain. Das VISTRIE-Symposium bietet dazu die ideale Gelegenheit. Neben Experten aus den USA, Kanada und Großbritannien werden auch führende deutsche Forscher über Themen wie  Influenza, Zytomegalie und Hepatitis sprechen. Genauso wird es um neue Trends und Erkenntnisse bei Impfungen sowie Wirt-Erreger-Beziehungen gehen. Aber auch Nachwuchswissenschaftler sind Teil des Symposiums und werden ihre Forschung in Poster-Sessions vorstellen.  

Vertreter der Medien sind insbesondere zur Diskussion, aber auch zu den Vorträgen herzlich eingeladen. Neben dem offiziellen Programm besteht die Möglichkeit zu Gesprächen und Interviews mit den anwesenden Wissenschaftlern. Die Presse und Kommunikation des HZI vermittelt Ihnen gerne Termine mit den Experten.

Weitere Informationen zum Symposium und ein detailliertes Programm finden Sie hier