EU gibt drei Millionen Euro für die Forschung an Lungenentzündung

HZI koordiniert Internationales Forscherkonsortium zur Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe gegen Pneumokokken.

11.05.2009

 

Pneumokokken

Lungenentzündungen sind nicht allein ein Problem von Entwicklungsländern. Jährlich sterben in Deutschland mehr als 60.000 Menschen an dieser Erkrankung – meist verursacht durch eine Infektion mit Bakterien der Art „Streptococcus pneumoniae“, Pneumokokken. Die Bekämpfung wird immer schwieriger, Impfstoffe bieten nur teilweise Schutz. Mit dem Ziel, neue Antibiotika und Impfstoffe zu entwickeln, haben sich deshalb jetzt 13 internationale Forschungseinrichtungen aus zehn Ländern in Asien, Europa und Südamerika zusammengeschlossen. Die Koordination des Projekts hat die Abteilung „Mikrobielle Pathogenität“ des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig. Das Projekt, genannt „CAREPNEUMO“, läuft für drei Jahre und wird in dieser Zeit mit drei Millionen Euro von der EU gefördert.

 

Resistenzen von Krankheitserreger gegen Antibiotika sind ein ernst zu nehmendes Problem: Viele Medikamente, die früher gegen eine Infektion geholfen haben, werden wirkungslos. Die Bakterien haben gelernt, sich den Antibiotika anzupassen. Besonders gefährlich sind multiresistente Bakterienstämme. Gegen sie helfen eine Reihe von Antibiotika nicht mehr. „In Frankreich und Spanien ist beinahe die Hälfte der Pneumokokken-Stämme gegen mindestens ein Antibiotikum resistent“, sagt Singh Chhatwal, Leiter der Abteilung „Mikrobielle Pathogenität“ am HZI.

 

Impfstoffe bieten zwar den Vorteil, dass sich keine Resistenzen gegen sie entwickeln. Der entscheidende Nachteil der zwei vorhandenden Pneumokokken-Impfstoffe ist jedoch, dass sie nicht alle der mehr als 90 Unterarten, sogenannte Serotypen, von Pneumokokken abdecken. Der Impfstoff wirke zwar erfolgreich gegen sieben Serotypen. Weil sich deren Verbreitung aber durch die Impfung reduziere, kommen bisher wenig verbreiteten Pneumokokken-Serotypen häufiger vor, sagt Chhatwal. Hinzu kommt, dass zum Beispiel in Deutschland und den USA andere Serotypen häufiger vorkommen als in Indien. Dies erschwere eine Behandlung und Vorbeugung zusätzlich. „Wir müssen daher alternative Wege zur Behandlung und Vorbeugung von Pneumokokken-Infektionen finden“, sagt Chhatwal. Deshalb hat Chhatwal das Forschungskonsortium CAREPNEUMO ins Leben gerufen.

 

Die Arbeit des Konsortiums ist in drei Forschungsprojekte unterteilt: Zuerst schauen die Wissenschaftler, welche Pneumokokken-Serotypen weltweit von Bedeutung sind. Anschließend  untersuchen sie, wie die Erreger das menschliche Immunsystem überwinden und zu einer Lungenentzündung führen. Mit diesem Wissen wollen die Forscher neue Therapien, Medikamente und Impfstoffe entwickeln.

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